Verkauf & Marketing

Begeisterung pur: Elvis lebt ... in Heiningen

Erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit mit „Tag unserer Kunden“ / Über tausend Besucher feiern beim „Bäckerhock“ ihren „Bäck“ als „Filztal-Elvis“


Heiningen (lp). Seit Johannes Kauderer und seine Frau Frederike vor gut einem Jahrhundert in der Kirchstrasse im schwäbischen Heiningen eine Bäckerei eröffneten, ist viel Wasser den örtlichen Heubach heruntergeflossen. Zu der Zeit bestand die Hauptaufgabe des örtlichen Bäckers darin, gebrachten Teig zu Broten auszubacken – auch Kuchen und Gutsle wurden zum Backen gebracht.

Die Jahrzehnte gingen ins Land, doch immer stand der „Bäck“ in Heiningen im Mittelpunkt des öffentlichen Lebens – bis heute. Inzwischen wird nicht mehr in der Kirchstraße gebacken, Produktion und Verkauf wurden in den Neubau an der Bezgenrieter Straße verlegt. Seit vorletztem Jahr führen die Brüder Albrecht und Michael Kauderer den Betrieb in vierter Generation. Bäcker- und Konditormeister Albrecht leitet die Produktion, Diplom-Kaufmann Michael kümmert sich um Finanzen, Marketing und Betriebsführung.

Ganzer Ort beim „Bäckerhock“

Mit zweierlei Umständen hatte die Bäckerei Kauderer bei den Vorbereitungen zu ihrem 100-jährigen Betriebsjubiläum nicht gerechnet: Erstens, dass das Wochenende ihnen einen wahrhaft sonnigen Tag gönnen würde. Und zweitens, dass jung und alt dabei sein wollten, wenn „ihr Bäck“ Kauderer zum Feiern beim „Tag unserer Kunden“ einlud. Nichts ging folgerichtig mehr an diesem Sonntag in im schwäbischen Heiningen: Umleitungsschilder sperrten das Ortszentrum, kein Parkplatz zu finden weit und breit. Die Menschen strebten alle scheinbar nur mit einem Ziel – dorthin, wo bald schon der ganze Ort beieinander „hockte“: Die Bäckerei Kauderer verband ihr 100-jähriges Firmenbestehen und die 5-Sterne-Zertifizierung von gleich vier Verkaufsgeschäften mit einem tollen „Bäckerhock“ – für des Schwäbischen unkundige: ein gemütliches Beisammensein beim Bäcker. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass die Zahl der anwesenden Gäste die Einwohnerzahl des Ortes und der Umgebung weit überstieg – sie übertraf im Laufe des Tages die Tausender-Marke bei weitem.

Die riesige Resonanz war Lohn für die großen Anstrengungen bei der Vorbereitung des Events und bei der Durchführung am Festtag, an dem das Programm keine Wünsche offen ließ: Die Backstube bot einen „Tag der offenen Tür“, und viele Besucher nutzten die Gelegenheit zur Information, so dass das Gedränge manchmal beängstigend wurde.

Weit über 1000 Gäste

So erfuhren die Gäste, dass die Bäckerei Kauderer bei der Qualität des Mehls keine Kompromisse macht. Sie legt Wert darauf, dass es nachverfolgbar aus kontrolliertem und regionalen Anbau kommt. Deshalb bezieht die Bäckerei das Mehl von der Straub Mühle, die sich auch mit einem Infostand am Festtag beteiligte.

Auch hat Kauderer erfolgreich Keimlingsbackwaren aus frisch gekeimten Weizen-, Roggen- und Dinkelkörnern eingeführt – die Keimlinge erzeugt die Bäckerei selbst in der eigens dafür entwickelten „Goldkeimling“-Anlage nach dem „Owisan“-Konzept.

