ABZ - Das Fachportal für Bäcker

Bäcker Bösen erobert Mallorca und kehrt zurück

Michael und Gina Bösen bringen südländisches Flair ins Rheinland.  (Quelle: Heck)+Zur Fotostrecke
Michael und Gina Bösen bringen südländisches Flair ins Rheinland. (Quelle: Heck)

Weitere Artikel zu


Von

In der Vollkornbäckerei in Langenfeld sind viele Produkte mediterran geprägt / Mandelkuchen ist ein Renner

Eigentlich fehlen nur noch Temperaturen über 25° C, dann ist die Illusion perfekt. Wer den neuen Laden der Bäckerei Bösen in Langenfeld betritt, fühlt sich in südliche Gefilde versetzt. Nicht ganz zu Unrecht, denn die Einrichtung stammt von den Balearen. Auf wollten Gina und Michael Bösen es etwas ruhiger angehen lassen. Es kam anders als gedacht. Doch der Reihe nach.

Zehn Jahre lang war der Bäckermeister aus dem Rheinland auf der Lieblingsinsel der Deutschen. Zuvor hatte er den etablierten Familienbetrieb, der sich als Vollkornbäckerei bis heute gehalten hat, verkauft. Der Grund: „Wir wollten einmal ein paar Gänge runter schalten.“

Kaum waren Gina und Michael Bösen jedoch in Cala Millor heimisch geworden, da machte sich das Bäcker-Gen des Meisters wieder bemerkbar. „Wir waren seinerzeit die Ersten in Deutschland, die auf der Bio-Schiene agierten und beispielsweise Graham-Brötchen anboten“, blickt er zurück. Das Getreide, das in der eigenen Mühle in Mehl verwandelt wurde und die Backwaren, die daraus entstanden, fehlten ihm auf der Urlaubsinsel. Und so wurde zunächst aus dem geplanten Ruhesitz ein Restaurant und Café mit angeschlossener Bäckerei.

Deutsches Brot, auf Mallorca gebacken, entwickelte sich zum Verkaufsschlager. Die Geschäftsidee ließ die Faulenzer-Ambitionen zunächst einmal in den Hintergrund rücken. Allerdings, so räumen die beiden ein: „Es war ein hartes Stück Arbeit.“

Als besonders interessant fanden sie es, sich in ein ganz anderes Umfeld auf die Gegebenheiten einstellen zu müssen. Seien diese baulicher Natur, die Lebensmittelkontrolle betreffend oder die Beschaffung der Rohstoffe. Angesichts einer Jugendarbeitslosigkeit von 50 Prozent und einer 20-prozentigen Gesamtarbeitslosigkeit sei es schwer gewesen, in den Kreis der Selbstständigen und Handwerker hineinzukommen.

Dennoch seien die vergangenen zehn Jahre sehr schön gewesen, wenngleich sich die Wirtschaftskrisen immer auch in den Geschäftszahlen der Gastronomie und der Verpflegungsbranche niederschlugen.

Als sich dann auch noch viele Hoteliers für ein „all inclusive“-Konzept entschieden, blieb die traditionelle Klientel der Pauschalurlauber den externen Restaurants eher fern. Also konzentrierte sich Meister Bösen auf die sogenannten Residenten, Menschen, die sich Mallorca als Altersruhesitz oder Zweitwohnsitz ausgesucht haben.

„Wir haben sehr viele sehr nette Leute kennengelernt, zahlreiche Promis aus Deutschland und Unternehmer aus dem Rheinland gehörten dazu“, blicken sie zurück. Diese waren es auch, die die Vollwertbrote, Brötchen und Torten sehr zu schätzen wussten. Als äußerst beliebt zeigte sich der Klassiker „Schwarzwälder Kirschtorte“, auch Christstollen wurde nicht nur im Café verzehrt, sondern gern auch von Golfclubs gleich im Duzend geordert. Die Spezialität aus der Vollwertbäckerei, Dinkelstollen ohne Zucker, lief wie „geschnitten Brot“.

