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Ein Bäcker bringt Brezeln und Seelen nach Taiwan

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Erwin Betz ist in einer Getreidemühle in Japan tätig / Im aktuellen Projekt etabliert er die deutsche Backwarenkultur in Taiwan

Erwin Betz arbeitet als Bäckermeister in . Seit 40 Jahren ist es sein Anliegen, den Bäckern und der Bevölkerung Backwaren nach deutscher Art schmackhaft zu machen. Der Erfolg seiner Produkte hat sich bis nach herum gesprochen. Auch dort möchten Bäcker in die Brot- und Brötchen-Herstellung einsteigen.

Betz ist in einer Getreidemühle tätig. Die Mitarbeiter der stellen in erster Linie Mehl für japanische Nudeln her. Vor zwölf Jahren sind die Inhaber darüber hinaus in die Produktion von Brotmehl eingestiegen – hauptsächlich Weizen- und Roggenmehl. Mit Erfolg – das Projekt möchte man nun in Taipe realisieren.

An diesem Tag kündigt sich eine Delegation aus Taiwan an, um der Mühle einen Besuch abzustatten. Der Bäckerladen La Terre hegt den Wunsch, Mehl aus Japan nach Taiwan zu importieren. Erwin Betz führt in seiner Versuchsbäckerei zwei Frauen des Betriebs in die Technik zur Herstellung von deutschen Backwaren ein: Laugenbrezeln, Laugenwecken und Schwäbische Seelen. Die Brezeln haben es den Frauen besonders angetan. Von morgens bis zum Feierabend sind die Beiden mit Feuereifer bei der Sache.

Zurück in Taiwan, schreiten die Bäckerinnen zur Tat. Bereits ein paar Wochen später können passable Laugenwecken und Schwäbische Seelen im Geschäft verkauft werden. Nur mit den Laugenbrezeln hapert es noch.

Bäcker Betz fliegt nach Taipe

Erwin Betz bringt anderen nicht nur das Backen bei. Die Getreidemühle plant etwa auch eine viertägige Backvorführung auf der Bakery Show in Taipe. Das Programm erstellt Betz über den Bildschirm, eine Dolmetscherin übersetzt ins Chinesische.

Zum Auftakt der steigt Bäcker Betz in Fukuoka in Südjapan ins Flugzeug. Taipe ist ihm bekannt, bereits vor 20 Jahren arbeitete er hier für drei Monate in einer japanischen Bäckerei. Er ist überrascht, wie modern Taipe geworden ist. Der dynamische Aufwärtstrend ist überall zu sehen und zu spüren. Moderne Hochbahnen ohne Fahrer, genannt Metro, verbinden die ganze Stadt, genauso neue Schnellstraßen. Auf den normalen Straßen herrscht ein sehr dichter Verkehr. Lkw, Omnibusse, Pkw und sehr viele Motorräder aller Klassen. „Für mich sah das ziemlich chaotisch aus. In Wirklichkeit soll es sehr diszipliniert sein, die Strafen für Verkehrsdelikte sollen sehr hoch sein“, erzählt Betz. Der Bäckerladen des Importeurs La Terre ist bestens für die Ankunft des deutsch-japanischen Bäckermeisters gerüstet: In der Verkaufstheke liegen Schwäbische Seelen aus. Erwin Betz freut sich riesig.

Danach geht es direkt an die Arbeit, um den ersten Ausstellungstag vorzubereiten: Die beiden Frauen, die bei ihm in Japan zu Besuch waren, haben bereits alles vorbereitet. Zum Start der Messe ist das Programm für den Bäcker und seine Crew reichhaltig: Laugenbrezeln, Laugenwecken, Schwäbische Seelen, Gugelhupf, Schweizer Zöpfe, Weizenmischbrot und Mischbrot. Die Messehalle in Taipe ist neu und modern ausgestattet: der Stand des Importeur La Terre riesig. Der erste und zweite Ausstellungstag richtet sich an Fachbesucher. Der Wissensdurst der Taiwanesen ist ungebrochen – mit der Dolmetscherin beantwortet der deutsch-japanische Bäcker die Fragen der Besucher.

