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Schulnoten spielen kaum eine Rolle – aber soziale Intelligenz

Winfried Fletschinger, Verkaufs- und Ausbildungsleiter der K&U Stadtbäckerei – im K&U-Azubi-Trikot.+
Winfried Fletschinger, Verkaufs- und Ausbildungsleiter der K&U Stadtbäckerei – im K&U-Azubi-Trikot.

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Meinung

K&U begegnet Fachkräftemangel mit einzigartigem Ausbildungskonzept

Die K&U Bäckerei GmbH sorgt mit eigenen Berufsschulklassen für Aufsehen: ABZ-Redakteur Dieter Kauffmann sprach mit Winfried Fletschinger, Verkaufs- und Ausbildungsleiter, über das besondere Engagement und Ausbildungskonzept der K&U. ABZ: Wann und wie kam das Umdenken zum heutigen Engagement bei der Ausbildung?

Winfried Fletschinger: Durch die starke Expansion in den letzten 10 Jahren waren wir gezwungen, neue Mitarbeiter einzustellen und teilweise auch zu übernehmen. Es war schwierig, qualifiziertes Personal zu bekommen, da der Markt leer gefegt war. Deswegen kamen wir vor ca. 5 Jahren zu der Entscheidung, die Ausbildung zu intensivieren. Wir sind der Überzeugung, dass der demographische Wandel in den nächsten Jahren einen Fachkräftemangel mit sich bringt, der so noch nie da gewesen ist.

Wir denken, es ist unsere Pflicht, heute und morgen auszubilden, um übermorgen gute Mitarbeiter zu haben.

Deswegen haben wir in einer bundesweit einzigartigen Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Freiburg das Projekt „eigene Schulklassen“ in die Realität umgesetzt. Durch diese besondere Klassenstruktur konnte das Niveau der qualifizierten Ausbildung erheblich gesteigert werden. Als Folge davon wurde im November 2006 die erste K&U Azubifiliale eröffnet und das Kompetenzteam Ausbildung gegründet.

Schulnoten sind bei einer Bewerbung eher sekundär, Sie setzen auf einen Onlinetest.

Wieso das starke Vertrauen auf diese wissenschaftliche Analyse?

Fletschinger: Ja, die Schulnoten spielen bei K&U keine Rolle mehr bzw. nur noch eine untergeordnete Rolle. Getestet werden weiche Faktoren, wie Gewissenhaftigkeit, Motivation, Teamverhalten, Lernfähigkeit oder soziale Intelligenz aber auch die Arbeitsintelligenz. Schulnoten sind über verschiedene Bundesländer hinweg nicht vergleichbar, teilweise nicht einmal innerhalb einer Stadt. Bewerbungsunterlagen sind dank Literatur zum Bewerbungstraining und entsprechenden Formvorlagen weitgehend standardisiert und erlauben kaum Rückschlüsse auf die berufliche Eignung. Ziel eines guten Auswahlprozesses muss es daher sein, mit geeigneten Auswahlinstrumenten möglichst frühzeitig die interessanten Bewerber zu identifizieren. In der Praxis zeigt sich, seit wir diese Potenzialanalyse von Prof. Schuler benutzten, dass unsere Azubis besser werden. Sogar in den Schulnoten, obwohl dies kein Vorauswahlinstrument mehr ist.

Eigene Berufsschulklassen sind ein weiterer Baustein. Kommt diese auch beim Bäcker/Konditor zustande?

Fletschinger: Die eigenen Berufsschulklassen sind ein ganz wichtiger Baustein in unserem Konzept, da nur durch die Zusammenführung unserer Azubis und den vorhandenen Blockunterricht eine interne Ausbildungsergänzung möglich ist. Da wir zu viele Schulstandorte und somit zu unterschiedliche Schulzeiten hätten und wir die Azubis organisatorisch gar nicht für eine Zusammenkunft zusammen bringen würden. Dazu können die Lernfelder intensiver und besser bearbeitet werden. Es bilden sich Lerngemeinschaften, das „Wir“-Gefühl in den eigenen Klassen und im Wohnheim sind enorm.

Ihre Ausbildungsaktivitäten werden von den Kollegen aus dem Bäckerhandwerk auch kritisch beäugt.

Die Konkurrenz um gute Auszubildende wird dadurch verstärkt, weil sie gewissermaßen den „Rahm“ abschöpfen.

Fletschinger: Wenn unsere Bäckerkollegen befürchten, dass unsere Ausbildungsaktivitäten dazu führen, dass wir den „Rahm“ abschöpfen, dann erfüllt mich das zunächst einmal mit Stolz. Es zeigt doch, dass wir einiges richtig machen und das ganze auch beobachtet wird. Die Befürchtung ist jedoch unbegründet, da das Bäckerhandwerk insgesamt ein Imageproblem für junge und potenzielle Azubis hat. Dagegen müssen wir ankämpfen, denn diese Berufe können Spaß machen. Man kann sich verwirklichen und hat Entwicklungsmöglichkeiten. Unser Image müssen wir gemeinsam aufpolieren. Nicht groß gegen klein oder klein gegen groß – sondern Bäckerhandwerk mit Qualität gegen Billiganbieter.

Siehe Bericht Seite 22.

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