Unternehmensführung

Die Mitarbeiter komplett einbinden

Beispiel einer Produkteinführung in der Bäckerei Philippi von der Herstellung bis hin zu den Verkaufsargumenten


Windecken (dtp). Um ein neues Produkt in den Verkaufsstellen einzuführen und erfolgreich an die Kunden zu bringen bedarf es mehr denn je sorgfältiger Vorbereitungen. Ein Schild im Laden mit Quervermerk „Neu“ reicht in den meisten Fällen allein nicht mehr aus.

Dessen ist sich Bäckermeister Thorsten Philippi bewusst und agierte entsprechend. Nach reiflicher Überlegung hat er sich dazu entschlossen, mit dem „Pain Paillasse“ das einzige gesetzlich geschützte Weißbrot ins Sortiment aufzunehmen. Verbunden mit einem gewissen Gebietsschutz, gewährt vom deutschen Lizenzpartner (dm Getreidemühle) des in der Schweiz ansässigen Patent-Inhabers Aimé Pouly will Philippi das im oberen Preissegment einzureihende Backwerk seinen Kunden im Sinne des Wortes schmackhaft machen. Damit auch neue Kunden dazu gewinnen. Hohe Qualität, viel Aroma, toller Geschmack und über dem Durchschnitt lange Frischhaltung zeichnen das auch unter der Bezeichnung „Knebel-Brot“ bekannte Gebäck aus, wie einschlägige Info-Schriften aussagen.

Eine Schlüsselstellung für den Erfolg nehmen die Verkäuferinnen ein. Also setzte Philippi nach Feierabend an zwei Abenden eine umfangreiche Unterweisung an, an der auch die Bäcker/innen aus der Backstube teilnahmen. Für alle auf einmal hätte der vorhandene Platz nicht ausgereicht. Backberater Matthias Elkmann gab zuerst eine komplette Übersicht über die Teigbereitung, die auf der Basis von sehr langsamer und sorgfältiger Zeiteinteilung zu geschehen hat. Es soll drei Tage dauern, ein Pain Paillasse herzustellen. Dabei wurde auch Teig angefertigt. Im nächsten Schritt, der rustikalen Aufarbeitung von bereits vorher hergestelltem Teig, wurden etliche spezifische Handgriffe und in der richtigen Reihenfolge durchzuführende Verfahren gezeigt, welche so mithelfen, dem Brot sein charakteristisches Aussehen zu geben.

Dabei waren auch die Verkäuferinnen aufgefordert, selbst mit Hand anzulegen, um ein Gefühl für den Teig zu bekommen. Elkmann gab zusätzliche Hinweise, wie etwa beim Verkaufsgespräch nie über den Preis sondern nur über Qualität, Frische, Geschmack und Aroma zu reden.

Außerdem gibt es eine schriftliche Hilfe zur Argumentation sowie Flyer und in DIN A 4 Einzel-Darstellungen der vier Sorten Paillasse hell, Paillassa Rustick, Paillasse Olive und Paillasse Feta. Sie kommen mit einem Fertiggewicht von rund 400 Gramm in den Laden und werden zu Preisen von 2,10 bis 2,60 Euro je Stück verkauft.

Weiter war der Nachdruck aus einer Tageszeitung vom 12. 10. 2002 vorhanden, in dem über das Leben des Erfinders und Entwicklung unter dem Titel „Pain Paillasse – Siegeszug der Langsamkeit“ berichtet worden ist. Alle diese Informationen wurden von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Bäckerei Philippi mit großem Interesse aufgenommen. Wodurch sicher gestellt sein dürfte, dass mit entsprechendem Hintergrundwissen und verbunden mit der eigenen Erfahrung eine solide Basis für guten Umsatz gelegt sein sollte.

Meister Philippi und Frau Sandra sehen Pain Paillasse zusätzlich als gute Ergänzung zum Wein, der schon seit einiger Zeit in den Verkaufsstellen angeboten wird sowie überhaupt als besonderen „Hingucker“ weil solches Gebäck in einem deutlichen Umkreis nicht angeboten wird.

Natürlich kann aus dem Teig weiteres Gebäck wie Winzer-Knoten oder Anderes hergestellt und verkauft werden, hier sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt.


Artikel vom 06.09.2007
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