Verkauf & Marketing
Energie aus der Bäckertüte
Wechsel des Energielieferanten einfach wie ein Brotkauf
Wedel (p). „Ich hätte gern zwei Brötchen, ein Mandelhörnchen und eine Tüte mit Wechselstrom!“ Sätze wie diesen möchte Wedels Stadtwerke-Chef Matthias Wendel in den nächsten zwölf Monaten gern tausendfach in Hamburg hören, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Hildegard Klein (63) sprach ihn aus. Die kaufmännische Angestellte lebt in Stellingen in einer Eigentumswohnung und hat sich mehrfach über den Stromriesen Vattenfall geärgert. Jetzt wählt sie bewusst eine „lokale Alternative“ und zwar mit Ökostrom.
Die naturschonende Form der Energieerzeugung ist einer der Trümpfe, mit denen die Stadtwerke in Hamburg stechen wollen. Den alternativen Strom beziehen die Wedeler von einem Wasserkraftwerk aus Österreich. Selbstverständlich können die Hamburger auch den herkömmlich erzeugten Strom ordern – „konzernfrei“, verspricht der Stadtwerke-Chef. Die Wedeler kaufen ihn an der Strombörse ein, vermeiden dabei langfristige Lieferbindungen und agieren so flexibel. Wendel: „Das machen wir für unsere 20.000 Kunden in Wedel, aber natürlich können davon auch andere profitieren.“ Nach der Modellrechnung bieten die Wedeler schon jetzt günstigere Tarife für das bezogene Erdgas an, als es die E.on Hanse für die nächste Preissenkung ab 1. Juni angekündigt hat. Bei einem Verbrauch von 25.000 Kilowattstunden liegt der Unterschied heute bei rund 100 Euro pro Jahr, ab Sommer immer noch bei 40 Euro. Mit dem ungewöhnlichen Vertrieb über Bäckereien wollen Stadtwerke-Chef Matthias Wendel und seine Mitarbeiter auf möglichst niedriger Schwelle den Verbraucher davon überzeugen, „dass der Wechsel eines Energielieferanten so einfach ist wie ein Brötchenkauf“.
Silvan Drave (34), der von Schenefeld aus mit Bruder und Eltern 20 Filialen der gleichnamigen Bäckerei führt, hat die Idee aus Wedel gern aufgegriffen. „Energie ist einer der letzten Märkte, die längst fällig waren, liberalisiert zu werden“, sagte Drave beim Start der Werbekampagne in seinem Geschäft in Eimsbüttel. In den Strom- und Gasmarkt müsse mehr Wettbewerb rein, um der „Preiswillkür“ Einhalt zu gebieten“. Drave rechnet sich auch einen betriebswirtschaftlichen Vorteil mit dem neuen Partner aus: „Endlich können wir unsere 20 Filialen aus einer Hand mit Energie versorgen.“
Im Kreis Pinneberg planen die Wedeler keinen Angriff auf die benachbarten Stadtwerke. Den Konzernen solle Paroli geboten werden, damit sie nicht die kleinen und mittelständischen Dienstleister vom Markt drängen.
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