ABZ - Das Fachportal für Bäcker


Was dürfen sich Bäcker von der Zukunft erwarten?

Andreas Bosse: „Es ist immer auch eine Gratwanderung.“+Zur Fotostrecke
Andreas Bosse: „Es ist immer auch eine Gratwanderung.“

Weitere Artikel zu


Von

Wie läuft das Geschäft mit Snacks? Welche Innovationen sind vielversprechend? Wie gefährlich ist der Wettbewerb? Vier klare Antworten.

Auf der können sich Bäcker ein Bild davon machen, wie und womit sich auf dem in Zukunft erwirtschaften lässt. Wir sprachen vorab mit vier Branchenkennern, die sich auf der immer genau umsehen.

,Geschäftsführer der Bäcker- und Konditorenvereinigung Nord: Das Außerhaus-Geschäft läuft momentan sehr zufriedenstellend. Erfreulich: Immer mehr Bäcker sind in diesem Bereich aktiv – vor allem in den städtischen Standorten ist die Bäckergastronomie ein heißes Thema. Aber egal wo, man muss darauf achten, dass man damit auch Geld verdient. Ansonsten ist klar, dass und Co. für Bäcker noch deutlich Wachstumspotenzial bieten. Aber es ist eigentlich noch überall Luft nach oben. Entscheidend ist aber eine klare Positionierung. Nur wenn es uns gelingt den Verbrauchern klarzumachen, dass wir unsere Produkte selbst herstellen und zwar in erkennbar überdurchschnittlicher Qualität, können wir uns am Markt behaupten. Die Backdiscounter sind dabei nicht das Problem. Die kommen langsam an ihre Grenzen. Sorgen machen mir die Aktivitäten des Lebensmitteleinzelhandels. Hier wird der Druck auf das Bäckerhandwerk weiter zunehmen. Das heißt, man muss den Markt genau beobachten und seine Chancen suchen. Hilfreich ist hier sicher auch ein Besuch auf der Internorga, um sich in Sachen Snack und Kaffee inspirieren zu lassen. Sie bietet jedenfalls den gesamten Rundblick in Sachen Außer-Haus-Geschäft. Wenn ich das ganze Jahr über in der eigenen Suppe koche, kann ein Blick über den Tellerrand nicht schaden. Und wenn es nur darum geht, zu sehen, was ich nicht brauche.

,Geschäftsführer der Stendaler Landbäckerei: Klar ist für uns der Snack immer ein Thema, aber es ist immer auch eine Gradwanderung. Nicht jeder Standort bietet Potenzial und es müssen auch standortspezifische Snacks angeboten werden. Zudem dürfen die Abläufe in den Filialen durch das Snackangebot nicht durcheinandergebracht werden. Unterm Strich realisieren wir in diesem Segment leichte aber stetige Steigerungen. Aber da wir wenige 1A-Lagen haben und meist in der Vorkasse zu finden sind, ist Snack für uns nicht das Kerngeschäft. Ansonsten ist es uns wichtig, Bäckersnacks anzubieten und keine Gerichte. Auch beim Kaffeeangebot macht sich bemerkbar, dass wir in eher ländlich geprägten Gegenden aktiv sind. Bei uns ist zu 75 Prozent der klassische Filterkaffee im Einsatz. Trotzdem, in beiden Bereichen sehen wir Potenzial und eine Chance, unsere Marktposition zu festigen. Zumal sich die Marktsituation mit dem zunehmenden Einstieg des Einzelhandels dramatisch entwickelt hat. Für das Bäckerhandwerk wird es jedenfalls ganz schwierig. Auch in unserer Region. Schon deshalb ist die Internorga für mich ein Pflichttermin, um neue Ideen und Impulse zu bekommen: So werde ich mich auf der Messe vor allem den Themen Snack, Kaffee und Ladenbau widmen – unter besonderer Berücksichtigung unseres eigenen Images. Schließlich wird es immer wichtiger, sich als Marke am Markt zu profilieren.

Peer Losert, Leiter Snack, Junge Die Bäckerei, Lübeck:„Wir sind mit der Entwicklung bei uns durchaus zufrieden. Und wir rechnen mit weiterem Wachstum. Der Trend am Markt lässt sich auf die Formel bringen: Bett, Bäcker, Büro. Vor allem das To-go-Geschäft am Morgen nimmt zu. Immer mehr Kunden nehmen sich den Snack für die Mittagspause in der Früh mit ins Büro. Aber auch im Geschäft am Mittag steckt viel Potenzial.

Der Wettbewerb wird härter, unser Innovationsvorsprung tendenziell kleiner. Es kommen mehr und mehr Seiteneinsteiger auf den Markt, die sich an Erfolgsmodellen orientieren. Allein wenn man guckt, wie viel Kaffee inzwischen Tankstellen verkaufen. Wir Bäcker müssen aufpassen, dass wir uns in der Gastronomie nicht verzetteln. Wir dürfen unsere Kernkompetenzen nicht aus den Augen verlieren. Dazu gehört auch, dass wir dem wachsenden Bedürfnis der Kunden nach regionalen Produkten Rechnung tragen. Uns es ist wichtig, das Sortiment so zu entwickeln, dass die Menschen wissen: Bei uns können sie sich gesund und mit Genuss ernähren. Auf der Internorga sind einige Mitarbeiter von Junge unterwegs. Für uns ist das die wichtigste Messe in Deutschland. Ich selber bin zwei Tage in Hamburg. Ich schaue zum Beispiel, was es Neues gibt zum Überbacken und natürlich nach neuen Maschinen und Geräten für das Snackgeschäft.“

Manfred Klüber, Bäckerei Papperts, Poppenhausen:Das Geschäft mit Snacks läuft sehr gut, die Umsätze steigen. Gefragt sind zunehmend weiche Produkte wie Foccacia oder Pannini. Ein Trend ist, dass wir immer mehr Snacks nachmittags, nach ein Uhr verkaufen. Umsatzbringer sind in erster Linie Brötchen, belegt mit Schinken, Käse oder Salami. Auch Brötchen mit Hähnchen-Nuggets oder Fleisch darauf sind beliebt. Jeden Monat bringen ein, zwei neue Snacks heraus. Bei Getränken setzt sich der Trend hin zu Kaffee-Spezialitäten fort, also: mehr Cappuccino und Caffé Latte, weniger Filterkaffee. Der Wettbewerb zwingt uns Bäcker dazu, hellwach zu bleiben. Tankstellen und Discounter machen Druck. Extrem wichtiges Wettbewerbsmerkmal für uns ist die Frische. Deftige Snacks, süße Snacks, Kaffee, Frische und gute Dienstleistung – diese Kombination bietet kein Wettbewerber wie wir Bäcker. Das ist unsere Kernkompetenz, damit sind wir erfolgreich.

Die Internorga ist für mich die Gelegenheit, für einen Rund-um-Blick in der Branche. Gespannt bin ich auch wieder auf das Foodservice-Forum.


Lesen Sie hierzu folgende Bücher


  • Snacks
    Werner Kräling | Jürgen Rieber

    Snacks

    Das Spektrum der Snacks ist riesig: Belegte Brötchen, Brote, Sandwiches, Bagels, Seelen, Waffeln, Muffins, Fladenbrote, gebackene Snacks, Panini, Pizza, Strudel, Zwiebelkuchen, Quiches, Flammkuchen und kleine Gerichte.

    mehr...

Auch interessant

Gastro-Kompetenz für Bäcker

Bäckereien nehmen im modernen Außer-Haus-Markt eine zentrale Stellung ein, denn immer mehr Menschen verpflegen sich unterwegs. mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel