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Selbstbedienung in Bäckerei beschäftigt Justiz

Lohners Filiale in Bernkastel-Kues lädt zum kurzen Verweilen ein.
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Lohners Filiale in Bernkastel-Kues lädt zum kurzen Verweilen ein. (Quelle: Unternehmen)

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Bäckermeister Achim Lohner unterliegt im Rechtsstreit mit Stadt: Kunden müssen am Tisch bedient werden / Seltener Bebauungsplan

Der Groll schwingt in den Worten der beiden Streitparteien mit. Da ist auf der einen Seite Bäckermeister . Eine seiner mehr als 100 Filialen befindet sich am Marktplatz in der Altstadt von Bernkastel-Kues. Dort sind laut Bebauungsplan der Stadt nur Schank- und Speisewirtschaften aus dem Bereich der Full-Service-Gastronomie zulässig.

Das hat weitreichende Konsequenzen für Achim Lohner. In dieser Filiale dürfen seine Bäckereikunden nicht einfach einen Kaffee an der Theke ordern, bezahlen und sich dann mit der Tasse in der Hand zu einem der 26 Sitzplätze begeben. ist laut Bebauungsplan verboten. Lohner muss eine Bedienung am Tisch gewährleisten. Eine Forderung, die er nicht erfüllen möchte. Lohner führt an, dass in den Vorgesprächen mit der Stadt Bernkastel der Plan, ein Café mit Tischen und Stühlen einzurichten, mündlich bestätigt worden sei.

Kurzum: Lohner zieht vors Verwaltungsgericht Trier – und unterliegt. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Auseinandersetzung, die in Deutschland Seltenheitswert haben dürfte.

Bäckergastro ist in vielen Betrieben Standard. Ein belegtes Brötchen zum Mitnehmen oder zum direkten Verzehr in der Bäckerei, eine Tasse Kaffee zum kurzen Verweilen gehören in den meisten Bäckereien zum Alltagsgeschäft. Manche bieten ein paar Sitzplätze an, andere stellen zwei, drei Stehtische auf – je nach Platz und Bedarf.

Toiletten und Garderobe

Zurück nach Bernkastel-Kues. Dort verlangt der Bebauungsplan eine Full-Service-Gastronomie. Das heißt konkret: geschlossene und temperierte Räume, eine Bedienung der Gäste am Tisch, Sitzplätze entsprechend der Küchenkapazität, Toiletten, Garderobe, Parkplätze. Nicht erlaubt sind demnach Schank- und Speisewirtschaften aus dem Bereich der Quick-Service-Gastronomie. Diese ist gekennzeichnet durch eine Ausgabe des Essens über eine Theke und eine kurze Verweildauer der Gäste, keine Bedienung, keine Sitzplätze, keine Toiletten, kein Stellplatznachweis. Zur Quick-Service-Gastronomie gehören der klassische Imbiss, Snack- und Heißverkauf, Take-away, Coffee Bars und Coffee Shops, Fastfood-Gastronomie. Und eben Bäckereien wie Lohners Filiale, urteilt das Verwaltungsgericht.

Da hilft es Lohner nicht, dass er geschlossene und temperierte Räume hat, eine Garderobe und Toiletten und Stellplätze. Und es reicht nicht, dass er eine Betriebsbeschreibung vorlegt, die besagt: Das Bedienungspersonal könne sowohl an der Theke, der seitlich versetzten Kaffeemaschine, aber auch am Tisch die Gäste bedienen. Lohners Rechtsanwalt argumentiert weiter: Die Tatsache, dass die Gäste ihr benutztes Geschirr selbst auf ein Abräumregal stellen und damit selbst aktiv am Bedienungsgeschehen teilhaben, könne schlechterdings nicht dazu führen, dass der Betrieb zu der von der Stadt als nicht erwünscht angesehenen Quick-Service-Gastronomie gehöre.

„Wir wollen nicht Frittenbuden und Dönerladen an Dönerladen“, rechtfertigt Stadt-Bürgermeister Wolfgang Port die Festsetzung des Bebauungsplans. Die Stadt mit ihren 7000 bis 8000 Einwohnern freut sich über rund 1,5 Mio. Tagesgäste im Jahr, so Port. Eine Ansiedlung von Fastfood-Ketten in der historischen Altstadt sei unerwünscht. Dass dieses Ansinnen nun die Bäckerei am Marktplatz trifft, lässt Port unbeeindruckt. „Es tut mir für Herrn Lohner außerordentlich leid“, sagt er zwar, schiebt aber direkt hinterher: „Er unterscheidet sich von McDonald‘s mitnichten.“ Und Ausnahmen könne die Stadt nun mal nicht machen. Angst, dass der angesehene seine Filiale schließt, hat Port nicht. „Wenn Lohner rausgeht, habe ich morgen Ersatz.“

Höhere Preise

Über eine Schließung der Filiale denkt der Bäcker durchaus nach. Zudem kann er Berufung am Oberverwaltungsgericht einlegen. Rund 180.000 Euro hat er in das Café investiert. Von der Garderobe bis zu den Toiletten und den Parkplätzen erfüllt die Filiale alle Anforderungen an eine Full-Service-Gastronomie.

„Eine Bedienung, die an den Tisch kommt, ist mit höheren Preisen verbunden“, kommentiert Obermeister Frank Klein von der Bäckerinnung Rhein-Mosel-Eifel den Fall. Bäckereien mit kleinen Cafés seien darauf aus, diese kostengünstig zu betreiben, damit sie für den Bäcker und seine Mitarbeiter handelbar sind und weil die Kunden sie so annehmen.


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