Unternehmensführung

Das Anlagenrisiko niedrig halten

Auf den ersten Blick verlockende Renditen können selbst bei erfahrenen Unternehmern den Realitätssinn trüben


Dortmund (mv). Der Erfolg konnte sich sehen lassen: eine Rendite von immerhin rund zehn Prozent während eines Zeitraumes von nur vier Monaten erzielte ein Unternehmerkollege von Robert W., Inhaber eines Backbetriebes aus Bayern. W. konnte darüber nur staunen, da seine Hausbank derzeit nur 2,25 Prozent Zinsen für Tages- und Termingeldkonten zahlt. Allerdings, daran ließ der Unternehmerkollege keinen Zweifel, erzielte er die Rendite mit einer Aktienanlage bei einer Direktbank durch einen Investmentfonds, der ihm ohne den sonst üblichen Ausgabeaufschlag von 5 Prozent angeboten wurde. Da es sich bei der Anlage um immerhin 25.000 Euro handelte, kann sich der Gewinn sehen lassen. Mehr noch: angeblich war dieser Coup nicht das erste Geschäft, das von diesem Unternehmer mit nicht gerade konservativen Anlageformen durchgeführt wurde. Neben Investmentfonds nutzte er vor allem Währungskonten für Firmengelder, mit denen angeblich „allemal mehr zu verdienen ist als mit langweiligen Anlagekonten“. W., der sich als Unternehmer, aber auch als Privatperson bisher eigentlich nie mit spekulativen Anlageformen beschäftigte, war beeindruckt. Was sein Kollege dort zustande brachte, müsste ihm eigentlich auch gelingen. Immerhin wirbt seine Hausbank regelmäßig mit ihrer „Kompetenz in allen Fragen rund um die Geldanlage“.

Sollte es tatsächlich zu diesem Gespräch kommen, wäre W. sehr gut beraten, bereits im Vorfeld seine Gedanken zu ordnen. Betriebliche Gelder haben nämlich grundsätzlich nichts in spekulativen Anlageformen zu suchen. Dabei ist es einerlei, ob es sich um Investmentfonds, um Währungskonten oder um andere spekulative Anlagen wie etwa um Aktien handelt. Der damit ohnehin bereits verbundene Risikofaktor wird nochmals erhöht, da das Kapital im Betriebsvermögen erfahrungsgemäß nur wenige Wochen oder Monate angelegt werden kann. Im Fall des Kollegen von W. war es wohl eher eine glückliche Fügung des Schicksals, dass innerhalb von nur vier Monaten ein derart hoher Wertzuwachs erzielt wurde.

Sicherheitsaspekt geht vor

Sicherheit und eine gleichzeitig weit überdurchschnittliche Verzinsung schließen sich nach allen Lehren der Geldanlage aus (siehe nebenstehenden Kasten „Das Magische Dreieck“). Unternehmer, die den Sicherheitsaspekt bei betrieblichen Geldern völlig zu Recht hoch ansiedeln, bleibt danach kaum eine Wahl: die derzeitigen Zinssätze an den Geldmärkten von etwa zwischen 2,5 und 3 Prozent spiegeln das aktuelle Zinsniveau konventioneller Anlageformen eben wider. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Risikobetrachtung gilt übrigens auch für die erwähnten Währungskonten, bei denen durch die Zinsunterschiede zum Euro zwar höhere Erträge möglich sind. Dies gilt aber nur dann, wenn die zu Grunde liegende Fremdwährung wie zum Beispiel der Amerikanische Dollar oder das Britische Pfund während der Laufzeit der Anlage nicht an Wert verlieren.

Wird dieses Kapital dann noch zu einem konkreten Zeitpunkt benötigt und steht es durch derartige Spekulationsverluste nicht in voller Höhe zur Verfügung, muss gegebenenfalls die Hausbank mit einer teuren Nachfinanzierung einspringen.

Es ist klar, wie deren Reaktion ausfällt, wenn der Betriebsinhaber erklären muss, wie er verantwortungsbewusste Anlagepolitik als Teil seiner strategischen Unternehmensführung offenbar definiert. Je nach Kreditgeber kann ein solches Verhalten durchaus Auswirkungen auf das betriebliche Rating haben, in dem Faktoren wie eben die Unternehmensführung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gefährlich kann es übrigens auch dann werden, wenn versucht wird, durch eigentlich längerfristige Anlagen wie bei festverzinslichen Wertpapieren Zinsunterschiede zu kürzeren Anlageformen wie Tages- oder Termingeldern auszunutzen. Zwar kann diese Strategie je nach Zinssituation etwa ein oder zwei Prozent mehr Ertrag bringen, andererseits muss aber mit Kursverlusten dieser Wertpapiere gerechnet werden, die ihrerseits zumindest einen Teil des Nettogewinns wieder aufzehren.

Im Ergebnis bleibt es also dabei: Firmengelder sollten je nach Anlagezeitraum ausschließlich sicher angelegt werden, auch wenn dies zu Zinseinbußen führt.


Artikel vom 19.04.2007
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