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Wenn das Telefon des Lehrlingswarts läutet

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Missstände

Mehr als drei Dutzend Auszubildende rufen jedes Jahr bei Wilhelm Lensmann an. Was der Lehrlingswart der Innung Recklinghausen zu hören bekommt, schreit nach Konsequenzen.

30 bis 40 junge Menschen beklagen sich Jahr für Jahr bei dem Lehrlingswart über ihre Ausbildungsbetriebe. „Monatelang keine Bezahlung, viele Überstunden, kaum zusammenhängender Urlaub – da tun sich Abgründe auf“, beschreibt Lensmann, wie in manchen Betrieben mit dem Nachwuchs umgegangen wird. „Es gibt zu viele Lehrlinge, die untergebuttert werden.“

Nur ein Bruchteil der Fälle wird bekannt, Praktiker wie Lensmann sprechen von einer hohen Dunkelziffer. Ein Grund dafür: „Viele jungen Leute wissen nicht, dass es einen Lehrlingswart gibt“, betont der Bäckermeister. Andere hätten Angst, sich über ihren Chef zu beschweren.

Um die Jugendlichen zu informieren und ihnen die Angst zu nehmen, besucht sie Lensmann an ihrem ersten Berufsschultag in der Klasse. „Ich habe meine Bäckerhose an, stelle mich vor und sage ihnen, sie sollen sich meine Telefonnummer auf die erste Seite ihrer Mappe schreiben – und wenn es Ärger gibt, sofort anrufen.“

Wenn Jugendliche sich melden, fackelt Lensmann nicht lange, wie er selber sagt. Er spricht dann mit dem Chef des Betriebs. „Man kann viel abklären, bevor ein Lehrvertrag in die Brüche geht,“ sagt der engagierte Lehrlingswart. Doch es kommt auch vor, dass der Chef sich uneinsichtig zeigt. „Manche sind extrem hartnäckig, ich schalte dann die Handwerkskammer oder den Ausschuss für Lehrlingsstreitigkeiten ein.“ Dieser Ausschuss markiert die letzte Stufe vor dem Arbeitsgericht.

Lensmann appelliert an die Branche, mehr gegen schwarze Schafe unter den Ausbildern zu unternehmen. „Es darf nicht sein, dass junge Menschen alleine gelassen werden.“


Link: Was Jugendliche über ihre Ausbildung berichten, lesen Sie in einer aktuellen ABZ-Umfrage: Lehrjahre oder Leerjahre?

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