Aus- & Weiterbildung

Appetit auf Handwerksberufe machen

Das Internetportal www.ich-kann-etwas.de bietet wichtige Informationen zur Berufsorientierung


Dresden (ad). Absagen ohne Ende auf der einen, Bewerber mit unzureichenden schulischen Leistungen auf der anderen Seite, die zudem noch nie etwas von Sauerteig und bäckertypischer Arbeitszeit gehört haben – die Besetzung freier Lehrstellen gibt oft genug Anlass zu Enttäuschungen und Frust. Das zu ändern, ist der erklärte Anspruch einer Initiative des sächsischen Handwerks. Mit Hilfe des vor einem Jahr in Betrieb genommenen und schrittweise erweiterten Internetauftrittes www.ich-kann-etwas.de sollen Jugendlichen Informationen über Berufe im Handwerk gegeben und ihnen die Lehrstellensuche erleichtert werden. Das sächsische Handwerk hofft zudem, sich trotz sinkender Schülerzahlen fachlich guten Nachwuchs sichern zu können. Unter dem Motto „Die Zukunft liegt in meiner Hand“ will die Aktion Jugendlichen Appetit auf einen Handwerksberuf machen und sie aus der Passivität holen.

Das geschieht nicht im trockenen Stil amtlicher Verlautbarungen, sondern in bewusst jugendgemäß gehaltener Sprache. Schließlich besagt ein geflügelter Satz unter PR-Leuten, dass der Wurm bitteschön dem Fisch und nicht dem Angler schmecken soll. Oder – in abgewandelter Form – nicht dem Bäckermeister muss gefallen, was im Internet über das Bäckerhandwerk publiziert wird, sondern dem Jugendlichen, der auf der Suche nach einer Lehrstelle ist. Damit das auch tatsächlich so ist, haben sich die sächsischen Handwerker jugendliche Unterstützung geholt: Redakteure der Jugendzeitschrift „Spießer“ sorgen für flotte Texte, die bei der Zielgruppe ankommen.

Die Zusammenarbeit mit dem Team der Jugendzeitschrift besteht bereits mehrere Jahre. Dreimal sind – jeweils zu Jahresbeginn – Specials erschienen, in denen Jugendliche unter dem Titel „Handwerk und Ausbildung“ Tipps für ihren Berufseinstieg erhielten.

„Als die Handwerkskammern einen jugendgerechten Internetauftritt ins Leben rufen wollten, nutzten sie die bestehenden Kontakte zu unserer Redaktion“, erinnert sich Julia Karnahl, Redakteurin bei Spießer.

Etwa drei Stunden pro Woche beschäftigt sich die 27-Jährige mit dem Internetauftritt. Damit es www.ich-kann-etwas.de nicht an Aktualität mangelt, werden in Absprache mit dem Sächsischen Handwerkstag laufend News, Termine und andere Informationen eingearbeitet. In Vorbereitung ist ein Online-Eignungstest für Berufe im Handwerk. Wer mit dessen Hilfe ausprobieren möchte, ob er seine berufliche Karriere im Bäckerhandwerk starten sollte, muss sich allerdings noch eine Weile gedulden. „Zurzeit ist der Test bei den sächsischen Handwerkskammern zur Prüfung, erste Reaktionen liegen bereits vor, er kann also bald online gehen“, sagt Julia Karnahl.

Per Mausklick können sich interessierte Internetnutzer schon jetzt über das Berufsbild des Bäckers informieren, erfahren, welche Voraussetzungen Lehrlinge erfüllen sollten und welche Weiterbildungsmöglichkeiten ihnen nach dem Abschluss der Lehre offen stehen. Selbst freie Lehrstellen werden über www.ich-kann-etwas.de angeboten. Möglich wurde das, weil der LIV Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen den Machern des Portals reichlich Informationen zum Beruf des Bäckers zur Verfügung gestellt hat. Außerdem werden freie Lehrstellen gemeldet. Je nach Resonanz werde später entschieden, ob Saxonia sich weiter an dem Projekt beteiligt, so Geschäftsführer Wolfgang Hesse.

Dass die Offerten des Internetauftrittes genutzt werden, kann Christian Scheibe, Geschäftsführer der Agentur mindbox, schon jetzt bestätigen. Sein Unternehmen hat das Portal gestaltet. „Obwohl wir uns ja noch in der Anlaufphase des Projektes befinden, haben wir monatlich mehr als 1.000 Zugriffe, die in das System integrierte Lehrstellenbörse wurde bereits 50.000 Mal aufgerufen“, fasst Christian Scheibe zusammen.


Artikel vom 23.11.2006
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