Bei einem Messerundgang entdeckt Betz auch zahlreiche deutsche Firmen. Der Backofenbauer Wachtel produziert in Taiwan für den asiatischen Markt. Die Schapfenmühle ist mit einem großen Angebot vertreten ebenso wie die Firma Ireks. Ebenfalls sind die Kaffeemaschinenhersteller aus der Schweiz angereist. Es ist jedoch ein Irrtum, zu glauben, dass die meisten Aussteller aus dem Ausland kommen. Die Bäckereimaschinenhersteller aus Taiwan bieten Maschinen und Geräte für alle Betriebsgrößen an.

Bei der Messe, die zwar als Fachmesse ausgelobt ist, kann sich jeder für ein geringes Eintrittsgeld informieren. Der Zustrom von Neugierigen aller Altersklassen überwältigt den Bäckermeister. Im vorherigen Jahr waren laut Angaben der Messe rund 135.000 Besucher angereist, dieses Mal scheint die Zahl darüber zu liegen.

Die Aussteller aus dem Ausland sind dennoch mit der Resonanz nicht zufrieden. „Nur Masse statt Klasse“, lautet das Urteil. Die taiwanesischen Aussteller erklären: „Taiwan ist ein Land, in dem das Grundnahrungsmittel Reis ist. Das Bakery Business ist noch jung, und es ist gut für unsere Zukunft, wenn so viele, vor allem junge Menschen an unserer Arbeit Interesse zeigen.“ Eine positive und weitschauende Einstellung, meint der Bäcker.

Laugenwecken sind der Renner

An den letzten Messetagen arbeitet man am Stand von La Terre im Akkord. Vom Unternehmen sind sie aufgerufen, so viel Ware wie möglich herzustellen. Betz und sein Team sind zu jeder Zeit dicht umlagert, die Bäcker haben alle Hände voll zu tun. Zwischendurch heißt es, Modell für die Amateurfotografen zu stehen. Die Laugenbrezeln und -wecken sind der Renner.

In Taiwan und China boomt der Außer-Haus-Verzehr. An jeder Ecke gibt es einen Imbiss oder ein kleines Restaurant, die schon zum Frühstück sehr gut besucht sind. Der Bäcker möchte eines der zahlreichen Speiselokale testen. Die Empfehlung des Hotels geht nicht auf, davor steht bereits eine Menschenschlange an. Wartezeit: 90 bis 120 Minuten. Im nächsten Restaurant findet er nach nur 25 Minuten einen Platz. Erwin Betz ist begeistert vom taiwanesischen Essen.

Am letzten Tag der Messe heißt es nochmal Endspurt. Das Team legt sich ins Zeug. Vom Erfolg der Aktion sind am Schluss alle Beteiligten überzeugt. Die Ware findet Anklang bei Kunden und Geschäftspartner. Zur Feier der erfolgreichen Ausstellung gibt es ein Abschlussessen. Es zeigt sich, dass Taiwanesen nicht nur bienenfleißig sind, sondern dass neben dem Job auch das Feiern nicht zu kurz kommt. Zum Essen stehen Köstlichkeiten aus der taiwanesischen Küche bereit, dazu gibt es internationale Getränke im Überfluss.

Für Erwin Betz heißt es nun Abschied nehmen, denn am nächsten Tag geht es zurück nach Japan. Alle Beteiligten sind zufrieden mit ihrer Arbeit. Auf die weitere Zusammenarbeit zwischen Japan und Taiwan freuen sie sich. Mit Sicherheit entdecken auch die Kunden in Taiwan bald die deutsche Brotkultur für sich.

Entschleunigung: der Außenbereich des Cafés vor der restaurierten Mahlmühle, die vor mehr als 350 Jahren erbaut wurde.
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