Betriebsreportage
Den Traditionen weiterhin treu verbunden
Landesinnungsmeister Hermann-Josef Hagemann (Sachsen-Anhalt) übergab seine Bäckerei an die nächste Bäckergeneration
Lückstedt (tay). Leicht ist es Hermann-Josef Hagemann nicht gefallen, von heute auf morgen dem Berufsleben Ade zu sagen. Gesundheitliche Gründe machten es allerdings erforderlich, das der heute 57-jährige vor etwas mehr als einem Jahr die Geschicke der Bäckerei in die Hände von Sohn Thomas legte. „Seine Bereitschaft hat das Familienunternehmen gerettet, sonst hätten wir schließen müssen“, so der Bäckermeister. Auch im Ruhestand wollte er aber nicht auf eine Vielzahl von Ämtern verzichten, die er über viele Jahre hinweg ausgeübt hat. Seit 1978 ist er Obermeister der Innung und 6 Jahre steht er den Kollegen als Landesinnungsmeister zur Seite. Im Vorstand der Einkaufsgenossenschaft (seit 1974) und im Aufsichtsrat der Bäko (seit der Wende) hat er ebenso Aufgaben übernommen wie im Prüfungsausschuss (seit 1992). Zudem schätzen Gemeinderat und Kirchenvorstand die Arbeit des erfahrenen Bäckermeisters. „Da bleibt nicht viel Zeit für Hobbys“, so der 57-jährige.
Zwar gibt es mit Sohn Stefan noch einen Bäcker in der Familie, der arbeitet aber in Hamburg. Für Thomas Hagemann war die elterliche Bäckerei in Lückstedt kein fremder Ort. In den Jahren von 1989 bis 1992 hat er im Unternehmen seine Bäckerlehre absolviert. Bis zur Übernahme arbeitete er in verschiedenen Bäckereien in Deutschland.
Am Konzept von Vaters Bäckerei wollte auch der Sohn als neuer Chef nicht viel ändern. Hans-Josef Hagemann schaut heute zwar nur noch selten in der Backstube vorbei, wenn der Sohn ihn allerdings um Rat fragt, ist er zur Stelle.
Eine Filiale in Arendsee und eine im brandenburgischen Wittenberge werden von Lückstedt aus täglich mit frischen Backwaren beliefert. Wenn es allerdings einen attraktiven neuen Standort geben sollte, dann will Thomas Hagemann über eine Erweiterung des Filialnetzes nachdenken. Zwei Verkaufswagen beleben zwar die wirtschaftliche Seite des Unternehmens, müssen sich aber auch in Konkurrenz zu den vielen mittlerweile anreisenden Kollegen behaupten. „Da tummeln sich manchmal bis zu 4 Kollegen mit ihren Fahrzeugen zeitgleich in einem Ort.“
Zwei Auszubildende haben jeweils in der Produktion und im Verkauf einen festen Ausbildungsplatz. Eine zusätzliche Ausbildungsstelle in der Backstube soll noch geschaffen werden. Aber auch Thomas Hagemann musste den Rotstift beim Personal ansetzen. „Leider kostete das eine Gesellenstelle.“
Kleinere Marktnischen konnten mit der Lieferung an Gaststätten und Fleischereien aufgetan werden. Dorthin liefert Thomas Hagemann seine Waren ebenso wie an ein Jugendheim und ein Dialysezentrum. Trotz gestiegener Kosten in der Bäckerei kann auch Bäckermeister Hagemann, wie viele seiner Kollegen, die Preise für Brot und Brötchen nicht so einfach den gestiegenen Kosten im Betrieb anpassen. Die hohe Arbeitslosigkeit und das Fehlen von produzierendem Gewerbe in der Region trägt mit zu einem Stillstand der Preise bei.
Gut zwei Tonnen Mehl werden wöchentlich in den Teigmaschinen in der Backstube verarbeitet. Ein Dutzend verschiedene Brote, 10 Brötchensorten und etwa 30 Artikel im Feinbackbereich umfasst das Angebot. Zu den Spezialitäten zählt u. a. ein Mehrkraftbrot, ein 5-Korn-Brot mit einem hohem Malzanteil und ein Jubiläumsbrot, das zum 25-jährigen Jubiläum der Bäckerei entwickelt wurde.
Ein Standortwechsel in eine belebtere Region kam weder für den Vater und erst recht nicht für den Sohn in Frage. „Wir müssen die vorhandene Substanz sichern und versuchen, die immer weiter ansteigenden Kosten aufzufangen. Dann können wir auch zuversichtlich in die Zukunft blicken.“
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