Unternehmensführung

Den konstruktiven Dialog im Betrieb kultiviert

Backparadies Berroth bringt Backstube und Verkauf an einen Tisch / Monatliche Qualitätszirkel sorgen für mehr Qualität und Service


Schwäbisch Gmünd (pgö). Einmal im Monat sitzen Chef und Chefin des Backparadies Berroth mit ihren Erstverkäuferinnen und Backstubenleitern zu einem internen „Qualitätszirkel“ zusammen. In lockerer Runde werden Erfahrungen und Meinungen ausgetauscht, wird gelobt, aber auch kritisiert.

Manfred und Ingrid Berroth nehmen dabei vorrangig die Rolle von Zuhörern und Ratgebern ein. Die gemeinsamen Meetings dienen vor allem der Kommunikation zwischen Verkauf und Produktion. Wichtiges Ziel ist es, Verständnis für die wechselseitigen Anliegen zu wecken und Probleme zu lösen. Dass unterschiedliche Öfen unterschiedliche Backergebnisse liefern, erfahren die Verkäuferinnen da von den Bäckern ebenso, wie die Tatsache, dass Produkte mit Zwischenkühlung anders ausfallen, als ohne.

Problem erkannt ...

Da beklagt eine Filialleiterin, ein Teil der Brötchen sei manchmal bei der Anlieferung flach gedrückt. Sofort wird nach der Ursache geforscht und herausgefunden, dass sich ein paar größere Körbe in Umlauf befinden.

Werden diese voll gepackt, geraten die unten liegenden Produkte aus der Form. Kein Problem, per augenblicklichem Beschluss werden diese Körbe ins Lager verbannt und kleinere Körbe zur Auslieferung der Waren an die Filialen eingesetzt. Gemeinsam diskutiert man im Qualitätszirkel auch über neue Produkte, wie die Frage, ob die neue Snackstange mit Sesam oder besser mit Käse bestreut werden soll oder ob der Streuseltaler vor Ostern statt rund auch in Eiform gebacken werden kann.

Kundenmeinung weitergereicht

Die Filialleiterinnen spiegeln die Kundenmeinung wider und tragen die Anliegen der Käufer in die Backstube. So berichten sie, dass die Kunden im beliebten Hefezopf gerne mehr Rosinen hätten. Da man ja einen Hefezopf ohne Rosinen anbiete, brauche man keine Kompromisse mehr beim klassischen Hefezopf machen und kann den Rosinenanteil erhöhen, beschließen die Bäcker darauf hin.

Sortimentsbereinigung

Beschlossen wird auch, die bisher angebotene Linzerschnitte aus dem Sortiment zu nehmen. Man habe selten drei Tage Vorlauf, um der Schnitte ausreichend Zeit zum Ruhen geben zu können, damit sie optimal mürbe wird. Gelangt sie zu früh in den Verkauf, ist sie zu trocken und entspricht nicht der gewünschten Qualität. Also entschied Manfred Berroth sie ganz aus dem Programm zu nehmen.

Mit Bestellungen, Belieferungen und Retouren befasst sich der Qualitätszirkel ebenso wie der Vergleich zwischen den Filialen. Interessiert stellen die Kolleginnen fest, dass ein Renner in einer Filiale ein Penner in der anderen sein kann. Wo ein Artikel nicht so gut läuft, lautete die Anregung der Filialleiterinnen untereinander, das Produkt aufzuschneiden und den Kunden als kostenlose Probe anzubieten, um sie auf den Geschmack zu bringen. Dass helle Gebäcke sich besser verkaufen als dunkle, bestätigen alle Verkäuferinnen.

Qualitätszirkel unverzichtbar

Die monatlichen Qualitätszirkel sind unverzichtbar, ist man sich im Hause Berroth einig, da sie einerseits der Qualitätsoptimierung dienen und andererseits aktiv dazu beitragen, dass das Verständnis zwischen den „Fronten“ Backstube und Verkauf wächst. Je intensiver der Dialog zwischen den beiden Lagern ist, desto reibungsloser läuft der Betrieb, desto besser ist der Service für den Kunden und desto höher ist die Produktqualität. „Die Kommunikation mit den Mitarbeitern und zwischen den Mitarbeitern ist uns wichtig“ unterstreicht Manfred Berroth.

Der Weg zum Dialog

Bis es aber zum konstruktiven Dialog im Qualitätszirkel kam, war einiges an Aufbauarbeit zu leisten. Die Bäcker seien meistens introvertierter, „wenn sie ein großes Mundwerk hätten, wären sie ja in den Verkauf und nicht in die Backstube gegangen“, lacht der Chef. Vor allem mit ihnen habe er das Reden in der Gruppe geübt, erst im Zwiegespräch, dann in kleinen Gruppengesprächen.

Konstruktiv verbessern

Aber auch den Verkäuferinnen musste erst klar werden, dass die Gespräche über die Arbeit, über Abläufe und Produkte, nicht als negative Kritik an ihrem Verhalten oder ihren Leistungen zu verstehen sind. Waren diesbezügliche Vorbehalte ausgeräumt, haben alle schnell erkannt, dass sich ihre Arbeitssituation verbessert, wenn sie ihre Anliegen frei vortragen und konstruktiv an Verbesserungen im Betrieb und an den Produkten mitarbeiten.


Artikel vom 28.06.2007
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