Praxis
Aktiv werben direkt vor Ort
Den Impulskauf durch gezielte Maßnahmen wirkungsvoll forcieren / Werbebotschaften nicht überfrachten

Einfache Werbeaktionen mit geradezu simplem Inhalt genügen. Sie müssen nur knallig, auffällig und deutlich im Vordergrund präsentiert werden, da sind die nicht ganz so schönen Brezeln erst mal zweitrangig. Fotos: Stökle Fotos: Stökle
Den Begriff „Werbung“ kann man hochtrabend umschreiben. Im Bereich der Biologie etwa ist Werbung geradezu überlebensnotwendig. Denken Sie im Tierreich an einen Pfau, der für das andere Geschlecht alle Register zieht und ein eindrucksvoll großes und farbenfrohes Rad schlägt. Werbung! Brautschau! Sich dem anderen Geschlecht vorzustellen und werbend Eindruck zu machen, ist für die Fortpflanzung nun mal unausweichlich. Aber es gibt Schlimmeres, denn solche Art von Werbung macht Mensch und Tier schließlich auch Spaß!
Theorie und Praxis
Wenn man unter „Werbung“ dagegen Reklame im geschäftlichen Bereich versteht, dann fällt die Definition laut Lexikon zehnmal nüchterner aus als die für den Pfau: „Beeinflussung aus wirtschaftlichen Gründen.“ Werbung in Bäckereien soll die Kunden beeinflussen, und zwar zum Kaufen, das ist alles! Und die entscheidende Frage ist, wie gut oder wie schlecht das mit dieser Beeinflussung in der Praxis funktioniert. Denn leider laufen viel zu viele aufwendige und teure Maßnahmen oft ins Leere – sie erreichen die Kunden gar nicht und können folglich gar nicht beeinflussen. Vielleicht sollte man Folgendes bedenken:
Schlüssiges Konzept
Werbung ist kostspielig. Bevor viel Geld ausgegeben wird, sollte unbedingt ein schlüssiges Konzept aufgestellt werden. Denn Werbung funktioniert nicht einfach nebenbei oder nur „so ein bisschen“ zur Gewissensberuhigung.
Zunächst sollte man für sich selbst die Fragen beantworten, wie, wo und was überhaupt beworben werden soll. Das Unternehmen selbst, die Produkte, der Service, die Frische oder die Zuverlässigkeit? Es gibt ja die verschiedensten Möglichkeiten.
Genau so verhält es sich mit den vielen möglichen Plattformen, die man nutzen kann: Werbung in der Presse, im Rundfunk oder im Fernsehen. Werbung im Kino, in Prospekten, mit Flugblättern oder an Litfasssäulen. Alles ist möglich, die Auswahl ist groß. Welche Art von Werbung ist also für Bäckereien die geeignetste?
Werbung vor Ort
Der Backwarenerwerb erfolgt impulsiv an Ort und Stelle, meist ohne Einkaufszettel. Das was gut aussieht, gut duftet, freundlich angeboten und obendrein auch noch auf einem Werbeplakat zu einem attraktiven Preis angeboten wird, das fällt auf und macht Lust zum Kaufen.
Werbung vor Ort dürfte so gesehen gerade für Bäckereien zehnmal wichtiger sein, als nüchterne Werbeanzeigen in der Zeitung zu schalten. Für einen dort feil gebotenen günstigen Computer rennt man vielleicht sofort los ins Geschäft. Wegen eines billigen Bauernbrotes ist das dagegen wenig wahrscheinlich!
Nicht überfrachten
Die Anzahl der Werbeaktionen soll nicht übertrieben werden. In manchen Geschäften werden zur gleichen Zeit zu viele Dinge beworben, mit Plakaten präsentiert und mit Aktionsschildern beklebt. Der Kunde wird regelrecht überfrachtet – fast erschlagen – mit Werbebotschaften. Besser ist, für einen bestimmten Anlass, für ein bestimmtes Produkt und für einen bestimmten Zweck zu werben. Und im nächsten Monat für etwas ganz Neues. Das schafft besseren Durchblick und interessante Abwechslung.
Wenn Werbung und Reklame zum Kauf beeinflussen sollen, dann ist klar, dass dazu nicht allein Plakate mit günstigen Sonderangeboten ausschlaggebend sind. Die gesamte Ladenatmosphäre ist wichtig. Ordnung, angenehme Beleuchtung, ansprechende Präsentation. Für so etwas seinen Werbeetat einzusetzen, ist manchmal wichtiger und sinnvoller anstatt an der nächsten Litfasssäule Plakate aufzuhängen.
Was mit der Werbung großspurig versprochen wird, sollte auch eingehalten werden. Hier ist Ehrlichkeit und Selbstkritik gefragt. Nichts ist peinlicher, als wenn man sich den Kunden als der „beste“, der „freundlichste“, oder der „frischeste“ Bäcker empfiehlt und das in Wahrheit aber gar nicht ist.
Oder wenn man mit frischwarmen Feierabendbrezeln / -brötchen wirbt und die ab 16Uhr täglich vergriffen sind. Erst wenn absolut sichergestellt ist, dass man das Angekündigte auch wirklich in der versprochenen Form bieten kann, erst dann sollte es publik gemacht und beworben werden.
Planen und kalkulieren
Jede Aktion sollte im vorab mit spitzem Stift durchgerechnet werden. Denn jede Art von Werbung kostet. Aber ein Minus muss deshalb nicht gleich damit eingefahren werden. Was bringt eine Erdbeeraktion im Februar, die wegen der dann sehr hohen Preise für die Früchte zum absoluten Minusgeschäft wird?
Aktionen sollten wirkungsvolles Beiwerk zum normalen Tagesgeschäft sein – dezent im Hintergrund eine Note geben – mehr nicht. Denn wenn das übertrieben wird, werden die Kunden mit zu üppigen Dekorationen erschlagen. So muss bei allen Rauschgoldengeln und Goldsternen zu Weihnachten klar bleiben, dass man sich immer noch in einer Bäckerei aufhält und nicht in einem Geschenkeladen.
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