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Umsatz kommt langsam in Fahrt

Die Bäckerei Hesse macht seit Jahren exzellente Werbung und
Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehört auch, dass tolle Produkt- und
Mitarbeiterfotos buchstäblich auf den Weg gebracht werden.  (Quelle: Hesse)+
Die Bäckerei Hesse macht seit Jahren exzellente Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehört auch, dass tolle Produkt- und Mitarbeiterfotos buchstäblich auf den Weg gebracht werden. (Quelle: Hesse)

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Mehr Betriebe rechnen mit mehr Umsatz / Werbung und Imagearbeit mit Potenzial

Nach zähem Start ins Jahr 2013 hat sich das Bäckerhandwerk offenbar wieder gefangen. Sowohl der , als auch die Investitionsneigung haben im vergangenen Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum und auch im Vergleich mit den ersten Monaten des Jahres zugelegt. So jedenfalls das Ergebnis unseres aktuellen ABZ-Monitors, einer repräsentativen Online-Umfrage in Bäckereien aller Umsatzklassen und in allen Regionen Deutschlands. „Seit Ende Mai läuft es wieder besser“, bestätigt Heinz Essel, der Geschäftsführer der Bäcker- und Konditorenvereinigung (BKV) Nord, stellvertretend für viele Kollegen die Ergebnisse unserer Umfrage, die vom Marktforschungsunternehmen Business Target Group (BTG) durchgeführt wird. „Trotz rückläufiger Konjunktur- und Einkommenserwartungen bleibt die Konsumlaune der Bundesbürger auch im August ungebrochen“, besagt der Befund der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Auch die Konjunkturerwartung sei nach Erhebungen der Marktforscher nach wie vor positiv. Davon hat sicher auch das Bäckerhandwerk profitiert.

Solide Umsatzentwicklung

„Die Konjunkturlage ist nicht bäckerfeindlich. Wir haben es mit einer funktionierenden Kaufkraft zu tun“, zeigt auch Wolfgang Filter auf, dass die gesamtwirtschaftliche Situation die nicht ausbremst. Wobei es natürlich Betriebe gebe, die aus vielfältigen Gründen in Schieflage seien, macht der Geschäftsführer des Landesinnungsverbands Bayern deutlich, dass die Entwicklung im Bäckerhandwerk recht uneinheitlich ist.

„Insgesamt haben wir eine stabile und solide Umsatzentwicklung, mit leichten Zuwächsen, so das Resümee von Peter Becker mit Blick auf die vergangenen Monate. Die Umfrageergebnisse des ABZ-Monitor bestätigen die Erkenntnisse des Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks: Immerhin 63,3 Prozent der befragten Betriebe melden gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Umsatzplus. In unserer Aprilumfrage waren das nur 48,3 Prozent (siehe Grafik auf dieser Seite). Folgerichtig haben auch weniger Unternehmen ein Umsatzminus gemeldet (20,5 % gegenüber 32,2 %). Zugelegt haben dieses Mal vor allem Unternehmen mit mehr als fünf Geschäften. 70 Prozent der befragten Unternehmen mit 7 bis 15 Geschäften haben ein Umsatzplus generiert. „Für uns ist es gut gelaufen. Wir sind saisonbedingt mit der Geschäftsentwicklung zufrieden“, freut sich Josef Baader. Der Unternehmer aus Frickingen unweit des Bodensees steht damit stellvertretend für seine erfolgreichen Kollegen in dieser Betriebsgrößenklasse.

Bei den Betrieben mit 16 bis 25 Geschäften hat sich der Wert übrigens mit 80 Prozent seit unserer Umfrage im April fast verdoppelt. Mögliche Erklärung: Es sind wieder mehr Bäcker in Sachen Vorkasse mit dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) handelseinig geworden. Die geforderte Umsatzpacht sinkt tendenziell – der LEH ist etwas zugänglicher. „Es ist viel Unruhe am Markt“, gibt Heinz Essel zu bedenken. Denn Lidl zieht sein Konzept gnadenlos durch. Bäcker werden, wenn überhaupt, nur noch auf dem Parkplatz in Pavillons geduldet. Ansonsten will Lidl das Geschäft selber machen – und Backwaren als Frequenzbringer nutzen. „Das sind Umsätze, die uns fehlen“, so Essel. Auf der andern Seite gebe es Bäckern auch die Möglichkeit, sich von schwachen Standorten zu verabschieden und sich zu konsolidieren. Und was Lidl betrifft, erwartet der Branchenkenner, dass bis Ende des Jahres der Umwandlungsprozess Richtung Backwaren abgeschlossen sein dürfte.

