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Wie steht's um die Innungen?

Die Teilnahme an Brotmärkten, hier eine Aufnahme aus Stuttgart, ist nur eine Möglichkeit, sich als Innungsbäcker zu präsentieren. (Quelle: Wolf/Archiv)+
Die Teilnahme an Brotmärkten, hier eine Aufnahme aus Stuttgart, ist nur eine Möglichkeit, sich als Innungsbäcker zu präsentieren. (Quelle: Wolf/Archiv)

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Umfrage

Was wünschen sich Landesinnungsmeister von ihren Mitgliedern? Wie sollen sich die Verbände fit für die Zukunft machen? Die ABZ fragt nach.

Stuttgart (kik). Zu den Versammlungen kommt häufig nur eine Hand voll Bäcker; sich aktiv einbringen wollen die wenigsten. Wenn es um die Übernahme eines Posten geht, winken viele ab. Innungsverbände stehen zunehmend vor der , Bäcker für ihre Arbeit zu begeistern. Dabei wird die Verbandsarbeit komplexer. Landesinnungsmeister sagen, was sie sich von ihren Mitgliedern wünschen und welche Herausforderungen in warten.

Hans-Jörg Kleinbauer, Saarbrücken

Landesinnungsmeister Saarland

„Ich erwarte, dass die als Innungsbäcker auftreten, dass sie an Brotprüfungen teilnehmen. Es wäre schön, wenn beim Brotmarkt 20 Bäcker stehen, alle in Berufskleidung, und ihr Brot verkaufen. Und es würde mir gut gefallen, wenn sie an Versammlungen teilnehmen. Oft wird gesagt: „Ich habe keine Zeit.“ Ich sage: Viele Bäcker setzen die falschen Prioritäten. Zeit hätte ich auch keine, wenn ich mir keine Prioritäten setzen würde und schauen, was wirklich wichtig ist. Innungsleben ist Teil meines Betriebs und Teil meines Berufs. Durch die Innungen, bei den Versammlungen bekommen Bäcker doch die Instrumente an die Hand, um sich gegen Discounter zu wehren. Dort erfahren sie vom Kollegen, was er macht, warum er es macht und wie er es macht. Die Konkurrenz des Bäckers ist doch nicht der Kollege im nächsten Ort, das ist doch ein ganz anderer.“

Maren Andresen, Neumünster

Landesinnungsmeisterin Schleswig-Holstein

„Die Zusammenarbeit der Innungen vor Ort und der Landesinnung ist ausgesprochen vielfältig. Die zentrale Aufgabe für die Zukunft ist eindeutig die Ausbildung. Insbesondere vor dem Hintergrund der Demografie müssen wir uns verschärft dem Thema Ausbildung widmen. Es gilt, jungen motivierten Menschen eine Perspektive zu bieten, aber gleichzeitig die hohe Qualität im Bäckerhandwerk zu halten oder weiter auszubauen. Da müssen die Handwerksbetriebe und die Innungen an einem Strang ziehen - und am besten noch in die gleiche Richtung. Die Rechtsberatung liegt uns ebenso am Herzen wie die vielfältigen Aktionen ( Tag des Brotes, Landtagscafé, Norla, Stolleneröffnungssaison, Gewalt kommt nicht in die Tüte und einige mehr) , mit denen wir über unseren Tellerrand hinaus in eine breite Öffentlichkeit treten, Werbung vor Ort machen und damit ganz nah am Kunden sind. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Betrieben ist die Basis unseres Handelns. Gewiss gibt es auch der Zukunft Herausforderungen und Verbesserungsmöglichkeiten. Hier müssen wir alle gemeinsam besser netzwerken. Wir sind auf einem guten Weg und wollen uns gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft und Ansprüchen unserer Kunden stellen.“

Johannes Schultheiß, Ostfildern-Nellingen

Landesinnungsmeister Württemberg

„Die Mitglieder pflegen eine sehr treue Mitgliedschaft zu ihrer und zum Landesverband. Diese wird auch unabhängig von der Betriebsgröße nicht infrage gestellt. Die Informationen und Dienstleistungen werden sehr hoch geschätzt, und diese möchte niemand missen. Die betriebliche Entwicklung innerhalb der Mitgliedsbetriebe ist jedoch sehr unterschiedlich. Die Schere öffnet sich zusehends in Form der Betriebsgrößen und der Betriebsführung. Somit ändert sich auch der Informations- und Beratungsbedarf sowie das gesamte Dienstleistungsspektrum.

Die Teilnahme an Veranstaltungen und Versammlungen ist zurückhaltend. Die Bereitschaft, sich aktiv in die Berufsorganisation einzubringen, wird dem Zeitgeist folgend zunehmend geringer. Jedes Nehmen bedingt jedoch auch das Gegenstück des Gebens. Eine Innungsidentität erwächst nicht nur aus der Inanspruchnahme dieser Dienstleistungen, sondern im Nutzen der Informationsplattform Innungsveranstaltungen. Das direkte persönliche Gespräch und Austausch an Erfahrungen zwischen Kollegen, das heißt den unmittelbaren Marktpartnern im Backwarenmarkt ist Voraussetzung für Erfolg. Die geringste Form der Innungsverbundenheit ist somit die persönliche Teilnahme an den Jahresversammlungen – also auch meine Erwartung. Die Qualität der Innung und des Verbands kann nur mit Feedback der Mitglieder weiter wachsen und sich den Veränderungen entsprechend anpassen. Wenn es gelingt, den unterschiedlichsten Anforderungsprofilen unserer Mitglieder gerecht zu werden, diese zu fokussieren, dann ist es um die Zukunft des württembergischen Bäckerhandwerks und seine Mitgliedsbetriebe gut bestellt.“

Weitere Stellungnahmen von Landesinnungsmeistern lesen Sie in der aktuellen ABZ-Printausgabe Nr. 14

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