Am Abend kochte „Doña Gina“ erst für wenige Gäste. Schließlich wurde ein Restaurant daraus, in dem es auf der Speisekarte ebenso international zuging wie im Gastraum. Die Mischung aus deutscher, französischer, polnischer und spanischer Küche, die hier auf den Tisch kam, sprach sich vor allem bei den deutschen, österreichischen und britischen Mallorca-Residenten schnell herum. Die 42 Plätze waren besonders bei Themenabenden schnell ausgebucht. Als der Pachtvertrag auslief, gab das den Anstoß, dem Leben erneut eine Wendung zu geben – und die Bösens kehrten ins Rheinland zurück.

Michael Bösen blieb mit seinem Natursauerteig, den er vom Vater und Großvater kannte und als Qualitätskriterium schätzt, seiner Linie treu. Schon als Kind lernte er den Umgang mit dem Teig und konnte hüben wie drüben eine Marktlücke füllen.

Einige der Rezepte, die er auf der Baleareninsel ersonnen und erprobt hatte, finden auch im Rheinland reißenden Absatz. Hierzu gehört das „Fiesta-Brot“, das aus Vollkornmehl, schwarzen und grünen Oliven, Paprika, Peperoni und eingelegten Tomaten besteht. Dieses Weizenschrotbrot mit Sojaanteil lässt sich hervorragend mit spanischen Tapas kombinieren.

Kein Wunder also, dass bereits nach wenigen Monaten in der alten Heimat der mallorquinisch gestaltete Bäckerladen zu einem Anlaufpunkt für Spanienfans geworden ist. Der Einzugsbereich spannt sich von Leichlingen über Hilden, Monheim und Solingen bis hin zur Eifel. Auch die Vorstädte von Köln und Düsseldorf liegen im Radius. Wer zum Einkaufen kommt, bringt nicht selten eine große Tasche mit und trägt darin zwischen fünf und zehn Brote nach Hause.

Zur Beliebtheit von Bösens Backwaren trägt auch das Preis-Leistungsverhältnis bei. So werden die Dinkelbrötchen für 40 Cent, Kleie-Brötchen für 28 Cent und Sonnenblumenkernbrötchen für 40 Cent verkauft. „Es geht mir darum, eine eigene Linie zu haben und diese auch fortzuschreiben“, sagt Michael Bösen. Ihm macht es Spaß, selbst neue Brote zu entwickeln. „Dies ist für mich Hobby und Beruf zugleich.“

Gearbeitet wird generell nur mit Butter. Ein weiterer Renner im Programm ist der original mallorquinische Mandelkuchen und der Bienenstich mit einer locker aufgeschlagenen Sahnecreme. Wer ein belegtes Brötchen kaufen will, hat die Wahl zwischen Chorizo, Serranoschinken oder Manchego-Käse. Jedes Brötchen wird frisch belegt. „Darauf warten die Kunden gern zwei Minuten länger“, so Gina Bösen.

Das Ambiente des Ladens ist einfach gehalten und von warmen erdigen Tönen geprägt. Terassenstühle und -tische vermitteln eine entspannte Freizeitatmosphäre. In der einfach aber praktisch eingerichteten Backstube wird inzwischen nicht nur für den Bedarf des eigenen Ladens gebacken, auch zahlreiche Restaurants im Umfeld gehören zu den Kunden. „Es gibt überall eine Klientel, die das Besondere sucht“, ist Michael Bösen überzeugt.

Einen Großbetrieb wollen die beiden Mallorca-Heimkehrer auf keinen Fall daraus entwickeln. Eher im Gegenteil: Die Idee, sich zur Ruhe zu setzen, ist immer noch präsent. So haben Michael und Gina Bösen schon einmal „über die Antilleninsel Curaçao nachgedacht“. Zumindest ist dieses niederländische Urlaubs-Eiland als nächstes Reiseziel fest eingeplant.

Touristen und Einheimische besuchen den Markt in Es Pillari, der für den Erhalt des Llonguet-Brötchens wirbt – mit Back- und Show-Vorführungen. Verkauft werden auch andere Gebäckspezialitäten.
Auch interessant

Spektakel ums Brötchen

Von Dieter Kauffmann Trommeln gehört zum Handwerk – heißt es. Diesbezüglich haben Bäcker auf der Balearen-Insel Mallorca vieles richtig gemacht. Gemeinsam mit Anwohnern eines Stadtteils der mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel