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Trockenheit bringt auch Preise ins Schwitzen

Die Hitzewelle hat die Ackerböden ausgetrocknet. (Quelle: Fotolia/Steve)+
Die Hitzewelle hat die Ackerböden ausgetrocknet. (Quelle: Fotolia/Steve)

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Experten rechnen nicht nur beim Getreide mit einem Anstieg der Rohstoffpreise – wie hoch die ausfallen werden, ist allerdings noch unklar

Von Martin Blath

Zur Beantwortung einer Frage, die derzeit das Bäckerhandwerk, aber auch andere Marktteilnehmer sowie viele Verbraucher beschäftigt, bedürfte es einer Glaskugel: Wird der für die in einigen Regionen Deutschlands dramatisch verlaufene Sommer zu einer Preiserhöhung von Backwaren führen?

Fest steht bisher nur das gesamte Ausmaß der teilweise seit April vorherrschenden . Laut der jüngsten Ernteprognose des Deutschen Bauernverbands (DBV) vom 1. August ist jetzt nur noch eine Erntemenge von rund 36 Millionen Tonnen (statt der bis dahin geschätzten 41 Millionen Tonnen) zu erwarten.

Schapfenmühle erwartet

Auswirkungen für die Märkte

Doch was bedeutet das für die Preisentwicklung für Weizen, Roggen und Raps? Wer hier auf einheitliche Ansagen aus der Branche wartet, wird schnell eines Besseren belehrt. So möchte zum Beispiel eines der größten deutschen Mühlenunternehmen diese Frage der ABZ mit Blick auf die „volatilen Märkte“ nicht beantworten.

„Selbstverständlich zeigen die Preise nach oben“, sagt hingegen . Für den Geschäftsführer der Ulmer Schapfenmühle steht fest, dass die „dramatische Ernte nicht spurlos an den Märkten vorbeigehen wird.“ Zunächst müsse jedoch die tatsächliche Erntemenge abgewartet werden.

Auf eine Prognose, in welcher Höhe die Kosten steigen könnten, möchte sich Seibold nicht festlegen, sieht aber zumindest keinen Trend hin zu einem mittel- oder längerfristigen Preisanstieg für Getreide: „Wenn es in den kommenden zwei Jahren wieder zu einer normalen Ernte kommt, wird auch der Preis wieder nach unten gehen.“

Prognose: Landwirte

lagern gute Ware ein

Ebenso wie Ralph Seibold plädiert auch der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Mühlen (VDM), Peter Haarbeck, dafür, zunächst das tatsächliche Ergebnis der Ernte 2018 genau unter die Lupe zu nehmen: „Die Landwirte müssen erst einmal die Menge, aber auch die Qualität des Getreides sichten.“

Zu erwarten ist seinen Worten zufolge jedoch, dass die Bauern die gute Ware vorerst einlagern, also keine große Bereitschaft zum Verkauf zeigen werden. „Die Betriebe warten verständlicherweise ab und schauen in Richtung Preisanstieg“, gibt Haarbeck zu bedenken.

Dieser Umstand, aber auch die regional stark unterschiedlichen Ernteerträge sowie vor allem das Geschehen an den Warenterminbörsen ließen konkrete Prognosen hinsichtlich der Preisentwicklung nicht zu. Maßgeblich für den internationalen Getreidepreis, erläutert der VDM-Geschäftsführer, ist die Pariser Börse Matif.

Deutsche Preise

werden in Paris gemacht

Dort sei der Preis für eine Tonne Weizen innerhalb der vergangenen zwölf Monate von 155 auf 215 Euro gestiegen. „Das ist der Referenzpreis und damit die Grundlage für die Preisgestaltung in Deutschland“, betont Peter Haarbeck. Und daran ändere auch die Tatsache nichts, dass die deutschen Mühlen ihr Getreide zu 95 Prozent auf dem heimischen Markt einkauften.

„Natürlich sind die Preise an den Getreidebörsen gestiegen, aber wir sind immer noch weit entfernt von denen aus den Jahren 2007/2008“, sagt der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands (DBV), Bernhard Krüsken. Inwiefern diese Entwicklung die Bezugskosten für die Backbranche präge, hänge von den Mühlen ab: „Was die damit machen, weiß ich nicht.“

„Sicher ist nur, dass es

keine Preissenkung geben wird“

Die größten Probleme mit der Dürre haben Krüsken zufolge die Milchbauern und Rinderzüchter, „die gerade ihre Wintervorräte verfüttern oder die Tiere vorzeitig zum Schlachter schicken. Die sind am meisten geschlagen“. Eine Prognose hinsichtlich der Preisentwicklung sei noch nicht möglich. „Um es mal vorsichtig zu formulieren“, so der DBV-Generalsekretär, „sicher ist nur, dass es keine Preissenkung geben wird.“

Nach Angaben des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV) wird die diesjährige Ernte zum schlechtesten Ertrag seit 1994 führen. „Die enttäuschende Ernte und das erwartete unterdurchschnittliche Ergebnis in Europa haben zu ansteigenden Notierungen an den Warenterminbörsen sowie am Kassamarkt geführt“, sagt DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler.

Schwacher Ertrag

ist keine Überraschung

Mit Blick auf das Gesetz von Angebot und Nachfrage sei der Preisanstieg eine „völlig normale Entwicklung“, die für die Getreidewirtschaft ebenso wenig überraschend gekommen sei wie der schwache Ertrag, sagt Seedler. „Welcher maximale Preis erreicht wird, kann derzeit nicht abgeschätzt werden.“

Bei weiteren für das Bäckerhandwerk relevanten Rohstoffen wie Milchprodukten, Obst oder Öl sind eventuelle Preissteigerungen seinen Worten zufolge ebenfalls nicht zu quantifizieren. Darüber hinaus betrage der prozentuale Anteil der Rohstoffkosten an den Gesamtkosten der Backwaren nur wenige Prozent. Seedler: „Insofern dürften Brot und Brötchen nicht wesentlich teurer werden.“

Bäcker gibt höhere

Preise an die Kunden weiter

Und was sagen die Betriebe? Für Tobias Exner, der im Großraum Potsdam 36 Filialen betreibt, steht fest, dass er Preiserhöhungen an die Kunden weitergibt. „Bei den niedrigen Margen kann ich unmöglich darauf verzichten.“ Zurzeit sei das Thema aber noch nicht aktuell – sein Kontrakt mit den Mehllieferanten läuft bis zum Jahresende.

Christian Fries hat noch keine Informationen über Steigerungen des Getreidepreise. Der Inhaber der Schweriner Mühlenbäckerei betreibt vier Standorte und beliefert mehr als 100 Bio- und Naturkostläden in Mecklenburg-Vorpommern.

Kunden gezielt

informieren

Für den Demeter-Bäcker hängt eine Weitergabe an die Kunden von der Höhe ab: „Bei zehn Prozent und mehr würden wir sofort reagieren“, sagt Fries. Er würde die Kunden gezielt informieren – zum Beispiel mit Handzetteln in der Brötchentüte.

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