Praxis
Digitaler Nummernklau
Experten warnen vor steigender Online-Kriminalität. Wie viel Aufwand müssen Bäcker betreiben, um sicher zu sein?
Von Manfred Fischer
Dirk Hafendörfer spart, wo er kann. Die Kosten für den IT-Schutz hat der schwäbische Bäckermeister „minimalisiert“, wie er betont. Vier Rechner hat er in seinem Betrieb, drei davon hängen am Internet. Datendieben verbrennen sich an ihnen die Finger: „Wir haben eine sehr wirksame Firewall“, sagt der junge Unternehmer. Immer wieder signalisiere das Schutzprogramm Angriffe aus dem Netz. Hafendöfer hat seine Firewall von einem Profi einstellen lassen. Nur einmal schlüpfte bisher ein Computerwurm durch. Und der kam nicht weit. Als zweiten Sicherungsschild hat der Handwerker auf seinen Rechnern ein Antivirenprogramm installiert. „Das ist immer auf dem neuesten Stand, die Aktualisierung läuft automatisch.“ Rund 1200 Euro investiert Hafendörfer pro Jahr in IT-Sicherheit. Darin enthalten sind Gebühren für Software-Updates und der Service des Profis.
Das Geld ist gut angelegt. Das Bundes Bundeskriminalamt (BKA) und der Branchenverband Bitkom warnen vor neuen Formen der Online-Kriminalität. „Schadprogramme sind zunehmend schwerer zu erkennen. Angriffe erfolgen vermehrt über Anwendungsprogramme, nicht nur über Lücken in Betriebssystemen“, sagt Professor Dieter Kempf. Der Bitkom-Experte rät Unternehmern dringend, ihre Rechner mit einem aktuellen Virenschutz auszurüsten. Begehrte Beute von Hackern: „Digitale Identitäten“.
Laut neuer Statistik sind 3,5 Mio. Deutschen Zugangsdaten zu Online-Diensten geklaut worden. BKA-Präsident Jörg Ziercke warnt: „Betrüger haben es auf Benutzernamen und Codes für Shops und Auktionshäuser, Communities, Foren und E-Mail-Konten abgesehen.“ Und nicht zuletzt: „Zugangsdaten zu Bankkonten.“
BKA und Bitkom rechnen mit einem Anstieg der Datendiebstähle durch sogenanntes Phishing – „Abfischen“ von Passwörtern und Geheimzahlen – um 71 Prozent in diesem Jahr. Als Gefahr Nummer eins stuft das BKA neuartige Schadcodes ein, die selbst „anspruchsvolle Sicherungsmechnismen“ knacken. Bei einem Großteil der Schädlinge handelt es sich laut Experten um „HTML-Codes“ oder „Skripts“, die Kriminelle seriösen Webseiten unterschieben. Sie profitieren davon, dass Internetnutzer in Foren arglos Links anklicken. Als nach wie vor extrem gefährlich gelten Lücken in Standardsoftware. Immer wieder finden Hacker neue Schlupflöcher. Beliebte Angriffsziele: Browser, Büro-Programme und Adobe-Anwendungen. Experten warnen daher: Mit einer simplen Verbraucherlösungen oder gar ohne IT-Schutz gehen Betriebe ein hohes Risiko ein.
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