Reportage
Ausbildung und Markt bieten Perspektiven
Vorträge im Rahmen der Jahrestagung des Zentralverbands: Akademie Deutsches Bäckerhandwerk, Trends und Chancen des Bäckerhandwerk
Stuttgart (wo). Auf den Vortragsveranstaltungen im Rahmen der Jahrestagung des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks in Stuttgart (siehe ABZ-Ausgabe 18) sind Trends und Perspektiven fürs Bäckerhandwerk aufgezeigt worden. So ist die Akademie Deutsches Bäckerhandwerk (ADB) und speziell die Akademie Weinheim auf einem guten Weg, wie Direktor Bernd Kütscher verdeutlichte. Gerade in der Aus- und Weiterbildung werden wichtige Grundlagen gelegt, wenn es darum geht, Markchancen zu erkennen und unternehmerisch die Weichen richtig zu stellen.
Folgerichtig war da die Präsentation eines Erfolgskonzept, bei dem das Leitbild des Deutschen Bäckerhandwerks im Betrieb von Michael Wippler praktisch umgesetzt wurde. Gesellschaftliche Trends und die Chancen des Bäckerhandwerks in Einkaufscentern rundeten die Veranstaltung ab.
„Der Verbund lebt“, betonte Bernd Kütscher, Direktor der Akademie Weinheim eingangs seines Vortrags über die aktuelle Situation der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk. So wurde die Kapazität an allen Standorten erweitert und unter den Standorten werde ein reger Austausch praktiziert. Allein in der „Bundesakademie“ in Weinheim wurden 56 Seminare eingestellt, mit stark steigenden Teilnehmerzahlen. Der Umbau mit Hilfe von 2,8 Mio. Euro Fördermitteln ist in vollem Gange und man sei guter Hoffnung, dass am 31. März 2010 Eröffnung gefeiert werden kann. Auch bei der wirtschaftlichen Entwicklung sei man bezüglich der Einnahmen auf einem guten Kurs, so Kütscher. Doch müsse die Wirtschaftlichkeit weiter verbessert werden. Allein mit Tagesseminaren könne nicht kostendeckend gearbeitet werden, da die räumliche Kapazität nur mit Langzeitseminaren wirtschaftlich betrieben werden könne, betonte Kütscher auch mit Blick auf die 80 Betten im Gästehaus. Finanziell entscheidend sei auch, ob man in Zukunft einen zweiten Meisterkurs anbieten dürfe.
„Weinheim ist unsere gemeinsame Bildungseinrichtung“, so das Bekenntnis von Peter Becker, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Aber es werde in Weinheim keinen zweiten Meisterkurs geben, so seine klare Ansage. Im übrigen müsse man nicht überall alles anbieten, plädierte er für eine schwerpunktmäßige „Arbeitsteilung“ innerhalb des ADB-Verbundes. Denn gerade im Verbund werde man diese Herausforderungen gemeinsam meistern.
Bäckerkultur, Meisterschaft, die starke Präsenz vor Ort, Heimat, Handwerk und Herzlichkeit – diese Schlagworte im Zusammenhang mit dem Leitbild und Selbstverständnis des Deutschen Bäckerhandwerks hat Michael Wippler, Landesobermeister des sächsischen Bäckerhandwerks, an seinem neuen Standort in Pillnitz an der Elbe praktisch umgesetzt. Die „Backwirtschaft“ ist eine beeindruckender Betrieb mit Schwerpunkt Bäckergastronomie (siehe Reportage ab Seite 42). Entscheidend ist, dass das Projekt gemeinsam mit seinen Kindern entwickelt wurde und dass das Leitbild von allen Beteiligten auch gelebt wird. Alles unter der Maßgabe: „Wir müssen das Unternehmen so aufstellen, dass die nächste Generation eine Chance hat“, wie Wippler betonte.
Dass dabei auch die gesellschaftlichen Zukunftstrends beachtet werden müssen, machte Birgit Gebhardt, Geschäftsführerin des Trendbüros in Hamburg, deutlich. Prägend sei die zunehmende Zahl von Single-Haushalten und relativ fitter Kunden über 60. Bei den jungen Verbrauchern stehe der Zeit- und Leistungsdruck im Fordergrund. Wer hier als Bäcker mit Service und Genussangeboten punkten kann, habe gute Karten. Umsatzperspektiven bieten nach wie vor gesundheits- und fitnessorientierte Angebote – vor allem für die gesundheitsbewussten 50plus-Kunden, aber auch für sportliche Singles und junge Familien.
Zum Schluss der Veranstaltung machte ECE-Geschäftsführer Stephan Kugel den Kollegen die Standorte in Shoppingcentern schmackhaft. Immerhin 150 Bäckereifilialen sind bisher in ECE-Standorten aktiv. Vor allem Steinecke und Kamps haben dies als wirtschaftliche Perspektive erkannt und nutzen die damit verbundenen Standortvorteile.
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