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Staatsanwälte rekonstruieren Schmuddel-Puzzle

Außen hui, innen pfui: Wegen eklatanter hygienischer Missstände steht die Produktion von Müller-Brot still. +
Außen hui, innen pfui: Wegen eklatanter hygienischer Missstände steht die Produktion von Müller-Brot still.

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Müller-Brot

Seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Verantwortliche der Münchner Großbäckerei. Mauern Müllers Mitarbeiter?

Zweieinhalb Jahre, mindestens, so lange stinkt die Sache bereits zum Himmel. Und seit Sommer 2010 haben Lebensmittelkontrolleure in der Zentrale der Großbäckerei in Neufahrn hygienische Verhältnisse vorgefunden, die jeder Beschreibung spotten. Von Mäusen, Schaben, Käfern und Motten ist die Rede. Mehrmals verhängten die Behörden ein Bußgeld – zweimal den Höchstsatz von 25.000 Euro – gegen Müller-Brot. Mehrmals mussten Backwaren zurückgerufen werden. Mehrmals sperrten sie Teile der Produktion. Seit Mitte vergangener Woche steht der Betrieb still.

Fragt sich, wer ist schuld an den hygienischen Missständen? Die Antwort sucht die Staatsanwaltschaft Landshut. Im Mai 2011 haben die Lebensmittelkontrolleure des Landratsamtes die Staatsanwälte eingeschaltet. Sie erwirkte einen Durchsuchungsbeschluss und filzte im Juli das Unternehmen. Kurze Zeit später sahen sich die Lebensmittelkontrolleure erneut bei Müller-Brot um. Und die hygienischen Zustände veranlassten die Kontrolleure, wieder die Staatsanwaltschaft zu alarmieren. Folge: „Wir haben unsere Ermittlungen ausgeweitet“, sagt Oberstaatsanwalt Georg Freutsmiedl.

Obgleich die Beamten seit Monaten die beschlagnahmten Unterlagen durchforsten und Zeugen befragen, ist offen, ob es zum Prozess kommt. Es sei „sehr schwierig herauszufinden“, wer wann für was verantwortlich war, sagt Freutsmiedl über die Putz- und Hygiene-Situation in der Großbäckerei. Geschäftsführer und andere Verantwortliche seien ausgetauscht worden. Und: „Viele Leute wollen nicht aussagen“, berichtet der Oberstaatsanwalt in Landshut.

Derzeit erstreckten sich die Ermittlungen auf Geschäftsführer, Betriebs- und Produktionsleiter. Sie stehen im Verdacht, in Verkehr gebracht zu haben, die nicht zum Verzehr geeignet sind. Wie schwer der Fall aus juristischer Sicht wiegt, bleibt abzuwarten. Die Branche könnte er massiv belasten. „Einen Fall in dieser Kategorie gab es bisher noch nicht“, sagt Armin Juncker vom Verband Deutscher Großbäckereien. Der hat Juncker und seine Verbandskollegen offenbar völlig überrascht: „Wir haben hier nichts geahnt.“ Und er ist ihnen unerklärlich. Juncker: „Die Beachtung von Lebensmittelvorschriften ist doch lebenswichtig für Betriebe.“ Niemand könne am Markt bestehen mit schlechten Hygiene-Standards – „schon gar nicht, wenn man Großkunden beliefert.“ Zwei aktuelle Beispiele unterstreichen das. hat dieser Tage den Großbäcker von der Lieferantenliste gestrichen, Tengelmann denkt darüber nach.

Ein unmissverständliches Signal kommt auch von der Münchner Hofpfisterei. „Wir sind von Müller-Brot getäuscht worden“, sagt Unternehmenssprecher Friedbert Förster. Vergangene Woche lieferte die Bio-Bäckerei Brot an Müller-Filialen, damit zumindest dort der Betrieb weitergehen konnte. „Für uns ist es selbstverständlich, dass man Kollegen in einer Notlage hilft. Von Müller-Brot habe man die Information erhalten, dass die Produktion wegen eines Brandes unterbrochen worden sei“, sagt Förster. Dabei: „Der Brand des Schaltkasten liegt schon länger zurück.“

Wie kann es sein, dass sich Mäuse und anderes Getier so zahlreich in einer Bäckerei tummeln? „Das Problem kommt nicht von heute auf morgen. Man bekommt es nur in den Griff, wenn man permanent etwas unternimmt“, erklärt ein Branchenkenner. sei eine komplexe Angelegenheit. Viele Großbetriebe hätten deshalb ein Hygiene-Management aufgebaut und ließen regelmäßig externe Qualitätskontrollen durchführen.

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