Unternehmensführung

Den Informationsfluss weiter verbessern

Unternehmer und Bank müssen noch stärker aufeinander zugehen


Dortmund (mv). Das Stichwort „Finanzkommunikation“ hat seit Beginn der Umsetzung der mit Basel II verbundenen, veränderten Kreditvergaberichtlinien zunehmende Bedeutung erlangt.

Beschränkte sich der Informationsaustausch zwischen Backbetrieben und den jeweiligen Hausbanken in der Vergangenheit häufig vor allem auf betriebswirtschaftliche Auswertungen auf der Basis von Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen und Steuererklärungen, erhalten mittlerweile so genannte „qualitative Faktoren“ wie Unternehmensführung und –steuerung sowie strategisches Denken des Betriebsinhabers ein weitaus stärkeres Gewicht als bisher.

Nach den Erfahrungen des Autors mit einer Vielzahl mittelständischer Betriebsinhaber auf der einen Seite und der sie begleitenden Kreditinstitute auf der anderen Seite bestehen hier nach wie vor zumindest zum Teil erhebliche Informationslücken.

Die Frage nach der Verantwortung für diese Informationslücken wird dabei regelmäßig der jeweils anderen Seite angelastet: während Unternehmer die offensichtliche Zurückhaltung des jeweiligen Kreditgebers bei der umfassenden Offenlegung der Kreditbeurteilung, des Ratings, bemängeln, sehen Banken Defizite in der zeitnahen und umfassenden Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse durch den jeweiligen Kunden.

Auch wenn diese Situationsbeschreibung nicht repräsentativ sein kann, sollte sie doch zu denken geben: immerhin soll Basel II bereits 2007 offiziell in Kraft treten, so dass für beide Seiten nur noch wenig Zeit bleibt, um bestehende Defizite kommunikativer Art zumindest zu reduzieren.

Vor allem Betriebsinhabern sollte als Kreditnehmern und Kunden bewusst sein, dass im Wesentlichen von der Qualität ihres von der Bank durchgeführten Ratings nicht nur die Höhe der Kreditkosten, sondern auch die Kreditvergabe selbst abhängt.

Es kann daher von entscheidender Bedeutung sein, in welchem Umfang die zur Vervollständigung des Ratings erforderliche Datenpflege betrieben wird. Dies gilt allerdings für beide Seiten. So ist den Banken dringend zu raten, mit ihren Kunden über eine vollständige Darstellung der Ratingdetails und der sie bestimmenden Faktoren ebenso zu reden wie über die Gewichtung dieser Faktoren im für den Betriebsinhaber wichtigen Ergebnis.

Inhaber von Backbetrieben sollten sich andererseits daran gewöhnen, nicht nur die bereits erwähnten Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen zu erläutern, sondern in regelmäßigen Abständen etwa auch Liquiditäts- und Rentabilitätsplanungen ebenso einzureichen und darzulegen wie Unternehmensstrategien und deren geplante Umsetzung.

Als Beweggründe für derartige Defizite werden vor allem Zeitmangel und – aus Unternehmersicht – eine gewisse Sorge über eine zu große Preisgabe interner Betriebsdaten genannt. Diese Sorge gewinnt offenbar vor allem deshalb an Bedeutung, da durch die mittlerweile bedeutenden Umfänge an Kreditverkäufen durch Banken an Dritte die Diskretion dieser Betriebsdaten möglicherweise nicht immer gesichert erscheint.

Hinzu kommen die immer wieder angesprochenen Bankfusionen, mit denen in den kommenden Jahren offensichtlich gerechnet werden muss.

Es liegt auf der Hand, dass sich Betriebsinhaber mit der Veröffentlichung unternehmensinterner Informationen umso schwerer tun, je mehr sie es als Bedrohung empfinden, dass Geschäftskonkurrenten zum Beispiel als Mitglieder des Aufsichtsrats oder des Kreditausschusses einer fusionierten Bank der Einblick in die eigene wirtschaftliche Lage gegebenenfalls ermöglicht wird. Derartige Bedenken müssen ernst genommen und in ausführlichen Orientierungsgesprächen zwischen allen Beteiligten ebenfalls thematisiert werden.


Artikel vom 02.02.2006
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