Unternehmensführung
Abfall als Wertstoff betrachten
Steuerreform und Abfallwirtschaft die Themen bei betriebswirtsch. Jahrestagung des BIV Niedersachsen/Bremen

Den Zuhörern wurde vom BIV Niedersachsen/Bremen ein spannendes und hochinteressantes Programm geboten. Fotos: Winkler
Entlastungen ja –
Vereinfachung Fehlanzeige
Der große Wurf ist die Unternehmenssteuerreform sicherlich nicht. Von der versprochenen Bierdeckelvariante ist Deutschland noch Lichtjahre entfernt. Immerhin, es wurde was getan und – wie konnte es anders sein – wurde es an vielen Stellen auch gleich komplizierter. Gut, dass es Steuerberater gibt, die hier den Durchblick haben. Einer von ihnen, Karsten Klingebiel aus der Gehrke Gruppe, umriss die wichtigsten Eckpunkte: Absenkung der Gesamtbelastung thesaurierter (einbehaltener) Gewinne; Absenkung der Gewerbesteuer; Entlastung von Personenunternehmen, Abgeltungssteuer für Einkünfte aus Kapitalanlagen. Unternehmen sollen um rund fünf Milliarden Euro entlastet werden.
Änderungen bei den
Kapitalgesellschaften
Bei den Kapitalgesellschaften wird die Steuerbelastung auf der Gesellschaftsebene bei einem angenommenen Gewinn von 100.000 Euro und einem Gewerbesteuerhebesatz von 400 Prozent, von 38,65 Prozent auf 29,83 Prozent sinken.
Den Anteilseignern bringt die Reform in 2008 eine Einsparung von rund sieben Prozent, die sich in 2009 bei einer Entlastung von circa vier Prozent einpendeln wird.
Änderungen bei
Personenunternehmen
Personenunternehmen, die im Handwerk häufiger vorkommende Unternehmensform, werden durch eine Reihe von Änderungen den Kapitalgesellschaften nahezu gleichgestellt. Erreicht wird das durch die Erhöhung des Anrechnungsfaktors vom 1,8-fachen auf das 3,8-fache des Gewerbesteuermessbetrages, die Einführung einer Thesaurierungsbegünstigung und der Einführung einer Reichensteuer von 45 Prozent.
Bislang wurde der Gewinn im Wirtschaftsjahr der Entstehung versteuert. Unabhängig davon, ob er im Unternehmen verblieb oder entnommen wurde. Ein Verschieben der Steuerlast durch Gewinnthesaurierung war nicht möglich. Ab 2008 ist diese Variante gegeben und bringt den Personenunternehmen beachtliche Steuervorteile.
Steuerliche Beratung
ist die beste Strategie
Diese und zahlreiche weitere Änderungen machen es nötig, sich wirklich gut beraten zu lassen, um herauszufinden, welche Strategien am besten zum eigenen Unternehmen passen. Denn trotz aller Veränderungen im Inhalt ist die äußere Form geblieben: Kompliziert und für den Laien schwer durchschaubar.
In einem Punkt waren sich alle an der Tagung beteiligten Steuerberater einig, – es geht aufwärts im Bäckerhandwerk. Trotz widriger Umstände wie steigender Energie- und Rohstoffkosten, sprach Steuerberater Josef Bünger von einer tollen Entwicklung.
Abfälle als wertvolle
Rohstoffe betrachten
Was ist eigentlich Abfall? Eine Frage, der sich Dr. Thomas Modzel vom Kompetenznetzwerk Umwelttechnik ebenso engagiert wie vielseitig näherte. Mit diesem Referenten ist es dem BIV Niedersachsen/Bremen gelungen, einen hochkarätigen Fachmann zu gewinnen. Ein spannendes Thema, das sicherlich einen ganzen Tag verdient hätte und das keine Sekunde für Langeweile gesorgt hätte.
Unter Abfall versteht man gemeinhin all das, was man loswerden möchte. Wer so denkt, schmeißt sein Geld aus dem Fenster. Der allergrößte Teil der Abfälle sind wertvoll. Und Dinge, die etwas wert sind, wirft man nicht weg, man nutzt sie ökonomisch. Entweder kann daraus wertvolle Energie gewonnen werden oder sie dienen als Rohstoffe für neue Produkte. Für Entsorgungsunternehmen ist Abfall, für dessen Entsorgung sie noch Geld verlangen, ein wertvoller Rohstoff, mit dem sie am anderen Ende wieder Geld verdienen. Stellt sich die Frage, ob man seine eigenen Abfälle nicht eher als Wertstoffe im wahrsten Sinne des Wortes betrachtet und versucht, sie gewinnbringend zu verkaufen.
Müll ist heute
auch ein Energieträger
Viel zu viele Dinge landen im teuren Restmüll. Aber was ist eigentlich Restmüll in einer Bäckerei? Modzel klärte auf. Backpapier, Kippen, alte Schuhe, Putz- und Handtücher. Das ist alles, viel mehr gibt es nicht und das ist teuer genug. Alles andere sind Wertstoffe bei deren sachgerechter Sortierung aber auch sauber gearbeitet werden muss. Sonst kann der Entsorger empfindlich sanktionieren. Günstiger ist es meist, einen Entsorgungsfachbetrieb zu beauftragen.
Wer hätte gedacht, dass ein Kilo trockenes Restbrot den Brennwert von 450 Gramm Heizöl hat. Rein rechnerisch kann laut Modzel eine Bäckerei mit einem mit Brot betriebenen Blockkraftwerk seinen Energiebedarf decken. Auch wenn das erst mal Skepsis hervorruft, so müssen wir uns dringend mit Alternativen vertraut machen. Die klassischen Energieträger gehen nämlich zur Neige und billiger werden sie auch nicht mehr.
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