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Die Berichte über Überfälle auf Bäckereien häufen sich. Tag für Tag liest oder hört man von Räubern, die Verkäuferinnen zwingen, die Kasse zu öffnen. Die Täter drohen mit dem Messer oder der Pistole, manchmal bleibt es nicht bei der Drohung. Wie gefährlich ist der Job hinter der Ladentheke?

Gemessen an der Zahl der Straftaten in Deutschland ist das Risiko eines Überfalls winzig. Sechs Millionen Delikte haben die Landeskriminalämter im vergangenen Jahr registriert. Weniger als 0,1 Prozent machen Raubüberfälle auf Geschäfte aus. Und nur ein Bruchteil davon betrifft Bäckereien. Dennoch, die Gefahr sollte man nicht unterschätzen.

300 Banken und Sparkassen werden jedes Jahr ausgeraubt. Die Zahl der überfallenen Bäckereien dürfte deutlich höher sein – wie viele es genau sind, weiß niemand. Anders als in Bankfilialen haben Kriminelle im Handwerk meist Opfer vor sich, die nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Mitarbeiter an sensiblen Stellen in Geldhäusern sind von Profis geschult, sie kennen die Verhaltensregeln. Verkäuferinnen in Bäckereien haben nur ihr Bauchgefühl. In der Berufsschule und auch danach erfahren die meisten so gut wie nichts über die Risiken und darüber, wie man damit umgeht. Das führt zum Beispiel dazu, dass Verkäuferinnen allen Mut zusammennehmen und versuchen, Kriminelle in die Flucht zu schlagen. Das kann gut gehen – aber auch nicht. Die Polizei rät immer wieder davon ab, Widerstand zu leisten.

Es ist höchste Zeit, Überfälle in der Ausbildung des Handwerks zu thematisieren. Gefordert sind auch die Unternehmer. Sie sollten das Mögliche tun, um Räuber abzuschrecken. Es gibt eine Vielzahl an technischen Lösungen. Egal welche, wichtig ist nicht zuletzt, dass sich die Mitarbeiter sicher fühlen. Sie sollten nicht mit der Angst ins Geschäft kommen, dass die Theke zum Tatort wird.

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