Existenzgründer

Die wirtschaftliche Perspektive nutzen

Bäckermeister Stefan Reck, Dresden, will den Spagat zwischen Tradition und eigenem Stil meistern


Dresden (ad). Seit Jahresbeginn ist Bäckermeister Stefan Reck sein eigener Chef. Der 27-Jährige hat sich einen Traum erfüllt und den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Damit dieser Sprung nicht zu einem Sturz wird, setzte der junge Betriebsinhaber auf die Unterstützung durch den Landesinnungsverband Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen. In Betriebsberater Sven Bretschneider fand Stefan Reck einen Partner, der ihm bei allen Fragen und Problemen mit Rat und Tat zur Seite stand.

Auf seine berufliche Selbstständigkeit hat sich Stefan Reck gezielt vorbereitet. Nach der Lehre bildete er sich weiter, im Juni 2005 schloss er seine Ausbildung zum Meister ab. Insbesondere die betriebswirtschaftliche Ausbildung habe ihm sehr viel gegeben, lobt Reck diese Zeit des Lernens. Hinzu kam ein Seminar zum Thema „Erfolgreich selbstständig machen“, dass er an der Sächsischen Bäckerfachschule absolvierte.

Umfeld unter der Lupe

„Um eine zur Weiterführung geeignete Bäckerei zu finden, habe ich mich bei Betriebsberater Sven Bretschneider erkundigt“, erinnert sich Stefan Reck. „Er brachte mich mit Bäckermeister Werner Ringel zusammen, der aus Altersgründen einen Nachfolger suchte.“ Zwar gab es für den 100 Jahre alten Betrieb zwei weitere Interessenten, doch Stefan Reck machte das Rennen und ging im vergangenen Jahr daran, seinen Einstieg vorzubereiten.

Der Betrieb befindet sich in Wachwitz, einem Dresdner Stadtteil hoch über der Elbe. „Meine Bäckerei ist die höchstgelegene in Dresden“, weiß Reck schmunzelnd zu berichten. Doch das allein hat nicht den Ausschlag für die Übernahme des Betriebes gegeben.

Ehe er sich zu diesem Schritt entschloss, nahm er die Bäckerei und ihr Umfeld genau unter die Lupe. „Ich bin die Straßen abgelaufen, habe mir das Einzugsgebiet angesehen, habe nachgeschaut, wo gebaut wird, denn dort können schon bald potenzielle Kunden wohnen.“ Bald stand für Stefan Reck fest, dass der grüne Stadtteil Wachwitz ihm eine wirtschaftliche Perspektive bieten kann, die es zu nutzen gilt.

„Er ist ein guter Fachmann, der weiß, was er will. Es hat großen Spaß gemacht, ein solches Vorhaben mit ihm gemeinsam in Angriff zu nehmen“, lobt Sven Bretschneider die Zusammenarbeit mit dem Existenzgründer. Er unterstützte Stefan Reck dabei, einen Businessplan zu erarbeiten und war bei Bankgesprächen mit von der Partie. „Eine unbezahlbare Hilfe“, resümiert Stefan Reck seine Erfahrungen. Wertvoll sie die Unterstützung durch den Betriebsberater auch gewesen, als es galt, die Mietkonditionen für Geschäft und Backstube auszuhandeln.

Finanzielle Hilfe der Familie

Dafür, dass er bei der Finanzierung der Betriebsübernahme letzten Endes doch keinen Bankkredit in Anspruch nahm, hatte Stefan Reck einen guten Grund: Finanzielle Hilfe aus der eigenen Familie machte es ihm möglich, Altmeister Werner Ringel auszuzahlen, ohne sich Gedanken über Begriffe wie Disagio und effektiven Jahreszins machen zu müssen.

Für die Kunden, die meisten von ihnen halten der Bäckerei schon seit Jahren die Treue, änderte sich mit der Übernahme durch Stefan Reck nur wenig. Selbst der bisherige Name blieb erhalten, denn der neue Inhaber betreibt seinen Betrieb als „Bäckerei Werner Ringel e.K.“. Das sei ihm von Anfang an wichtig gewesen, um die Stammkunden nicht zu verunsichern.

Dass diese Gefahr durchaus bestanden hat, erlebten Stefan Reck und seine Lebensgefährtin Kristin Pfrogner, nachdem im „Elbhangkurier“ eine Anzeige mit dem Hinweis auf den neuen Inhaber erschienen war. „Viele Kunden haben sich daraufhin besorgt erkundigt, ob ich denn die alten Rezepte weiterhin nutze oder womöglich alles neu machen werde“, sagt Stefan Reck. Inzwischen hat er bewiesen, dass die Befürchtungen der Kundschaft gegenstandslos waren. „Ich backe für die Leute Brot und Brötchen, wie sie sie seit Jahren gewöhnt sind, darunter auch die so genannten DDR-Semmeln“, berichtet der Meister. „Aber ich mache nicht nur die alten Sachen, sondern bringe meine eigene Handschrift ein.“ Mit zusätzlichen Brot- und Brötchensorten lockt er seine Kunden ebenso wie mit der einen oder anderen neuen Kuchenkreation. So kreierte Stefan Reck unter dem Motto „Donauwelle kann jeder“ eine „Elbwelle“. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein falscher Grießkuchen mit Marzipangeschmack, der bei den Kunden mittlerweile hoch im Kurs steht.

Diese behutsame Sortimentserweiterung hat seit Jahresbeginn so manchen Skeptiker überzeugt und dem Geschäft seit der Übernahme gute Umsätze beschert. „Ich kann nicht meckern“, fasst Stefan Reck die Erfahrungen seiner ersten Monate als selbstständiger Bäckermeister zusammen. In der Backstube zählt er deshalb auf die Unterstützung durch eine Aushilfe, seiner Lebensgefährtin steht im Laden eine Verkäuferin zur Seite.

Mit Investitionen will sich der Meister noch Zeit lassen. „Der Betrieb ist insgesamt gut ausgestattet, der Backofen stammt von 1998“, berichtet er. „Natürlich gibt es hier und da etwas zu verändern, aber ich investiere in dem Maße, wie Geld hereinkommt.“


Artikel vom 10.05.2007
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