Unternehmensführung

Auf dem Weg zur optimalen Energieeffizienz

Tagung des Landesinnungsverbands für das Württembergische Bäckerhandwerk bot interessante Lösungen zum aktuellen Thema Energie


Reutlingen (rs). Sowohl Andreas Kofler, Geschäftsführer des LIV für das Württembergische Bäckerhandwerk, wie auch Geschäftsführer Wilfried Wiedmann als Hausherr der Bäko Süd-Württemberg konnten sich freuen, dass so viele interessierte Bäckereiunternehmer der Einladung nach Reutlingen zur Energiespartagung des Verbandes gefolgt sind.

Geld zurück vom Staat

Über Möglichkeiten und Voraussetzungen in den Genuss einer Ermäßigung bzw. Erstattung der Strom- und Mineralölsteuer zu gelangen, zeigte Franz E. Kunkel, Betriebswirtschaftlicher Berater des LIV konkrete Wege auf (ABZ berichtete). Hier nochmals einige Eckpunkte um einen Erlaubnisschein zur Erstattung zu bekommen:

1. Der Jahres- Stromverbrauch muss über 25.000 kWh liegen;

2. Der jährliche Mindestverbrauch von leichtem Heizöl liegt über 25.062 Liter;

3. Der jährliche Mindestverbrauch an Erdgas liegt über 140.000 kWh;

4. Der jährliche Mindestverbrauch an Flüssiggas liegt über 14.622 Kilogramm;

Wichtig zu wissen: Erstattungen für das Jahr 2006 können bis spätestens 31. Dez. 2007 bei den Hauptzollämtern beantragt werden. Für Fragen zu dieser Thematik steht den Innungsmitgliedern Betriebsberater Franz E. Kunkel gerne zur Verfügung.

Strom-/ Gasmarkt liberalisiert

Für Energieberater Dipl.-Ing. Peter Klenk aus Villingen-Schwenningen war die Entwicklung des liberalisierten Strommarktes nach anfänglichen Niedrigpreisen klar. Die Preise haben sich gegenseitig angepasst. Dies liege auch daran, dass an den kleinen Stromerzeugern die großen meist nicht unerheblich beteiligt sind. Zu wechseln sei aber wichtig, so der Referent, da nur dadurch ein Wettbewerb entstehe. Gesetzlich geregelt ist auch, dass bei einem Anbieterwechsel den Abnehmern kein Schaden entstehen darf.

Um Tarife und Preise vergleichen zu können sollte dies auf Basis von Jahreskonten geschehen. Dabei sollten Lieferzeiten zwischen 1 bis 3 Jahre als Angebotsvariante in Betracht gezogen werden. Ab 100.000 kWh im Jahr sei ein Vergleich auf jeden Fall lohnenswert. Den sollte man aber nicht über Broker, sondern beim Energielieferanten selbst anfragen, so Peter Klenks Empfehlung. Dass Bäcker für Stromanbieter interessante Kunden sind ist bekannt. Dies liegt vor allem daran, dass ein hoher Anteil als Nachtstrom geliefert werden könne. Sparpotenzial liege auch darin, Stromspitzen durch intelligente Maschinenabschaltung zu vermeiden.

Seit vergangenem Herbst können die Verbraucher auch den Gasanbieter frei wählen. Im Kampf um gewerbliche Kunden gibt es Beispiele, wo in dem Moment, in dem alternative Anbieter auftraten, die etablierten Unternehmen Angebote unter Einkaufspreis vorgelegt haben. Es scheint also bei geschickter Verhandlung möglich zu sein, auch zu besseren Konditionen bei den Gaslieferungen zu kommen. Für eine individuelle Beratung in Energiefragen berät Dipl. Ing. Klenk über den Verband zu günstigen Sonderkonditionen.

Mit Erdgasfahrzeugen sparen

Deutschlands Autofahrer müssen sich auf Änderungen einstellen: Nach der im Oktober 2006 beschlossenen Verordnung zur Kennzeichnung emissionsarmer Kraftfahrzeuge, wird nun die Feinstaubplakette eingeführt. Dipl. Ing. Michael Kronenbitter von der Gasversorgung Süddeutschland verdeutlichte anschaulich, dass Erdgasfahrzeuge in Vergleich mit Benzin betriebenen Motoren 50 Prozent weniger Kohlenmonoxid, 80 Prozent weniger Stickoxide, 80 Prozent weniger reaktive Kohlenwasserstoffe ausstoßen und Rußpartikel vollständig vermeiden.

Die heute von den Herstellern serienmäßig angebotenen Fahrzeuge und deren Erdgastanks sind sicher in die Karosserie integriert, ohne dass im Fahrzeug Nutzraum verloren geht. Um die Verbreitung solcher Fahrzeuge zu steigern, werden diese mindestens bis 2020 steuerlich begünstigt. Bei einem Preis von z. B. 82 Cent pro Kilogramm Erdgas entspricht dies einem Benzinpreis von nur 55 Cent pro Liter. Somit ist Erdgas dauerhaft ein äußerst günstiger Kraftstoff. Die durchschnittliche Reichweite eines Fahrzeuges wurde mit 300 km angegeben.

Bei einem Durchschnittsverbrauch von rund sieben Litern und einer Fahrleistung von 15.000 km im Jahr, hat sich der höhere Anschaffungspreis von Erdgasfahrzeugen bald amortisiert, so Referent Kronenbitter. Bis 2010 soll die Zahl der heute rund 10.000 zugelassenen Erdgasautos auf über 400.000 anwachsen. Mittlerweile gibt es 78 Erdgastankstellen in Baden-Württemberg, weitere sind zurzeit in Planung.

