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Rechtzeitig Beratung in Anspruch nehmen

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INTERVIEW der woche

Vor gut zwei Jahren – im April 2005 – nahm Sven Bretschneider seine Arbeit als Betriebsberater des Landesinnungsverbandes Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen auf. Im Gespräch schildert der Dipl.-Betriebswirt der ABZ, welche Erfahrungen er in dieser Tätigkeit gesammelt hat.

ABZ: Haben Sie Ihre Entscheidung für den LIV Saxonia je bereut?

Sven Bretschneider: Auf keinen Fall. Meine Arbeit für den Landesinnungsverband hat mir vom ersten Tag an großen Spaß bereitet und sie tut das nach wie vor. Dabei war ich anfangs skeptisch, denn ich komme nicht aus der Bäckerbranche. Aber ich wurde mit offenen Armen empfangen. Inzwischen fühle ich mich in die Bäckerfamilie aufgenommen. Die Gespräche mit den Betriebsinhabern haben mir gezeigt, dass ich von den Meistern akzeptiert werde.

ABZ: Was tun Sie für die Innungsbetriebe?

Sven Bretschneider: Meine Tätigkeit ist in etwa so vielfältig wie das Sortiment der Backwaren in Sachsen. Ich unterstütze Existenzgründer, berate die Inhaber bestehender Betriebe, bin in sechs Erfa-Gruppen tätig und bemühe mich zudem, Betrieben in schwierigen Situationen zu helfen. Außerdem nehme ich an Innungsversammlungen teil, wo ich zum Beispiel das neue Programm bro:Tplus vorstelle. Selbst vor Gericht habe ich schon gestanden, um Innungsbetriebe bei Arbeitsrechtsstreitigkeiten zu vertreten. Darüber hinaus kennen mich viele Bäcker durch Seminare in der Bäckerfachschule.

ABZ: Was wollen die Betriebsinhaber von Ihnen wissen, worüber beraten Sie sie?

Sven Bretschneider: Zu den Leistungen der Betriebsberatung gehören unter anderem die Rentabilitätsberechnungen für Produkte und Filialen. Wenn ein Unternehmen statt nach Zahlen nach Gefühl geführt wird, kann die Rentabilität leiden. Nicht jeder Meister weiß, wo er Geld verdient und wo er möglicherweise Verluste einfährt – hier setze ich an. Außerdem unterstütze ich die Betriebsinhaber bei der Vorbereitung von Investitionen, rechne Finanzierungsvarianten durch und sitze auf Wunsch auch bei Bankgesprächen mit am Tisch.

ABZ: Was sagen die Vertreter der Banken dazu?

Sven Bretschneider: Die sehen das ausgesprochen positiv. Schließlich begleite ich den betreffenden Bäckermeister nicht nur zum Gespräch, sondern kümmere mich auch um die Vorbereitung der benötigten Unterlagen. Das erleichtert der Bankseite die Arbeit. Zudem wissen die Banker, dass das Konzept durch mich bereits auf seine betriebswirtschaftliche Tragfähigkeit hin geprüft wurde.

ABZ: Sie wurden ja auch schon als Testkäufer gesichtet.

Sven Bretschneider: Die Testeinkäufe sind eine Dienstleistung des LIV Saxonia für die Mitgliedsbetriebe. Sie wird häufig in Anspruch genommen, denn durch den Test lassen sich sehr einfach Reserven und Missstände in den Filialen aufdecken. Das beginnt bei der Warenpräsentation, reicht über die Freundlichkeit und Kompetenz der Verkäuferinnen bis hin zu dem im Einzelfall auch schon entdeckten Betrug. Für die Betriebsinhaber ist der Testeinkauf eine wichtige Hilfe.

ABZ: Sie sprachen die Hilfe in schwierigen Situationen an.

Sven Bretschneider: In den zurückliegenden beiden Jahren haben sich einige Betriebsinhaber an den LIV Saxonia gewandt, deren Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten waren.

Mitunter standen Unternehmen kurz vor der Insolvenz, da Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden konnten und Kredite fällig wurden. Wenn es gelingt, eine Bäckerei aus einer solchen Situation zu retten und wieder in sicheres Fahrwasser zu bringen, ist das ein großer Erfolg. Dass der LIV Saxonia für seine Mitglieder eine sehr gute Arbeit leistet, hat sich auch bei den Banken rumgesprochen, zum Teil bin ich in kritischen Situationen von den Banken direkt angefordert worden.

ABZ: Welchen Rat geben Sie Betriebsinhabern für den Fall der Fälle?

Sven Bretschneider: Rechtzeitig Hilfe suchen, nicht warten, bis Konten gepfändet werden oder Gläubiger gar einen Insolvenzantrag stellen! Wirtschaftliche Probleme kommen in aller Regel nicht plötzlich, sondern entwickeln sich. Je zeitiger die Ursachen gefunden werden und je eher man gegensteuern kann, umso besser sind die Erfolgsaussichten.

ABZ: Bäckermeister, die sie bei der Existenzgründung begleitet haben, äußern sich sehr lobend. Worin besteht Ihr Erfolgsrezept?

Sven Bretschneider: Ein Konzept muss mich überzeugen, damit ich es unterstütze. Niemandem ist damit gedient, wenn ein Konzept schöngerechnet wird. In enger Zusammenarbeit mit dem Existenzgründer wird ein Businessplan erarbeitet, der Investitionsbedarf ermittelt, Umsätze und Preise berechnet. Dabei spüre ich, ob der Meister den notwendigen „Biss“ hat und voll hinter seinem Konzept steht. (ad)

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