Snacks & Co.

Ein guter Kaffee lockt zusätzliche Kunden

Rund um das Imbissangebot dürfen Getränke nicht fehlen: Kaffee, Kaffeespezialitäten, Erfrischungen und mehr / Von Marina Hellmig


Die „Nordsee“-Fischspezialitäten mit Sitz in Bremerhaven zeigen deutlich, wohin der Trend läuft: In 360 Nordsee-Filialen wird seit Juni Tchibo-Kaffee ausgeschenkt. Man möchte die Qualität und die Inszenierung des Kaffeeangebots deutlich verbessern. Und Tchibo überzeugte den Fischfilialisten mit seinem Konzept.

Zudem kann der bekannte Markenname zusätzlich Kunden locken, denn: „Tchibo verbindet Kaffeekompetenz mit langjähriger Erfahrung im Filial- und Kaffeebarbereich“, glaubt Nordsee-Geschäftsführer Christof Becker. Darüber hinaus wird ein breites Zusatzsortiment wie Tee, Trinkschokolade und Trendprodukte offeriert. Coca Cola hat die umsatzfördernde Wirkung, die ein Getränk auf Snacks ausübt und umgekehrt, ebenfalls erkannt und bietet „Coce & Snack“ an.

Während der Begriff an die Marke Coca Cola denken lässt, hat das Unternehmensmarketing das Konzept längst weiter entwickelt. Vom Frühstück über das Mittagessen bis in den Nachmittag hinein sollen unterschiedliche Kompositionen, die auch mit allen anderen Getränken, die der Konzern im Portfolio hat wie Apollinaris, Kunden begeistern.

Selbst McDonalds hat das gemütliche Café entdeckt. Um den Kaffeebedürfnissen seiner Kunden zu entsprechen, verwirklichte der Fastfood-Riese das McCafé-Konzept. „Hier soll sich der Gast entspannen, genießen und ein bisschen Ruhe haben“, sagt Birger Lücke, Salesbuilding Consultant bei McDonalds. Für das passende Ambiente ist gesorgt: Porzellantassen und Gläser statt Einweggeschirr, Qualitätskaffee und dessen professionelle Zubereitung statt Ruck-Zuck-Service.

Wachstumsmarkt Kaffee

Café- und Kaffee-Kultur erleben eine Renaissance. Befördert durch die aus Amerika eingewanderten Coffeeshop-Ketten mit ihren vielfältigen Kaffeespezialitäten besannen sich auch deutsche Kaffeeköche auf das einstige Lieblingsgetränk der Deutschen. Und so kopieren sie die amerikanischen Vorbilder und ihre trendigen Ideen, machen aber auch mit eigenen Kreationen von sich reden.

2006 wurde in Deutschland 1,5Prozent mehr Kaffee getrunken als im Jahr zuvor: Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch lag bei 146 Litern (2005: 144 Liter), meldet der Deutsche Kaffeeverband.

„Kaffee ist wie kein anderes Getränk in unterschiedlichsten Variationen bei allen Generationen beliebt und hat sich zu einem Lifestylegetränk zu Hause und unterwegs entwickelt“, freut sich Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbands. In Deutschland übersteige der Kaffeekonsum die Kaltgetränke Wasser und Bier. „Deutschland ist ein Kaffeeland“, resümiert er.

Wachstum verzeichneten Einzelportionen sowie die Marktsegmente Espresso und Caffè Crema. Hier stieg der Absatz um 20Prozent. Filterkaffee ist aber weiterhin der Klassiker im Röstkaffeesegment. Nachdem in den vergangenen Jahren die löslichen Kaffeegetränke wie Cappuccino beachtliche Wachstumsraten aufwiesen, konnte 2006 der pure lösliche Kaffee eine Steigerung von 3,1Prozent verbuchen.

Umsätze steigen

Eine qualitativ hochwertiges Sortiment von Kaffee und Kaffeespezialitäten unterstützt das Snackangebot: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Umsatz im Backbereich um rund 20Prozent gesteigert werden kann“, weiß Frank Epping, Geschäftsführer vom Kaffeesystem-Vertrieb Cup&Cino, Hövelhof. Voraussetzung sei allerdings, dass frisch zubereitet und aus frischen Bohnen gebrüht wird. „Der Duft des Kaffees verführt die Kunden zu Impulskäufen“, erklärt Epping die Vielgestaltigkeit dieses Produkts.