Das Betanken geht ähnlich schnell wie bei Benzin. Die Erdgasabgabe wird in Kg angegeben. 1 kg Erdgas ist dem Energieinhalt von 1,5 l Benzin gleichzusetzen. Bei größerem Fuhrpark ergibt sich die Möglichkeit einer auf eigenem Boden stehenden Tankanlage, gab Dipl. Ing. Kronenbitter als Empfehlung.

Solarstrom vom Bäckerdach

Seine Erfahrungen und Erkenntnisse mit Solarstromnutzung auf seinem Betriebs- und Privatgebäude in Geislingen vermittelten Bäckermeister Jörg Bopp und seine Frau Susanne aus Geislingen den interessierten Kollegen. Mit Unterstützung des von der Regierung geförderten Verfahrens zur Energieerzeugung-EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) und einem KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) Kredit entschloss sich Bäckermeister Bopp zum Bau einer Photovoltaikanlage. Diese Anlage ist auf dem 1000 Quadratmeter großen Dach des Betriebsgebäudes installiert. Sie wurde fremdfinanziert und amortisiert sich durch die optimale Abstimmung heute von selbst. Sogar ein Gewinn von 18 Prozent kann Bäckermeister Jörg Bopp auf seinem Konto verbuchen, da überschüssiger Strom über einen Zwischenzähler ins Netz eingespeist wird. Die Leistung der Module beträgt 31kwp, was einer Leistung von über 30.000 Kwh im Jahr entspricht.

Doch bevor man sich für solche Anlagen entscheidet, sollten zuerst die örtlichen Gegebenheiten genau betrachten werden, empfahl Jörg Bopp. Wichtige Kriterien dabei sind, dass die Dachneigung zwischen 15 und 45 Grad beträgt und möglichst keine Beschattung des Dachs durch Bäume oder Gebäude vorliegt. Sogar Stromleitungen würden unerwünschte Schatten werfen und die Leistung deutlich verringern. Die Ausrichtung der Anlage sollte möglichst nach Süden sein. Wichtige Daten über die durchschnittliche Sonneneinstrahlung im Jahr liefert z. B. der DWD (Deutscher Wetter Dienst).

Bei der Solarzellentechnik ist heute zwischen polykristallinen und monokristallinen Dünnschichtmodulen zu unterscheiden. Jörg Bopp hat sich für die leistungsstärkeren polykristallinen Module entschieden. Die Garantie für diese ist auf ca. 20 Jahre ausgelegt. Die Preise für Module seien derzeit sehr günstig, so der Referent. Für welche Module man sich entscheidet, sollte von Fall zu Fall geklärt werden, empfahl Jörg Bopp. Wichtig ist bei der Planung vor allem, dass die Anlage nicht zu groß bemessen wird, da sonst Aufwand und Ertrag nicht optimal stimmen. Für Kollegen gibt der Geislinger Bäckermeister gerne Auskunft. Da das EEG Programm Ende diesen Jahres ausläuft, sollten sich Interessierte möglichst rasch entscheiden, so Jörg Bopp, denn man wisse ja nicht, ob das neue Programm dann ebenso günstige Konditionen wie das alte habe.

Wärmerückgewinnung

Dipl. Klaus Ried, Geschäftsführer der NET Neue Energietechnik GmbH aus München zeigte, die Nutzung von Abwärme auf, die im Bäckereibetrieb sowohl aus Ofenabgasen wie auch dem Schwaden als Energiespeicher genutzt werden kann. Diese Energie wird über einen Wärmetauscher in einem Pufferspeicher mit z. B. 1000 L Wasser mit einer Temperatur von ca. 50° C gespeichert. Diese Energie wird z. B. zur Raumheizung über großflächige Heizkörper oder als Fußbodenheizung ausgelegt.

Physikalisch und praktisch gesehen wird aus Wasserdampf mehr Energie zurückgewonnen als aus der gleichen m³ Menge des viel heißeren Abgases eines Ofens.

Für die optimale Wärmerückgewinnung werden deshalb ein Abgaswärmetauscher sowie ein Schwadenkondensator eingesetzt. Das Verdampfen von Wasser erfordert einen besonders hohen Energieaufwand.

0,63 kWh braucht man zum Verdampfen von 1 Liter kochend heißem Wasser. Das entspricht dem Heizwert von ca. 63 cm³ Heizöl oder 63 Liter Erdgas. Diese zum Verdampfen erforderliche Wärme wird beim Kondensieren des Dampfs zu Wasser wieder frei. Im Schwadenkondensator gibt der Dampf die Wärme an die Glattrohre und damit an das durch die Rohre der Wärme-Rückgewinnungsanlage strömende Wasser wieder zurück.

Bei einem Backofen mit 10 m² Backfläche werden laut Klaus Ried durch Bedampfen und durch Ausbackverluste pro Stunde etwa 30 Liter Wasser verdampft. Der Großteil der dafür erforderlichen Wärmemenge von 19 kWh (entsprechend dem Heizwert von 1,9 Liter Heizöl oder 1,9 m³ Erdgas) kann mit einem Schwadenkondensator zurückgewonnen werden. Abhängig vom Backofentyp gewinnt ein Schwadenkondensator etwa ein Fünftel der Feuerungsleistung des Backofens zurück, in diesem Beispiel also rund 15 kW. Die Kosten für ein Paket mit 1000 l Pufferspeicher, das einen Etagen- und einen Stikkenofen mit je 10 m² Backfläche beinhaltet, wurde vom Referenten mit ca. 10.000 Euro angegeben.


Artikel vom 04.04.2007
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