Unternehmensführung

Die Problemzone Kassenbereich meistern

Detektiv gibt Tipps auf der Jahreshauptversammlung der Bäckerinnung Biberach


Biberach (sar) „Was tun, wenn Mitarbeiter stehlen?“, fragen sich betroffene Betriebe aus dem Bäckerhandwerk. Aus diesem Grund stand das Thema Personaldiebstahl ganz oben auf der Tagesordnung bei der jetzt stattgefundenen Jahreshauptversammlung der Bäcker aus dem Innungsbezirk Biberach. Referent war der Detektiv Karl Titz. Obermeister Herbert Bader begründet seine Themenwahl so: „Aus dem Kollegenkreis habe ich erfahren, dass manche Betriebe in diesem Bereich Probleme haben.“ Das Referat wurde von den Zuhörern positiv aufgenommen; eine rege Diskussion hat sich entwickelt.

Im Vortrag ging es sowohl um vorbeugende Maßnahmen als auch um mögliche Handlungsweisen im Ernstfall. Titz legte die Gründe für Diebstähle dar: Vor allem Geldmangel, aber auch Neugierde und Versuchung, getreu dem Motto „Gelegenheit macht Diebe“. Naturgemäß sei in einer Bäckerei der Kassenbereich die Problemzone, nämlich in 95 Prozent der Fälle.

Un-/Regelmäßige Kontrollen

zur Vorbeugung wichtig

Zur Vorbeugung vor Diebstählen durch Mitarbeiter in Bäckereien sei deshalb eines besonders wichtig: Regelmäßige und unregelmäßige Kontrollen wie das Prüfen von Kassenjournalstreifen, Nullbons und Stornos oder der Vergleich von Umsätzen pro Mitarbeiter. Darüber hinaus empfahl der Referent den Bäckern, ihr Personal zu überwachen. Insbesondere nannte er Videokontrollen, Kontrollen der Retouren oder Alarmanlagen.

Für den Fall, dass es trotz aller Kontrollen und vorbeugenden Maßnahmen zum Diebstahlsverdacht oder konkreten Diebstahl kommt, bekamen die Zuhörern eine Liste mit Verhaltens- und Handlungsrichtlinien mit nach Hause. Titz meinte, zunächst sei es wichtig, Ruhe zu bewahren, die Sachlage weiter zu beobachten und Beweise zu sammeln. Von auffälligen Reaktionen des Vorgesetzen oder gar dem Besprechen des Verdachtes mit anderen Betriebsangehörigen riet der Detektiv ab. Stattdessen empfahl er, mit externen Fachleuten wie Detektiven, Rechtsanwälten oder der Polizei zu sprechen und letztendlich die Kündigung des entsprechenden Mitarbeiters vorzubereiten. Wichtig sei bei einem so brisanten Thema, niemals auf Verdacht, sondern nur bei eindeutiger Sachlage aktiv zu werden. Müsse ein Gespräch mit einem Mitarbeiter geführt werden, solle das immer im Büro sein, und zwar zusammen mit einer fachlich qualifizierten zweiten Person. Richtig sei es, dieses Gespräch aufzuzeichnen und vom Mitarbeiter als Protokoll abzeichnen zu lassen. All diese Tipps konnten die Bäcker aus Biberach in Form einer kleinen Broschüre mit nach Hause nehmen. Dazu gehörte auch ein Verzeichnis der verschiedenen Dienstleistungen, die eine Detektei erbringen kann. Konkret geht es dabei um die Analyse von Schwachpunkten in Bezug auf Personaldiebstahlsmöglichkeiten oder um die Planung von Sicherheitskomponenten im Betrieb wie zum Beispiel Videoüberwachung oder Zutrittskontrollen. Auch das Einrichten von Überwachungsanlagen gehört dazu: Spiegelüberwachung oder Miete von Kamera und Recorder einschließlich Ein- und Ausbau zur Videoüberwachung des Betriebes.

Personaldiebstahl für alle Beteiligten eine peinliche Sache

Vor allem ein nicht gestelltes Originalvideo hätte den Bäckern der Biberacher Innung die Augen darüber geöffnet, „wie raffiniert gearbeitet wird“, so Obermeister Bader. Das Thema Personaldiebstahl jedenfalls sei „eine peinliche Sache“, nicht nur für denjenigen der ertappt würde, sondern auch für den Betrieb, der bis dahin gemeint hätte, gute Mitarbeiter eingestellt zu haben.


Artikel vom 01.09.2006
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