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Meinung
Die Ernte ist eingefahren und die amtliche Schätzung verkündet hohe Erträge. Die Landwirte freuen sich aber nicht. Die Preise für die Erzeuger gehen zurück. Die Bauern stimmen ihr gewohntes und deshalb leider bisweilen auch überhörtes Klagelied an. Gut für die Bäcker? Grund zum Jubeln? Mitnichten. Für den begehrten Qualitätsweizen müssen die Bäcker wohl 2009 tiefer in die Tasche greifen und das kann 2010 noch dicker kommen:
Bereits jetzt verweisen Kenner des Marktes darauf, dass große landwirtschaftliche Unternehmen statt Weizen oder Roggen Klee oder sonstiges Grünzeug anpflanzen wollen, denn die erzielten Preise decken nicht einmal die Kosten. So jedenfalls die Aussage aus berufenem Munde. Betriebswirtschaftlich auf den ersten Blick verständlich. Doch die Crux an der Geschichte, folgt auf dem Fuße: In zwei Jahren wird heimisches Getreide wieder knapp: Die Bäcker werden wohl abermals höhere Preise zahlen müssen und noch deutlich höhere, wenn die Spekulanten die Speicher voll, aber die Tore geschlossen halten. Ähnlich wie beim Ölhahn funktioniert das. Aber nur ähnlich.
Alle Erzeuger und Produzenten – ob von Getreide oder von Brot – sitzen letztlich in einem Boot, stehen in einem wirklich absurden Dilemma, nämlich dass sich die Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft gelöst hat: Börsen, auch die Rohstoffbörsen, führen weitgehend ein Eigenleben nach eigenen Spielregeln, haben sich weitgehend von den Tatsachen auf den Feldern abgekoppelt.
Mal mögen sich die einen, mal die anderen als Gewinner fühlen – letztlich sind Bauern und Bäcker aber beide nur Marionetten in einem absurden Schauspiel moderner Marktwirtschaft, die sicher eine Neuordnung ihrer global geltenden Spielregeln braucht.
