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Spritzen schmerzt Bäcker

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Glyphosat

Experten warnen vor einem Pflanzenschutzmittel, das in Mehlen auftaucht. Ein Mittel, dass viele Bauern jetzt vor der Ernte verspritzen.

München Machen Brötchen krank? Glaubt man Experten, dann verarbeiten viele Bäcker Mehle, die ein extrem aggressives Pflanzengift enthalten. Dessen Name: Glyphosat. Im Gegensatz zu anderen Pestiziden lagert es sich nicht außen auf Getreide an, sondern: „Es durchdringt die ganze Pflanze und wirkt von innen heraus“, sagt Anja Sobczak. In frisch geerntetem Weizen oder Roggen könne das Pestizid stark angereicht sein, zumal es sich nur langsam abbaue, erklärt die Landwirtschaftsreferentin des Umweltinstituts in München.

Wie gefährlich ist Glyphosat? "Tierversuche deuten auf erhebliches Gefährdungspotenzial hin, sagt Sobczak. Es gebe Hinweise auf erhöhte Krebsraten, Missbildung und Fehlgeburten im Zusammenhang mit dem Pestizid.

Dass Glyphosat von Menschen aufgenommen wird, die keinen direkten Kontakt zur Landwirtschaft haben, zeige eine aktuelle Studie der Universität Leipzig. Die Forscher haben Urinproben untersucht und in "allen Proben" den Wirkstoff nachgewiesen. "Die mögliche Kontaminationsquelle können eigentlich nur Lebensmittel sein." Neben Backwaren müsse man Zitrus-, Dauerfrüchte und Wein in Betracht ziehen.

Was die Umweltexpertin wütend macht: Trotz seiner Toxizität sprühen landauf, landab Bauern glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel auf ihre Felder. So zum Beispiel das Erzeugnis Roundup von Monsanto. Nach wie vor werben Anbieter wie der US-Konzern damit, dass von Glyphosat keine Gefahren ausgehen, sagt Sobczak. Landwirte wüssten oft nicht, worauf sie sich einlassen.

Kaum zu glauben, während der Gesetzgeber für Erzeugnisse wie etwa Trockenlinsen einen Grenzwert von 0,1 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm vorschreibt, erlaubt er für Weizen oder Roggen die hundertfache Konzentration. „Wie kann das sein? Getreideprodukte werden doch öfter verzehrt als Linsen“, wundert sich Sobzcak. Ein Problem in der Praxis: Nur wenige Labors in Deutschland seien überhaupt in der Lage, Glyphosat nachzuweisen. „Die Analysetechnik ist kompliziert.“ Wie oft wird Getreide untersucht? „Zwischen 2002 und 2010 sind deutschlandweit ganze 42 Proben analysiert worden“, berichtet die Mitarbeiterin des Umweltinstituts.

Gerade jetzt, da die Ernte ansteht, würden wieder massiv Pestizide ausgebracht. Das Umweltinstitut und auch anderen Experten raten Verbrauchern, nur Brot zu kaufen, das aus Getreide ohne „Vorernte-Spritzung“ hergestellt wurde. Bäcker, so Sobczak, sollten an Lieferanten appellieren, auf glyphosathaltige Pestzide ganz zu verzichten. „Es geht auch ohne“, betont sie. Auf der sicheren Seite seien Bäcker, die „das Getreide von Bio-Bauern beziehen“.

Kritik an den Aussagen des Münchner Umweltinstituts übt der Verband der Deutschen Mühlen. Es bestehe kein Grund zur Panikmache, sagt Verbandsgeschäftsführer Manfred Weizbauer  Alle dem Verband bisher "bekannt gewordenen Untersuchungsergebnisse" liegen um den "Faktor zehn bis 100 unter der zulässigen Höchstgrenze, bei Mahlerzeugnissen wegen des technologischen Verarbeitungsprozesses sogar an der Nachweisgrenze oder darunter", betont er.

Mehr lesen Sie hier: Brotgetreide belastet?

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