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Wer Gutes tut, geht ein Risiko ein. Das sollte jedem bewusst sein, der Brot oder andere Backwaren an eine Lebensmitteltafel spendet, ohne dafür Umsatzsteuer an das Finanzamt zu entrichten. Sieben Prozent, den ermäßigten Satz, verlangt der Fiskus. Und er stützt sich dabei nicht auf ein neues bürokratisches Konstrukt. Sondern Grundlage ist ein viele Jahre alter Paragraph im Umsatzsteuergesetz. Dass diesen im Handwerk – selbst in Expertenkreisen – nur wenige wirklich kennen, ist mehr als verwunderlich.

Der Paragraph definiert, unter welchen Umständen eine Sachzuwendung einer „Lieferung gegen Entgelt“ juristisch gleichgestellt ist. Er ist so abgefasst, dass es in der Praxis so gut wie keinen Umstand gibt, der Bäcker, die immer wieder mal Brot an Bedürftige verschenken, von der Steuerpflicht befreit. Anders gesagt: Von den rund 14.000 backenden Wohltätern in Deutschland sind ein Großteil notorische Steuersünder. Und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die Finanzbehörden bei Betriebsprüfungen genauer hinsehen.

Ob ein Bäcker an Tafeln spendet, lässt sich feststellen. Sei es anhand von Spendenquittungen, sei es durch Überprüfung der Warenströme, sei es durch Nachfrage bei der örtlichen Tafel. Die Beweisführung ist schwierig. Doch die Argumentation des Gesetzgebers ist klar. Der Bäcker hat auf der einen Seite die Vorsteuer abgezogen; also ist es nur rechtens, wenn er auf der anderen Seite Umsatzsteuer auf der Basis der Selbstkosten abführt, heißt es. Das Bundesfinanzministerium spricht von einem steuerlich „quasi neutralen Vorgang“.

Nicht mehr neutral in diesem Sinne verhalten sich Bäcker, die statt an Tafeln zu liefern Brot vom Vortag entsorgen. Im Klartext: Wer wegwirft, wird steuerlich besser gestellt, als jemand, der Menschen hilft, die Hunger haben. Mehr Wertschätzung für Lebensmittel erreicht man so gewiss nicht.

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