Aus-_Weiterbildung
Einstellung und Persönlichkeit im Test
Das Vorstellungsgespräch als Grundlage für die Auswahl von Auszubildenden / Fragestellung offen führen
Von Margit Winkler

Beim Vorstellungsgespräch für ein ruhiges Umfeld sorgen: Keine Störung durch Telefon oder Mitarbeiter. Foto: Winkler Foto: Winkler
In den Bewerbungsunterlagen kann man sich vor allem ein Bild über die fachlichen Qualifikationen machen – während des Praktikums geht es im Wesentlichen um handwerkliche oder verkäuferische Fähigkeiten des Bewerbers.
Im Vorstellungsgespräch will man nun herausfinden, ob die Einstellungen, die Werte und die Persönlichkeit des Bewerbers zum Unternehmen und zum Ausbildungsplatz passen. Daher ist es sinnvoll, sich darauf vorzubreiten. Dann gehen Sie mit einem klaren Ergebnis aus dem Gespräch.
Äußerer Rahmen
Für das Bewerbungsgespräch sollten Sie sich ausreichend Zeit reservieren, ca. 1 ½ bis 2 Stunden. Sorgen Sie dafür, dass Sie nicht gestört werden, z. B. durch das Telefon oder durch Mitarbeiter. Es empfiehlt sich, das erste Gespräch in der Bäckerei zu führen, wo Sie Hausherr sind und die Spielregeln bestimmen können. Empfehlenswert ist es, das persönliche Umfeld des Bewerbers nicht außer Acht zu lassen. Um Informationen darüber zu gewinnen, können Sie die Eltern mit ins Gespräch einladen oder beim Folgetermin einen Besuch bei dem Bewerber zu Hause vereinbaren.
Gesprächsführung
Stellen Sie möglichst viele offene Fragen, um zu erreichen, dass der Bewerber viel von sich berichtet. Jede offene Frage spricht ein Thema breiter und umfassender an, als eine geschlossene. Dadurch erhält der Bewerber mehr Spielraum. Für Sie als Interviewer hat das zudem den Vorteil, dass Sie an der Themenwahl des Bewerbers sofort erkennen können, was ihm wichtig ist und wo er seine Schwerpunkte setzt.
Erzeugen Sie einen Erzählstrom. Wenn Sie offene Fragen stellen, wird es Ihnen gelingen, bei Ihrem Gesprächspartner einen Erzählstrom zu erzeugen. Aus diesem können Sie dann den Bereich aufgreifen, der für Sie wichtig ist und konkreter nachfragen.
Beispiel für ein Gespräch
Durch eine offene Frage (Beispiel: Womit haben Sie sich dann in der Schulzeit beschäftigt?“) erfahren Sie, dass der Bewerber Ihnen von unterschiedlichen Dingen berichtet („Ich habe besonders gerne Mathematik und Biologie gemacht, war Klassensprecher, war im Handball aktiv, bin gern mit meinem Moped durch die Gegend gefahren“). Ein Aspekt interessiert Sie besonders, also fragen Sie konkreter nach: „Was genau haben Sie denn beim Handball gemacht?“, worauf der Bewerber Ihnen verschiedene Aktivitäten mitteilt („Ich habe selbst regelmäßig trainiert und war verantwortlich für die ganz Kleinen der Jungen-Mannschaft“).
Jetzt fragen Sie erneut nach und lassen die Aussage konkretisieren: „Was genau war Ihre Aufgabe, als Sie für die ganz Kleinen aktiv waren?“ Der Bewerber berichtet jetzt ganz konkret. Das Beispiel zeigt, wie Sie aus einer allgemeinen Aussage über die Schulzeit zur konkreten Beschreibung von der Situation des Bewerbers kommen.
Ihre Hypothese aus diesen Aussagen könnte also lauten: „Wenn er sich schon im Sport für die Kleinen verantwortlich gefühlt hat, fällt es ihm sicher auch im Berufsleben leicht, Verantwortung zu übernehmen und kann sich gut in ein Team einfügen.“
Sie beginnen also mit einer offenen Fragen und verwenden anschließend geschlossene Fragen, um das Gespräch zu lenken und auf die Schwerpunkte des Gespräches auf das Anforderungsprofil zu lenken.
Genaues Vorgehen
Wenn aus den Bewerbungsunterlagen Fragen oder Lücken entstehen, nutzen Sie das Gespräch, um konkret darauf einzugehen. Notieren Sie sich am Besten vorher, was auf den ersten Blick nicht zur Anforderung an den Beruf passt oder auffällt, z. B. Zeugnis-Kopfnoten, Fehltage, Noten wichtiger Fächer.
Klären Sie die drei wichtigsten Anforderungen, an denen Sie den Bewerber messen wollen (Anforderungsprofil). Unterscheiden Sie dabei, wie später der Alltag des Auszubildenden aussehen wird: Beim Bäckerlehrling ist das anders als bei der Fachverkäuferin. Wenn z. B. die Anforderung besteht, dass die Bewerberin als Verkäuferin ein hohes Maß an Freundlichkeit mit sich bringt, dann sollten Sie erfragen, wie sie es schafft, jeden Tag freundlich zu sein. Oder was ihre Klassenkameraden über ihre Eigenschaften sagen? Wie würden sie sie beschreiben? Beim Bäckerlehrling ist es wichtig, welchen Bezug er zu Lebensmitteln grundsätzlich hat.
Anhand Ihres Profils sollten Sie im Lauf des Gesprächs die Aussagen des Bewerbers systematisch erfassen.
Diese Anforderungen sollten abgeklärt werden: Berufsmotivation. Leistungsbereitschaft und Erwartungen an das Unternehmen. Weiterhin kann folgendes ausschlaggebend sein: Familiärer Hintergrund, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ausdauer. Wenn für Sie andere Fähigkeiten bedeutend sind, nehmen Sie diese hinzu. Achten Sie darauf, dass Sie die drei wichtigsten Fähigkeiten für das Gespräch unter die Lupe nehmen.
Im Download (siehe Praxistipp) erhalten Sie ein Beispiel für einen Fragebogen für das Vorstellungsgespräch mit potenziellen Auszubildenden.
Zusätzlich zu dem Interview machen Sie sich von der Person einen Gesamteindruck. Die Kontakt- und Kommunikationsfreudigkeit können Sie nach folgenden Kriterien beurteilen:
Zeigt positive Ausstrahlung
Nimmt Kontakt auf und hält ihn
Zeigt Blickkontakt
Zeigt angemessenes Mitteilungsbedürfnis
Antwortet klar und verständlich
Schauen Sie auch nach dem äußeren Erscheinungsbild, insbesondere wenn Sie eine Verkäuferin einstellen wollen, und vergessen Sie dabei Ihr Bauchgefühl nicht: Inwieweit möchten Sie mit ihr/ihm in den nächsten Jahren zusammenarbeiten?
Das Gesamtergebnis können sie nach nebenstehender Tabelle auswerten: Verteilen Sie Bewertungen für jeden Kandidaten. Mit der strukturierten Vorgehensweise werden Sie leicht zu einem Ergebnis kommen. Natürlich können jetzt immer noch Unklarheiten auftreten. Sie sollten diese dann in einem Folgetermin klären, vielleicht beim Bewerber zu Hause. Dort lernen Sie dann zusätzlich sein Umfeld kennen.
Nach einem strukturiert durchgeführten Vorstellungsgespräch wissen Sie einiges über Einstellungen, Werte, Motivation und über die Persönlichkeit des Bewerbers allgemein. Das gibt Sicherheit im Auswahlverfahren.
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