Natürlich durften auch Spezialitäten aus der Backstube, belegte und überbackene Snacks und Leckeres vom Grill und aus dem mobilen Holzbackofen nicht fehlen, auch am Bierstand kamen die fleißigen Helfer mit dem Zapfen kaum nach.

Programm voller Höhepunkte

Dazu scharte immer wieder der Magier „Doctor Marrix“ das Publikum um sich und verblüffte mit seinen Zaubereien, es gab Live-Musik von der Bühne und jede Menge Spiele für Kinder. Als ein Programm-Highlight wurde für einen guten Zweck der Bürgermeister in Brotlaiben aufgewogen – die Gäste konnten sich an der Aktion mit einem Preisausschreiben beteiligen. Während also die einen es sich bei herrlichstem Sonnenschein gut gehen ließen, bildete sich immer wieder eine lange Schlange vor dem Kauderer-Hauptgeschäft, wo es Aktions-Backwaren und das geliebte Eis aus eigener Herstellung zu erwerben galt.

Ein erster Höhepunkt war dann die 5-Sterne-Zertifizierung von gleich vier Kauderer-Filialen.

Lohn für Kundenorientierung

Das Qualitätssiegel „5-Sterne-Bäckerei“ dürfen nur solche Betriebe führen, bei denen Backwaren in hervorragender Qualität angeboten werden und gleichzeitig Atmosphäre, Präsentation, sauberes Erscheinungsbild, Service und Kundenfreundlichkeit groß geschrieben werden. Vergeben wird das Zertifikat von der „5-Sterne-Bäcker-Gesellschaft“ nach den Qualitätskriterien anonymer Testeinkäufe des Backinstituts in München. Ein Erfolg für die Familie Kauderer, die mit tosendem Applaus von ihren Kunden gefeiert wurde.

Elvis alias Michael

Wahrhaft kein Halten mehr gab es dann beim absoluten Höhepunkt des Festes, der von den Gästen schon lange vorher gefordert wurde: „Live on stage“ legte Michael Kauderer alias „Filztal-Elvis“ eine professionelle Bühnenshow hin, die „Bäckerhocker“ zu „Bäckerrockern“ machte. Vom passenden Outfit bis zur dem Original verblüffend ähnlichen Stimmgewalt – Michael Kauderer ließ den Rockstar Elvis auferstehen und brachte sein Publikum schier um den Verstand. Erst nach unzähligen Zugaben ließ man einen sichtlich vollkommen verausgabten „Bäck-Star“ von der Bühne.

Die Rocklegende Elvis reißt auch heute noch jung und alt von den Bänken. Firmenchef Michael Kauder überzeugte mit seiner Darbietung die Anwesenden, eine gelungenere Werbung für den eigenen Betrieb konnte es an diesem Tag kaum geben.

Die Showeinlage zeigt einmal mehr, dass man aus Hobby´s oder Neigungen als Bäcker auch Kapital schlagen kann. Den Besuchern des „Bäckerhock“ wird dies Ereignis sicher noch lang in Erinnerung bleiben.

Die überwältigende Resonanz dieses rundum gelungenen Bäckerfestes war wieder einmal Beweis dafür, wie sehr es sich für Handwerksbetriebe sprichwörtlich auszahlt, die Kundschaft einzubeziehen und den eigenen Qualitätsanspruch zu dokumentieren. Und nicht zuletzt war sie Beweis dafür, dass es sich für den „Bäck“ lohnt, ein Jubiläum plus Zertifizierung „richtig schön“ zu feiern: „Den eigenen Qualitätsanspruch an das Produkt, an Service, Sauberkeit, Präsentation und Auftritt zu überprüfen, ist das eine. Das Ergebnis aber auch nach außen hin und mit unseren Kunden zu ‚leben’ – das ist uns ein Anliegen!“, so Michael Kauderer.

Nicht jeder kann ein Elvis sein, doch es finden sich bei vielen Betrieben auch Talente, vielleicht in der Mitarbeiterschaft, die man nutzen kann.


Artikel vom 08.06.2006
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