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Bei unrentablen Standorten wird schnell reagiert


Die Familienbäckerei Rösler GmbH aus Berlin-Spandau gehörte in diesem Jahr zu den Finalisten im Wettkampf um den „Großen Preis des Mittelstandes 2006“. Beeindruckt hat die Juroren vor allem, wie perfekt Röslers ihre zehn Filialen und die Kosten des Unternehmens im Griff haben und wie sie sich dabei auf die Bedürfnisse ihrer Kundschaft einstellen. Allerdings wird auch ohne langes Zögern ein unrentabler Standort geschlossen – in den letzten vier Jahren standen sechs Schließungen vier Neueröffnungen gegenüber.

Außerdem fand die Jury bemerkenswert, dass der Betrieb überdurchschnittlich vielen Jugendlichen eine solide Ausbildung ermöglicht: Unter den 58 Mitarbeitern befinden sich 14 Auszubildende, das entspricht einer Ausbildungsquote von 20 Prozent. Die Führung haben drei Familienmitglieder: Andreas Rösler obliegt die Gesamtverantwortung und die Bäckerei, Ehefrau Sylvia Rösler kümmert sich um das Verkaufsgeschehen und Schwester Birgit Rösler leitet die Feinbäckerei und Konditorei.

Flexibilität war schon immer Familientradition: Von der Gründung im Jahre 1878 im niederschlesischen Schwiebus, über die Flucht 1945 bis nach Berlin und der Neueröffnung einer Bäckerei in Ostberlin bis zum heutigen, frisch sanierten Standort an der Falkenseer Chaussee liegen fünf Umzüge und mehrere Betriebserweiterungen.

Filialen als Kostenstelle geführt

1988, nach dem letzten Umzug, wurde der erste Computer im Betrieb angeschafft, um Backzettel und Rechnungen zu erstellen. Zehn Jahre später wurde er durch neue Rechentechnik ersetzt, um die gesamte Buchhaltung umzustellen. Und dann ging es weiter Schlag auf Schlag: 1999 wurde die Software auf das Programm B.I.T. von Ulmer-Kemo umgestellt und es kamen weitere Rechner hinzu. Im Jahre 2000 wurden alle Filialen mit Computerkassen ausgestattet, die großen Filialen erhielten zwei Kassen. Und von da an haben Röslers konsequent eine Vielzahl der neuen Möglichkeiten genutzt, die der Datentransfer von den Verkaufsstandorten zur Verwaltungszentrale bietet. Auch Plotter und Laminiergerät stehen im Betrieb, um Werbeplakate, Kundeninfos und Preisschilder selbst herzustellen.

Röslers haben sich für Sharp-Kassen entschieden, die von einem örtlichen Unternehmen nun per Vertrag gewartet werden. Mit dem Kassen-Kommunikationsprogramm KAKOM wurde ihnen die nötige Schnittstelle zwischen den Filial-Kassen und der Bäckerei-Software zur Verfügung gestellt. Damit können nicht nur das umfangreiche Tagesgeschäft und die Filialkontrolle auf bequeme Art und Weise im Büro „abgewickelt“ werden, sondern Röslers nutzen die umfangreiche Datenflut, die täglich gespeichert wird, für die regelmäßige Auswertung der Geschäftsentwicklung. Jede Filiale wird als eigenständige Kostenstelle geführt, wie der Bäckereichef erklärt. „Alle Kosten werden ebenso erfasst wie die Umsätze. Bestellt wird ausschließlich über die Kassen, von der Ware bis zum Reinigungsmittel. Monatlich erhält jede Filiale neben ihrer Umsatzleistung auch ihre Rechnung mit allen Kosten, einschließlich der Miete für die Filiale und der anteiligen Gesamtkosten, bis hin zu den Verbindlichkeiten des Betriebes.“

Analyse und Schlussfolgerungen

Für jede Filiale wird ein Jahres-Umsatzplan erarbeitet. „Und wenn die vorgesehenen Ergebnisse nicht erreicht werden, muss darüber gesprochen werden“, erklärt Rösler. Dann wird nach der Ursache gesucht, und zwar in den Kassendaten, die über den Rechner übersichtlich aufbereitet wurden. Und er kann Beispiele nennen, wie sich die Filialen aufgrund der Statistiken an Wünsche und Gewohnheiten der Käufer besser anpassen können: „Unsere Filialen haben auch sonntags geöffnet. Nur wenn wir merken, an einem neuen Standort wird der Sonntagsverkauf kaum angenommen, bleibt das Geschäft künftig geschlossen. Außerdem sind die Läden erst einmal grundsätzlich von sechs bis 20 Uhr geöffnet. Nur wenn wir feststellen, dass früh oder abends kein Kassiervorgang stattfindet, wird die Öffnungszeit entsprechend angepasst.“ Oder in einer sozial schwachen Gegend sitzt am Monatsanfang das Geld locker, da werden teure Erdbeerschnitten gekauft. Gegen Monatsende reicht es dann nur noch für Streuselschnecken – wenn man das weiß, kann das Angebot entsprechend gestaltet werden.

Manche Ungereimtheiten, die sich aus der Statistik ablesen lassen, können allerdings nur im vertrauensvollen persönlichen Gespräch geklärt werden, wie der Bäckereichef erzählt. „Von einer Filiale wurden beispielsweise kaum Torten bestellt, obwohl uns der Standort durchaus dafür geeignet schien. Es hat sich herausgestellt, dass die Verkäuferinnen nicht gern Torte aufgeschnitten haben.“

Außerdem ist es erwünscht, dass die Verkäuferinnen nicht nur theoretisch Auskunft geben können über alle Produkte – jede Filiale hat zum Nachschlagen einen Ordner mit Zutatenlisten und einen mit Angaben über allergene Stoffe – sie sollen auch aus eigener Erfahrung sagen können, warum sie ein Produkt empfehlen. Auch aus diesem Grund gewähren Röslers jeder Verkaufskraft täglich einen Verzehrbonus von drei Euro. Die verzehrte Ware wird in die Kasse eingegeben.

Ausgesprochen kundenfreundlich war auch die Initiative von Andreas Rösler, eine „Brötchentaste“ an den Parkautomaten einer Spandauer Geschäftsstraße einzuführen. Als Mitglied eines Interessenverbandes im Stadtbezirk hat er sich beim Bürgermeister dafür eingesetzt, dass Kunden, die hier einkaufen, keine Parkgebühr zahlen müssen.

Kontrolle und Prämienzahlung

Trotz aller Eigenverantwortung hat die Betriebsleitung die Kontrolle in puncto Ordnung und Disziplin, und dabei spielen die Computerkassen wieder die Hauptrolle. Das beginnt bei der Arbeitszeit-Erfassung der Verkäuferinnen, bei Arbeitsbeginn und –ende melden sie sich mit ihrer persönlichen Kennziffer an den Kassen an und ab. Für jede von ihnen wird im Betrieb ein Arbeitszeitkonto geführt, die Arbeitszeit wurde individuell vereinbart. Jeden Monat wird dieser Konto-Stand überprüft, inklusive der Rest-Urlaubstage, und die Verkäuferinnen erhalten einen Ausdruck dieser Übersicht. Der Monatslohn bleibt immer gleich, auch bei Fehlstunden, denn in der Folgezeit ergibt sich erfahrungsgemäß eine Möglichkeit, diese auszugleichen.

Gute Arbeit aber soll sich für die Verkäuferinnen lohnen, sie werden nach Tarif bezahlt und für besonders hohe Umsatzleistungen gibt es Prämien.

Anbieter siehe Seite 16. (pöt)


Artikel vom 09.11.2006
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