Betriebsreportage

Der Service ist im Preis mit eingeschlossen

Die Meyermühle in Landshut setzt beim Bio-Mehl auf zwei Produktlinien / Premium beinhaltet einen großen Katalog an Serviceleistungen


Landshut (pf). Ist Bio nur ein Trend? Hat man als ganz „normaler“ Bäcker überhaupt eine Chance, in den Bio-Backwaren-Markt einzusteigen? Wer diese Fragen Peter Geldner, dem Vorstand der Meyermühle in Landshut, stellt, der bekommt eine klare Antwort: „1982 haben wir 200 Tonnen Bio-Getreide vermahlen. Im Jahr 2005 waren es 16.000 Tonnen. Allein im letzten Jahr hatten wir eine Steigerung um acht Prozent.“

Beeindruckende Zahlen, die einen neugierig machen, um einen Blick hinter die Kulissen der Landshuter Mühle zu werfen. Das Wort Kulisse bekommt beim näheren Hinsehen auch wieder Bedeutung. In den Mauern des traditionsreichen Gebäudes befindet sich eine hochmoderne und hochinnovative Mühle.

Erste Mühle mit Öko-Audit

Peter Geldner verweist nicht ohne Stolz auf die zahlreichen Audits: Als erste Mühle in Europa wurde der Betrieb nach Öko-Audit zertifiziert, jährlich werden Ökobilanzen erstellt und auch das Öko-Siegel Bayern darf die Mühle tragen. Für Peter Geldner war schon frühzeitig klar, dass sich die Meyermühle auf dem richtigen Weg befindet. „Nach Tschernobyl haben die Verbraucher in der Hofpfisterei trotzdem Biobrot gekauft, obwohl es mit höheren Strahlenwerten belastet war.“ Hier habe man erkannt, dass einer zunehmenden Bevölkerungsschicht der „Bio-Gedanke“ wichtig sei.

Bio wurde aber in den Anfangsjahren mit Vollkornprodukten gleich gesetzt. Weißmehl war aus ideologischer Sicht bei vielen in der Kritik. „Der gesundheitliche Aspekt spricht sicherlich für das Vollkornmehl. Jedoch haben sich die Ansprüche geändert: Bio setzen die meisten Verbraucher gleich mit natürlichem Geschmack sowie mit Gesundheit und Wohlbefinden (also Genuss). Die Meyermühle hat sich sehr früh auf diesen Wandel eingestellt und konnte somit der steigenden Nachfrage nach verarbeitungssicheren Auszugsmehlen in Bio-Qualität entgegen kommen.

Keine Vermischung möglich

Heute wird rund zwei Drittel des Getreides in Bio-Qualität angeliefert und zu den verschiedensten Mehlen vermahlen. Modernste Technik steht zur Verfügung wenn das Getreide aus den 28 Silozellen gemischt und gemahlen wird.

Für die Weizenvermahlung wurden erst kürzlich neue Walzenstühle angeschafft. In mehreren Stockwerken wurden die alten Holzböden versiegelt, um besser reinigen zu können. „Sauberkeit ist unser wichtigstes Mittel gegen Schädlinge, denn als Bio-Mühle sind für uns chemische Vorratsschutzmittel tabu.“, sagt Michael Hiestand, Leiter Vermarktung und Produktentwicklung.

Im letzten Jahr wurde ein Farbausleser angeschafft. Mit einer Reinheit von 99,9 Prozent werden pro Sekunde 30.000 Getreidekörner geprüft und das Mutterkorn ausgelesen. Damit hat die Mühle auf die Mutterkornproblematik reagiert und lässt die betroffenen Landwirte nicht im Regen stehen. „Auch dies zeigt die Verzahnung mit unseren Landwirten“, freut sich Peter Geldner. Produziert werden Bio-Mehl und konventionelles Mehl auf den gleichen Anlagen. Nach konventionellem Mehl wird eine „Spülcharge“ durchgeführt, das heißt, das erste Bio-Mehl läuft zum konventionellen Mehl. So wird sichergestellt, dass es zu keiner Vermischung kommt.

Breite Angebotspalette

Neben den Mehlen bietet die Meyermühle alle Rohstoffe für die Herstellung von Biobrot und Semmeln an. Neben Ölsaaten und Flocken wird eine breite Palette von Spezialprodukten und Grundmischungen angeboten. „Vorteil der Lieferung aus einer Hand ist, dass der Bäcker ohne großen Aufwand alle notwendigen Biorohstoffe und –zutaten erhält und als weiteres Plus gestaltet sich die für die Bio-Zertifizierung notwendige Dokumentation einfacher“, zeigt Michael Hiestand auf. „Die Meyermühle stellt ihren Kunden regelmäßig entsprechende Abnahmelisten zur Verfügung, die dann für die Kontrolle verwendet werden können.

Zwei Produktlinien

Die Meyermühle bietet zwei Produktlinien bei Bio-Mehl an:

Bio-Premium: Die Produkte (Mehle, Schrote und Getreide) dieser Linie sind in Naturland-, Bioland- und Biokreis-Qualität erhältlich und entsprechen den Richtlinien der genannten Verbände. Garantiert wird hier die regionale Herkunft: Mindestens 80 Prozent des Bio-Getreides werden in Bayern erzeugt. Somit entsprechen diese Produkte auch den Richtlinien des vom Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten vergebenen Zeichens „Öko-Qualität Bayern garantiert“

Die Premiumqualität beinhaltet auch die gesamten Serviceleistungen von der Beratung bis zu den Aktionstagen.

Eine Besonderheit: Bäcker die das Naturland-Zeichen nutzen (Naturland-Zeichennutzer) können Ihre Zeichennutzungs-Gebühr direkt über den Mehlbezug abführen. Der Vorteil: Die Bezahlung der Mindestlizenzgebühr und die Lizenzabrechnung entfallen für den Bäcker.

Bio-Select: Diese Produktlinie entspricht dem Niveau des EU-Bio-Siegels, jedoch ohne Service-Paket.

Individuell profilieren

Das sagt dazu Peter Geldern: „Uns motiviert der Gedanke, wie wir die Landwirte und die Umwelt unterstützen können. Da wir inzwischen mit Vertragslandwirten arbeiten, haben wir ein ganz anderes Verhältnis zu diesen. Dazu kommt noch eine weitere Entwicklung: Die Bäcker werden durch Discounter stark getroffen – sie müssen sich wieder auf ihre Stärken besinnen. Die Aufforderung an die Bäcker kann nur lauten: Bäcker werde wieder individueller. Die Backwaren müssten authentisch, regional und greifbar sein. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, bietet die Meyermühle mit ihrem Sortiment an Bio-Premium-Rohstoffen“.


Artikel vom 27.01.2006
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