Erwartung gestiegen

Auch bei der Umsatzerwartung erleben wir einen erfreulichen Aufwärtstrend. Von 1 bis über 25 Geschäften, die Unternehmen in allen Betriebsgrößenklasse gehen durchschnittlich von einem Umsatzplus aus. In der Summe rechnen 60 Prozent der Unternehmen damit, dass sie mittelfristig mehr Umsatz machen. Der Wert fürs 1. Quartal: 44 Prozent. Und auch in diesem Bereich haben die Betriebe zwischen 16 und 25 aktuell die Nase vorne. 93,3 Prozent der befragten Bäckereien gehen von einem künftigen Umsatzplus aus (siehe Grafik auf anderer Seite). In unserer Aprilumfrage waren das „nur“ 50 Prozent. Aber auch die 70,6 Prozent der Betriebe mit 7 bis 15 Geschäften, die mit mehr Umsatz rechnen, können sich sehen lassen.

Kerngeschäft wieder im Blick

Vor allem in den Bereichen Snacks (71 %), Heißgetränke (66,4 %) und im Liefergeschäft 32 %) sehen die Kollegen noch beziehungsweise wieder Potenzial. Höchst erfreulich ist, dass auch Brötchen (31 %), Brote (25 %) und die Feinbackwaren (40 %) verstärkt in den geraten. Offenbar nutzen immer mehr Kollegen die Chance, mit hochwertigen Produkten verstärkt im Kerngeschäft zu punkten. Auch weil es ihnen gelingt, die Synergieeffekte mit Snacks und Kaffee zu realisieren. Dem Zusammenspiel sollte man sich vielleicht mit noch mehr Hingabe widmen. Zumal die Margen in den einzelnen Bereichen richtig Spaß machen können.

Weniger unterhaltsam ist das, was sich auf der Kostenseite tut. „Zwar hat sich die Rohstofffront etwas beruhigt. Aber was sich im Energiebereich abspielt, das trifft uns hart. Und die aktuellen Lohnabschlüsse sorgen keineswegs für Entspannung“, fasst Peter Becker die Situation zusammen. Folglich haben diese Bereiche die höchsten Steigerungsquoten: Laut Umfrage gehen 50,7 Prozent der Kostensteigerungen aus den vergangenen drei Monaten auf das Konto der Personalkosten, 34,7 Prozent sind demnach der Energie zuzurechen (siehe Grafik auf anderer Seite). Die leichte Entspannung bei den Rohstoffen ist durch einen Rückgang des Wertes von 20 Prozent im April auf jetzt 10 Prozent dokumentiert. Wobei sich je nach Ernteaufkommen schnell Schwankungen ergeben können und Saaten eh streng nach oben tendieren. Hier müssen Bäcker reagieren, damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Aber gerade bei den Rohstoffen und beim Personal sollte nicht zu sehr gespart werden. Schließlich geht es mehr den je darum, sich mit Qualitätsprodukten zu profilieren. Bleiben sinnvolle Rationalisierung, Ablaufoptimierung und mehr denn je Maßnahmen zur Energieeinsparung.

Ein Thema, das vor allem bei Investitionen zum Tragen kommen sollte. Übrigens: 75 Prozent der Kollegen haben angegeben, in den nächsten sechs Monaten investieren zu wollen. Läden und Fortbildung stehen dabei an vorderster Front. „Die Investitionsbereitschaft hat sich auf einem vernünftigen Level eingependelt. Viele Kollegen achten bewusst darauf, dass es zu keinem Investitionsstau kommt“, so die Einschätzung von Heinz Essel.

Ins Image investieren

Immer mehr Bäcker investieren auch in Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. 50 Prozent setzen auf regelmäßige Werbemaßnahmen (siehe Grafik auf Seite 1). Bei Unternehmen mit über 2 Mio. Euro Jahresumsatz liegt der Wert bei 60 Prozent. Image und Öffentlichkeit wird von 44,3 Prozent regelmäßig betrieben (siehe Grafiken auf diesen Seiten). Auch hier liegen die größeren Betriebe mit 55 Prozent vorne.

„Da muss noch mehr investiert werden“, betont Heinz Essel vor allem mit Blick auf die kleinen Unternehmen und das Image. „Wir müssen unsere Alleinstellungsmerkmale noch stärker herausstellen“, pflichtet ihm Peter Becker bei. „Das ist eine Spielwiese, die wir noch stärker nutzen sollten.“ Kollegen wie Reinhard Hesse (Kirchhundem im Sauerland) machten diesbezüglich seit Jahren exzellente Arbeit. Klar gibt es das nicht umsonst. Bei Hesse werde etwas über 1 Prozent des Umsatzes in Werbung und Öffentlichkeitsarbeit investiert — wobei viel in Eigenregie gemacht wird. Beim Backhaus Schröer (Wiesbaden) gehen gar 2 Prozent des Umsatzes in Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. „Eine hohe Quote, aber bei uns geht die Rechnung auf“, versichert Hans-Hermann Schröer.

Auch Josef Baader hat die Zeichen der Zeit erkannt. Betriebsführungen, Pressearbeit im Zusammenhang regionalen Anlässen, Regionalmarketing, aber auch in Sachen neue Medien ist er aktiv. Unter anderem nutzt er die Image- und Nachwuchskampagne der Werbegemeinschaft des Deutschen Bäckerhandwerks. „Aber man könnte und sollte noch mehr machen“, spricht er für sich und die Mehrheit seiner Kollegen.


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