Technologie_Technik
Aus Altbrot wird Brennstoff
Christian Alber zeigt energetische Verwertungsmöglichkeiten auf / Energieeinsparung und CO{-2}-Reduktion
Von Reinald Wolf

Altbrot hat – entsprechend vorbereitet – einen Brennwert wie Holzpellets, sind sich (von links) Jost Bremer von der Bäko Südwürttemberg, Christian Alber, der die Ergebnisse seiner Bachelorarbeit vorstellte, Prof. Dr. Markus Tritschler (H
Brot für Biogasanlagen
Als weiterer Aspekt seiner Abschlussarbeit, die mit der Note 1 bewertet worden ist, wird die energetische Nutzung von Altbrot in Biogasanlagen aufgezeigt. Altbrot würde sich quasi als Zubrot hervorragend zum Betreiben von Biogasanlagen eignen. Rechtlich müsste aber der Weg dafür noch geebnet werden. Man sei diesbezüglich im Gespräch mit dem Umweltministerium, so Alber.
Ökonomisch und ökologisch seien beide aufgezeigten Verfahren der energetischen Nutzung absolut sinnvoll, sind sich Christopher Gölz vom Energieberatungsunternehmen Visiofacto und Jost Bremer, Geschäftsführer der Bäko Südwürttemberg, die das Projekt mitinitiiert haben, mit dem Absolventen der Technischen Hochschule Esslingen einig. So könnte die Bäko die Logistik via Biogasanlage im Sammeltransport übernehmen.
Christian Alber hat auf jeden Fall beste Diskussionsgrundlagen zur nachhaltigen energetischen Nutzung von Altbrot geschaffen, wie es schon der Titel seiner Diplomarbeit verspricht. „Selten haben wir einen so guten Absolventen gehabt“, bestätigt Prof. Dr. Tritschler von der Fakultät Versorgungs- und Umwelttechnik, dass fundierte Erkenntnisse für realisierbare Projekte gewonnen wurden.
Brennwert wie Holzpellets
Grundlage für die energetische Nutzung beim Backen ist ein Verfahren, bei dem das Altbrot zur effektiven Verbrennung aufbereitet wird. Der dabei erzielte Brennwert entspricht dem von Holzpellets. Geeignet ist dieses Verfahren für Thermoölöfen. Wobei ein spezieller Brenner nötig ist, der mit der speziellen Hitzeentwicklung klar kommt. Die Kosten für so eine Anlage belaufen sich schnell auf 100.000 Euro. Eine Investition, die sich bei großen Altbrotmengen recht schnell rechnet, zumal für den Ofen dabei auch sonstige Biomassebrennstoffe wie z.B. Holzhackschnitzel oder Holzpellets an Stelle von Erdgas zum Einsatz kommen können.
Aber es gibt noch einige Knackpunkte, die laut Alber sicher in den Griff zu bekommen sind. Erste Verbrennungsversuche und Emissionsmessungen waren positiv, doch vor allem das durch das Kochsalz bedingte Chlor gibt Anlass für Bedenken und erfordert weitere Untersuchungen. Wie es sich in der Praxis verhält, soll nun eine Pilot-/Forschungsanlage zeigen. Dafür werden noch Partner gesucht, vor allem aus der Industrie (Backofenbauer und Feuerungshersteller). Aus der Bäckerbranche gebe es schon Interessenten für eine Pilotanlage.
Auch wenn es noch nichts Konkretes ist, zeigt das doch, dass ein gewisser Bedarf besteht. Schließlich werden die Energiekosten in absehbarer Zeit nicht sinken und die CO{-2}-Bilanz eines Unternehmens gerät zunehmend in den Fokus der Verbraucher. In beiden Fällen bietet das Verbrennen von Altbrot Perspektiven.
Ethische Bedenken
Dass es nicht nur technische Probleme beim Einsatz von Brot als Brennstoff gibt, zeigt das Beispiel der Bäckerei Schüren in Hilden, die – unabhängig vom oben beschriebenen Projekt – seit kurzem ihre Thermoölöfen mit Brot befeuert. Auch wenn Roland Schüren beteuert, dass er die Tafeln weiter beliefert, konnte er doch die ethischen Bedenken im Zusammenhang mit dem Verbrennen von Lebensmitteln nicht ganz ausräumen. Wobei in der Diskussion offenbar außer Acht gelassen wird, dass auch viel Brot in der Müllverbrennungsanlage landet. Hier besteht offenbar auch noch ziemlicher Aufklärungsbedarf an der Theke.
Man darf jedenfalls gespannt sein, wie sich das Projekt in Hilden bewährt – auch in technischer Hinsicht. Die Idee ist jedenfalls nicht schlecht, wie schon die Bachelorarbeit von Christian Alber nahe legt.
Weitere Nachrichten aus Praxis vom 10.02.2010:
Mit Bio langfristig erfolgreicher
PraxisTipp
Der Körper spricht die Wahrheit
PraxisTipp
Gefährliche Dachlasten
Prämie erhöht Urlaubsgeld
Fristlose Kündigung nach Beleidigung
Luftentkeimung per Licht
Dünner Überzug mit langem Glanz
Modischer Schick hinter der Theke

RSS

Zur Bildergalerie "Backkongress 2011"