Betriebsreportage

Erfolgreich durch weitsichtiges Engagement

Die Bäckerei Höfler in Perleberg setzt auf ein solides Management und traditionelle Qualität / Mobiler Verkauf zahlt sich aus


Perleberg (ec). 15 Jahre vor der Wende und 17 Jahre nach der Wende, für die Bäckerei Höfler ist das ein kleines Jubiläum, das in der Kreisstadt gefeiert wird. Seit mehr als 30 Jahren besteht die Bäckerei und Konditorei. In diesem Zeitraum hat der Firmenchef Winfried Höfler seinen Betrieb zu einem stabilen Unternehmen am Markt ausgebaut und damit auch für die Mitarbeiter über Jahre hinweg sichere Arbeitsplätze geschaffen. In erster Linie führt der Bäckermeister diesen Erfolg auf ein solides Management in Verbindung mit einem weitsichtigen Investitionsprogramm zurück.

1976 übernahm er die Bäckerei seines Kollegen Alfred Valentin. Dieser war in den Westen gezogen. Damals stand die mehr als 120 Jahre alte Bäckerei zum Verkauf. Winfried Höfler griff zu, übernahm zwei Gesellen und eine Konditorin und produzierte mit dem vorhandenen Maschinenpark bis zu 1200 Brote am Tag. Sechs Bäckereien gab es zu dieser Zeit in der Stadt.

Mit der Wiedervereinigung klopften auch bei Winfried Höfler viele Handelsvertreter an die Tür, die ihn zu „Topmodernisierungen“ seiner Bäckerei bewegen wollten. Doch nur der Firma Ireks aus Kulmbach schenkte er sein Vertrauen. „Von dort kam nämlich der Rat, so weiter zu machen wie bisher und erst dann zu investieren, wenn die Mittel dafür im passenden finanziellen Rahmen vorhanden sind.“ Der Maschinenpark funktionierte noch und erst 1993 entschloss sich der Bäckermeister zu weiteren Investitionen in der Backstube. Dem Verkaufsladen hatte man aber direkt nach der Wende ein neues Gesicht verpasst und der Kauf von zwei Verkaufswagen, die der Landbevölkerung die Backwaren bis vor die Tür brachten, war eine gute wirtschaftliche Anlage. Während viele seiner Kollegen noch zögerten, eröffnete Höfler schon 1991 seine erste Filiale in der Stadt. Nur einige hundert Meter Luftlinie vom Produktionsstandort am Marktplatz entfernt kaufte er vom damaligen Obermeister Otto Menz eine komplette Bäckerei. Da die Maschinen nicht mehr gebrauchsfähig waren, entstand ein moderner Verkaufsshop. Zieht der Bäckermeister heute unter dem Strich Bilanz, „so habe ich über die Jahre hinweg etwa 500.000 Euro in das Gesamtunternehmen investiert.“

„Arbeit muss Spaß machen, dann kann es auch zum Hobby werden.“ Marianne und Winfried Höfler beginnen mit dieser Maxime jeden neuen Arbeitstag. Wie sehr sich das Engagement der beiden auch auf die Angestellten auswirkt, ist überall im Betrieb spürbar. Das weiß auch Tochter Alexandra zu schätzen. Mit 33 Jahren steht sie dem elterlichen Betrieb als Konditorin zur Seite und ist, ebenso wie die Mutter, auch für den Verkauf zuständig. Mit von der familiären Partie ist auch Schwiegersohn David. Er kennt das Unternehmen seit vielen Jahren, hat er doch in der Bäckerei seine Lehre absolviert.

Preise sind für Bäckermeister Höfler ein heikles Thema. „Alles ist in der Vergangenheit teurer geworden, aber wie sollen wir diese Steigerungen prozentual an unsere Kunden weitergeben?“ Gar nicht, lautet dann auch seine Antwort. Und so wurden die Preise seit der Euro-Umstellung stabil und konstant gehalten und nicht erhöht, „obwohl sie gegenüber anderen Regionen, speziell in Ländergrenze zu den alten Bundesländern, bei uns erheblich zu niedrig angesetzt sind.“

Überhaupt nicht beeindrucken lassen will sich Winfried Höfler von den vielen Supermärkten, die mit absoluten Dumpingpreisen die Kunden in ihre Shops locken. „Wir haben festgestellt, dass die Menschen wieder Qualität schätzen. Sie wissen, wie hoch unser Qualitätsstandard angesetzt ist.“ Einen großen Beitrag zum Gesamtumsatz leisten auch heute noch die beiden Verkaufswagen, die von Dienstag bis Samstag bei täglichen Touren von durchschnittlich 200 Kilometer über Land fahren. Fast 50 Prozent aller Einnahmen werden damit erzielt. Das Angebot umfasst das komplette Sortiment, das auch im Hauptgeschäft und in den Filialen angeboten wird.

Schon immer hat man in der Bäckerei Höfler großen Wert auf die Ausbildung gelegt. Der erste Lehrling begann 1978, bis heute haben 25 Auszubildende den Betrieb als Gesellen verlassen und arbeiten bei anderen Kollegen.

Obwohl Bäckermeister Höfler noch nicht ans Aufhören denkt, kann er beruhigt in die Zukunft schauen was seine Nachfolge betrifft. „Mit Tochter und Schwiegersohn gibt es bereits motivierte Nachfolger.“


Artikel vom 06.06.2007
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