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Wenn Nachtarbeit die Nachbarn nervt

Kann Anwohner stören: das nächtliche Be- und Entladen von Lieferfahrzeugen. Fotos Archiv/Fotolia (Quelle: SYSTEM)+
Kann Anwohner stören: das nächtliche Be- und Entladen von Lieferfahrzeugen. Fotos Archiv/Fotolia (Quelle: SYSTEM)

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Beschwerden von Nachbarn eines Betriebs über Lärm und Gerüche lassen sich in vielen Fällen „auf dem kleinen Dienstweg“ lösen

Von Arnulf Ramcke

und Reinald Wolf

Der Aufreger hat eine Adresse: Rottbach-Egern. Dem 5600-Einwohner-Dorf im oberbayerischen Landkreis Miesbach am Ufer des Tegernsees ist seit Ende August bundesweit mediale Aufmerksamkeit zugekommen, wie sie keine gezielte Marketingkampagne hätte erzeugen können.

Die Geschichte „Die Bäckerin und der böse Nachbar“ erzählt von einem 90 Jahre alten Bäckereibetrieb, dessen Produktionsgerüche einem Zugezogenen gewaltig stinken.

Der schaltet einen Anwalt ein, die Bäckerin holt sich Unterstützung beim Landrat, das Fernsehen berichtet. Der Boulevard weidet den genussvoll aus. Der Ausgang des Streits um den von ist noch offen, das in der Öffentlichkeit aber längst gesprochen.

Klares „Urteil“ auf der

Facebook-Seite der ABZ

Auch auf der ABZ-Seite von Facebook (FB) ist das Unverständnis über den „Fremden im Dorf“ groß: „ Die spinnen. Nichts schöner als der Geruch von frisch gebackenem Brot“ oder „Das sind genau die Leute, die meinen, an Brotbackautomaten in verschiedenen Märkten wird Brot frisch gebacken“ sind nur zwei von vielen ähnlich klingenden Meinungen.

Ein Kommentar auf FB kommt zum Kern des Problems: „Geruchsbelästigung ist schon ein merkwürdiges Argument. Lärmbelästigung könnte ich noch nachvollziehen. Die kann sogar nur dadurch entstehen, dass der eine neue Maschine kauft oder der Lieferverkehr zunimmt.“

Lautstärke

ist häufig ein Thema

Während Gerüche aus Backstuben selten Zoff-Potenzial besitzen, sieht es bei Lärmemissionen anders aus. Was aber gilt als Belästigung? Wann müssen Betriebe Rücksicht nehmen, was müssen Anwohner tolerieren? Die ABZ ist diesen Fragen nachgegangen – ganz unemotional.

Diesbezüglich liefert zum Beispiel ein weiterer Fall in Donaustauf einige Hinweise, mit dem sich das Regensburger Verwaltungsgericht befasst.

Konflikt um Gerüche und

Lärm aus der Backstube

Dort schwelt ein jahrelanger Konflikt um Gerüche und Lärm aus der Backstube einer mittelständischen Bäckerei. Der Grund: Die seit den 1960er-Jahren existierende Bäckerei hat nach und nach erweitert, das anschließende Wohngebiet drumherum hat sich langsam Richtung Backstube ausgedehnt.

Ergebnis: Zugezogene Anwohner fühlen sich durch Lärm und Geruch der Bäckerei belästigt und ziehen vor Gericht – auch gegen das Landratsamt, das Baugenehmigungen in Sachen Kühlanlagen wohl nicht nicht hätte genehmigen dürfen, so die Kurzversion.

Der Bürgermeister ist der Meinung, dass das klagende Ehepaar die Beeinträchtigung bei Zuzug hätte mit einkalkulieren sollen. Er wünscht sich eine einvernehmliche Lösung.

Bei Beschwerden wegen

Lärmbelästigung aktiv agieren

Laut Anna Lena Bauer eine Haltung, die seitens der Behörden gängige Einstellung ist. „Die Praxis zeigt, dass die betreffenden Behörden dem Bäckerhandwerk wohlgesonnen sind,“ sagt die Juristin in Diensten des Landesinnungsverbands für das Württembergische Bäckerhandwerk.

Wer sich rechtzeitig und aktiv um die Lösung etwaiger Konflikte und Beschwerdepunkte kümmere, habe jedenfalls gute Karten, sich mit überschaubarem Aufwand aus der Affäre zu ziehen. Klar sei die Lärmbelästigung häufig Stein des Anstoßes und in vielen Fällen vor allem die 6-Uhr Marke, bis zu der die strikteren Nachtwerte gelten (siehe Tabelle auf dieser Seite).

Verhaltensänderung und

technische Lösungen sind gefragt

Seien die Richtwerte überschritten, sollte der Betrieb sich überlegen, den Anlieferungszeitpunkt zu verschieben, Verhaltensänderungen bei Türenschlagen, bei zu geräuschvollem Handling und Radiogebrauch anzuordnen oder technische Lösungen für Roll- oder Klappergeräusche beim Be- und Entladen zu finden.

Im Zweifelsfall sollte sich der Betrieb an die Handwerkskammer oder die IHK wenden, die branchenkundige Gutachter oder Berater in Sachen Lärmmessung und Lärmreduzierung nennen können.

So zuversichtlich wie oben beschrieben sieht Falk Hafendörfer seinen Fall nicht. Der Chef der gleichnamigen Stuttgarter Traditionsbäckerei hat in den vergangenen Jahren nicht unbedingt entgegenkommendes Verhalten der Behörden erfahren.

140.000 Euro hat Hafendörfer eingesetzt, um die Lärmimmission rund um seine Produktion in einem Mischgebiet gesetzeskonform einzudämmen. Gewerbeaufsicht und Umweltschutzbehörde waren von einem Nachbarn im fünften Stock eines Hauses mit schlecht isoliertem Dach alarmiert worden.

Umgebungslärm lauter als der

geltende Richtwert fürs Gewerbe


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