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Verbraucher wollen mehr Durchblick bei Zutaten

Bei besonders gesund klingenden Namen – wie Fitmacherbrot – schätzen Kunden die Brote gesünder ein als vergleichbare Gebäcke. (Quelle: Fotolia/ArkadiuszFajer)+
Bei besonders gesund klingenden Namen – wie Fitmacherbrot – schätzen Kunden die Brote gesünder ein als vergleichbare Gebäcke. (Quelle: Fotolia/ArkadiuszFajer)

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Verbraucherzentralen und der Verein Die Freien Bäcker fordern nach Veröffentlichung einer Studie Vollkennzeichnung von losen Backwaren

Kunden einer Bäckerei schätzen Brot und Brötchen, die einen besonders gesund klingenden Namen tragen, auch als besonders gesund ein – ohne jedoch die zu kennen.

Dies zeigt eine repräsentative Umfrage von Lebensmittelklarheit, einem Projekt des Bundesverbands (vzbv) und der Verbraucherzentralen, anlässlich der Internationalen Grünen Woche.

Die Verbraucherzentralen fordern, bei den Kennzeichnungsvorgaben von Brot und Brötchen nachzubessern und Verbrauchern so zu einer selbstbestimmten Einkaufsentscheidung zu verhelfen.

Die Bezeichnung

macht den Unterschied

„Verbraucher erwarten, dass sie sich auch beim Brotkauf darauf verlassen können, dass drin ist, was draufsteht“, sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv. „Hinter gesund klingenden Fantasienamen von losen Backwaren stehen jedoch nicht zwangsläufig gesunde Produkte.“

57 Prozent der Verbraucher schätzen ein „Fitmacherbrot“ und 56 Prozent ein „Sportlerbrot“ gesünder ein als ein Weizenmischbrot (knapp 40 Prozent) – ohne dass konkrete Anforderungen an die Verwendung dieser Namen geknüpft sind. Das ist das Ergebnis einer repräsentative Befragung im Auftrag von Lebensmittelklarheit.

Ballaststoffquelle, Eiweiß-Brot, Low(er)-Carb: Brote werden mit nährwertbezogenen Aussagen (Claims) beworben. Begriffe wie „Ballaststoffquelle“ und „eiweißreich“ seien zwar rechtlich geschützt und erforderten die Einhaltung bestimmter Mindestmengen dieser Inhaltsstoffe.

„Auch ein Eiweißbrot

kann eine Kalorienbombe sein“

Doch würden Verbraucher von der Hervorhebung einzelner Nährstoffe auf den Gesundheitswert des gesamten Produkts schließen. „Auch ein Eiweiß-brot kann eine Kalorienbombe sein“, so Müller.

Je nach Claim schätzen 56 bis 70 Prozent der Befragten den Gesundheitswert der Brote positiv ein. Zwischen 40 und 55 Prozent unterschätzen jedoch deren Fett- und Kaloriengehalt.

Verbraucher sind laut Umfrage mit der Kennzeichnung loser Backwaren unzufrieden. Weniger als fünf Prozent finden die übliche Kennzeichnung ausreichend, nur 16 Prozent meinen, die Zutaten von Brot und Brötchen gut erkennen zu können.

Schilder in der

Verkaufstheke

Zwei Drittel der Verbraucher sprechen sich für eine Kennzeichnung mit Nährwerttabelle aus, 53 Prozent wollen außerdem eine Zutatenliste. Dem anderen Drittel genügen weniger Angaben, knapp 14 Prozent plädieren aber ebenfalls für eine Zutatenliste.

Die Informationen sollen im Geschäft selbst bereitgestellt werden, 60 Prozent favorisieren eine Kennzeichnung mit Schildern direkt in der Verkaufstheke.

Freie Bäcker setzen

sich für Volldeklaration ein

„Dass Verbraucher mit der Kennzeichnung loser Backwaren unzufrieden sind, kann ich gut verstehen“, meint André Heuck, Vorstand des unabhängigen Berufsverbands . Der Bäckermeister mit Betrieben in Bobingen und Augsburg tritt ebenso wie seine Berufskollegen aus dem Verein für eine Volldeklaration ein.

Heuck: „Kunden sollen jederzeit die Möglichkeit haben, sich über die Zutaten sowie mögliche Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe zu informieren. Egal, ob ein Lebensmittel verpackt oder unverpackt ist.“

Die Verbraucherzentralen fordern konkret, die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuchs zügig um wichtige Trendbrotarten zu erweitern.

Müller: „Hersteller sollten sich für Brot und Brötchen nicht mehr Fantasienamen ausdenken können, die beispielsweise ähnlich wie ,Vollkorn‘ klingen. Wenn sie es doch tun, müssen diese auch ähnliche Zutatenanforderungen erfüllen.“

Die Umfrage zeige, wie groß der Wunsch von Verbrauchern nach einer Zutatenkennzeichnung ist. „Der vzbv fordert eine Vollkennzeichnung, wie sie für verpackte Backwaren vorgeschrieben ist“, ergänzt Müller. Dies stärke das traditionelle Bäckerhandwerk.

Zentralverband soll

Software entwickeln

Zur Unterstützung der Betriebe, die Probleme mit der Umsetzung einer Volldeklaration haben, könne der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks eine praxisnahe Software entwickeln lassen und seinen Mitgliedern zur Verfügung stellen, meinen Die Freien Bäcker.

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