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Meinung
Der bei Muttern war der Beste!“, sagte neulich ein ausgewachsener Mann träumerisch. „So goldgelb und butterweich, ach, und die leckeren Rosinen!“ Es ging dabei um sein süßes Backwerk Nummer eins – den klassischen Hefezopf. Und heute, wenn man auf eigenen Beinen steht und Mama nicht mehr als Hausbäckerin zur Verfügung steht, was nun? Der Knabe, heute Akademiker, gut gebildet und vermögend, schwärmt plötzlich von seinen aktuellen Vorlieben, ganz ohne Muttern: Heute holt er „seinen“ Hefezopf ganz einfach vom Discounter!
Ich denke, ich höre nicht richtig, als er mir erzählt, er habe noch nie eine solch ellenlange Zutatenliste unbekannter Geschmacksstoffe gesehen wie auf den Tüten dieser Hefezöpfe vom Discounter. Der Chemiker habe hier wohl den Bäcker verdrängt, grinst er dazu. Aber nicht, dass ihn das davon abhält, diese Plastikzöpfe aus dem Regal zu kaufen. Im Gegenteil: Seinen neuen Lieblingshefezopf hat er hier gefunden. Der sei so goldgelb und butterweich, ach und die leckeren Rosinen Ich gebe mein Bestes und weise diesen Genießer darauf hin, dass es doch zwischen Mami und Discounter noch eine weitere Möglichkeit gäbe: die klassische Bäckerei nämlich. Warum hat er die, weg von Muttern, einfach übersprungen?
Auf einen Schlag ist die ganze Träumerei vorbei, mit nüchternem Blick verrät er mir auch den Grund: „Bäcker schaffen das mit dem Zopf nicht! Alle, die ich dort versucht habe, sind nicht weich, wirken alt und schmecken fad! Die kann man nicht kaufen!“ So gesehen kann es wohl nicht schaden, sich mit seinem Sortiment von Zeit zu Zeit zu vergleichen, ob man ganz ohne Chemie mit Mama oder dem Discounter tatsächlich noch mithalten kann!
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