Hans Schneider, Vorstand der Bäko Süd-West, verdeutlichte in seinem Bericht zum Geschäftsjahr 2006, dass Kaffee eine immer stärkere Bedeutung erlangt und der Kaffeeausschank in Verbindung mit dem Snackverkauf eine tragende Säule der Wertschöpfung für Bäckereien darstellt. „Die Möglichkeit, im Verkaufsraum Sitzplätze einzurichten, ohne Toiletten vorhalten zu müssen, sollte unbedingt genutzt werden“, riet er. Die Genossenschaft bietet Schulungen zu diesem Thema an. Die Bäko-Snackexperten Rainer Veith und Ursula Ahland-Veith führen in zahlreichen Seminaren vor, wie es geht.

Sie verbinden der Jahreszeit entsprechende warme und kalte Gerichte mit jeweils passenden Kaffeespezialitäten, aber auch Kaltgetränken. „Getränke rücken immer stärker in den Vordergrund, ganz einfach deshalb, weil in ihnen ein großes Potenzial an Wertschöpfung steckt“, sind die beiden Berater überzeugt.

In der kalten Jahreszeit können warme und deftige Speisen beispielsweise mit einem Latte Macchiato offeriert werden, zu einem Katerfrühstück passt reiner wie auch aromatisierter Espresso. Von Komplettpreisen raten die Snackexperten ab: „Bei jedem Änderungswunsch stimmt die Kalkulation nicht mehr.“

Frische Salate im Sommer könnten mit sogenannten Smoothies kombiniert werden, die in vielen geschmacklichen Varianten Liebhaber finden dürften. Sie werden aus frischen oder tiefgekühlten Früchten, Fruchtsaft, Sirup und Zucker gemixt. Aber auch Kaffeeshakes oder Eiskaffee sind im Sommer sehr beliebte Begleiter zu einem Snack. Wer im Herbst spezielle Produkte, zum Beispiel zu Halloween, kreiert, sollte dazu Getränke wie der „Grüne Schreck“ (mit Pfefferminzsirup) oder „Bärencappuccino“ (mit Himbeersirup) reichen. Und an Weihnachten kommt Stimmung auf durch mit Zimt und Lebkuchengewürz aromatisierte Kaffeegetränke.

Etliche Bäcker und Konditoren haben die segensreiche Wirkung des Kaffeeangebots auf ihre übrigen Offerten bereits genutzt und sind mit dem Ergebnis zufrieden.

„Kaffee, Milch und Zucker“ heißt das neue Café-Konzept der Bäckerei und Konditorei Siegel in Stuttgart-Zuffenhausen. Der Ladenbauer Brust + Partner machte aus einem zwanzig Jahre alten, auf zwei Ebenen verteilten und damit unübersichtlichen Café einen In-Treff gehobener Bäckerei-Café-Kultur.

Das auf Wellness basierende Marketingkonzept sieht vor, dass der Kunde schon im Eingangsbereich im Sommer zu Eis und im Winter zu Waffeln verführt wird. Anschließend wird er entlang der Theke mit dem gesamten Backwarenprogramm zum Frontcooking-Bereich geleitet. Und wer die Backwaren im Blick hat, dem entgeht die Kaffeemaschine nicht, die eine große Auswahl an Kaffeespezialitäten verspricht. „Wir haben uns für einen Halbautomaten entschieden“, berichtet Rose Siegel. „Unsere Mitarbeiter sind gut geschult. Sie demonstrieren dem Kunden, dass sein Kaffee nicht auf Knopfdruck, sondern mit sehr viel Eigeninitiative der Bedienkraft entsteht“, freut sich die Meisterfrau.

Getränke beflügeln Snacks

Nicht nur junge Leute schätzen diesen Service, auch die Älteren haben sich nach Siegels Erfahrung mit Cappuccino und Latte Macchiato anfreunden können. Ein Selbstbedienungsbüfett mit Salatbar ermuntert zum Zugreifen. Ob zum Frühstück, Mittagessen oder kleinem Imbiss: Bäckermeister Siegel lockt mit lifestyliger Café-Kultur und begeistert damit viele Kunden. Zum Lieblingsgetränk greifen sie gern zu Pizzatasche, Schinkenhörnchen oder Butterbrezel oder zu einer vor ihren Augen belegten Hawaiistange. Aber auch kleine, warme Gerichte wie Hühnerfrikassee mit Reis und Salat oder Fischpfanne stehen auf dem Speiseplan junger und junggebliebener Gäste. „Wir offerieren jeden Tag zwei verschiedene Speisen zur Auswahl“, berichtet Rose Siegel stolz. Und weil das alles so gut angenommen wurde, planen Dieter und Rose Siegel schon das nächste Café im gleichen Ort in der Nähe eines großen Ärztehauses. „Die Standortanalyse spricht von 1500 bis 2000 Kunden pro Tag“, verrät die Chefin.

Konditormeister Gerhard Kern sorgte dafür, dass in seinem neuen „Café Ambiente“ in Wüstenrot der Blick der Kunden automatisch zum Bereich Snacks, Verzehr, Getränke und Eis geführt wird. „In Sachen Eis und Kuchen sind wir sehr stark“, betont Kern. Natürlich bietet er auch Snacks an, aber die seien in kleinen Gemeinden nicht so stark gefragt wie in der Stadt. Dennoch ist er davon überzeugt, dass Kaffee und andere Getränke den Snack-Verkauf fördern können, ja, dass das eine ohne das andere kaum denkbar sei. Deshalb lässt er seinen Kunden die Wahl, Kaffee, Kaffeespezialitäten und Snacks nicht nur vor Ort zu genießen, sondern sie auch mitzunehmen.

Qualität und Genussvielfalt

Dass es mit der klassischen Tasse Kaffee längst nicht mehr getan ist, weiß auch Maja Sophia Zecevic, Chefin der Westermann-Bäckereien in Bergkamen. Um ihre Kunden mit echter Kaffeekompetenz verwöhnen zu können, rüstete sie einige ihrer Filialen mit professionellen Kaffeesystemen und Shop-in-Shop-Lösungen des westfälischen Anbieters Cup&Cino aus.

„Ob Macchiato, Espresso oder eiskalte Ice-Shots – gefragt ist Qualität und Genussvielfalt“, weiß sie. Nachdem die moderne Kaffeetechnik, die mannigfache Spezialitäten ermöglicht, in die Filialen Einzug gehalten hatte, wurde der traditionelle Filterkaffee abgeschafft. Auf die Kaffeekarte kamen ausschließlich trendige Sorten.

Doch die Verantwortlichen hatten die Rechnung ohne die Handwerker, LKW-Fahrer, Bauarbeiter und älteren Kunden gemacht! Die fragten bei ihren Besuchen nach Filterkaffee, während jüngere Leute die Neuheiten goutierten. „Also haben wir den Filterkaffee schleunigst wieder ins Programm genommen“, berichtet Zecevic.

„Wir möchten diesen Kundenkreis ja nicht verlieren.“ Zumal bei jeder Kaffeepause herzhafte Snacks verzehrt oder mitgenommen werden.

Am liebsten belegte Baguettes, Fladenbrote oder Schlemmerbrötchen. Auch wenn der Kaffeegeschmack ein anderer ist: Beim Essen unterscheiden sich die Zielgruppen nach Beobachtungen der Westermann-Mitarbeiter keineswegs: Auch junge Leute lieben einen deftigen Imbiss.

Sortimentspflege

Dass mit Getränken richtig Geld verdient wird, davon sind viele Bäcker- und Konditormeister überzeugt. Mehr noch, sie fordern ihre Kollegen auf, endlich umzulernen und Getränken mehr Beachtung zu schenken.

Das Handwerk soll Kompetenz zeigen, sowohl beim Kaffee als auch beim Snack. Das gastronomische Angebot muss fachkundig präsentiert werden, sonst nimmt es kaum ein Kunde an. „Ich pflege unsere Getränke“, betont Jan Sundag, der in Schüttorf kürzlich sein jüngstes Erfolgskonzept „Back und Snack“ vorstellte. „Wir sind schon zu einem Drittel Gastronomie geworden“, verrät er. Das könne aber nur erfolgreich sein, wenn Qualität offeriert wird. Sundag ist davon überzeugt, dass Getränke den Snackbereich nicht nur ergänzen, sondern dass das eine ohne das andere gar nicht möglich ist.

Fazit: Wer diese Erkenntnis als Binsenweisheit abtut, sollte bedenken, dass es immer noch Betriebe ohne Qualitätskonzept gibt oder es nicht in allen Bereichen verwirklicht wurde. Schlechter Kaffeegeschmack oder lauwarme Erfrischungsgetränke wirken sich negativ aus auf das Imbissgeschäft, denn: Der Kunde schließt von der Beschaffenheit der Getränke auf die des übrigen Angebots.


Artikel vom 26.07.2007
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