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Ran an die Schüler

Ran an die Schüler (Quelle: Demachi/Thinkstock.de)+
Ran an die Schüler (Quelle: Demachi/Thinkstock.de)

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Tipps für den Schulbesuch: Fragen wecken Aufmerksamkeit der Schüler / Alltag, Verdienst- und Karrieremöglichkeiten aufzeigen

Von Rainer Heck

Sich vor eine Horde pubertierender Schüler stellen und über Backen und Verkaufen reden? Schulbesuche sind für Bäcker eine gute Gelegenheit, junge Menschen direkt anzusprechen, ihnen Lust auf eine Ausbildung im Handwerk zu machen und nebenbei für die eigene Bäckerei zu begeistern.

Gute Erfahrungen macht etwa Sabine Newrzella. Sie betreibt gemeinsam mit Ehemann Magnus Newrzella in Köln eine traditionelle Bäckerei. Für ihre Schulbesuche hat sie ein Konzept entwickelt. Ihr Eindruck: Schüler lassen sich für die Branche begeistern. Zuvor sind allerdings zahlreiche Informationsdefizite zu beheben. Die meisten Schüler und auch Lehrer haben noch nie eine handwerkliche Bäckerei von innen gesehen, sie können sich den Alltag dort nicht vorstellen. „Da besteht jede Menge Aufklärungsbedarf“, sagt Sabine Newrzella. Sie besucht bevorzugt die achten Klassen der Haupt-, Real-, und Gesamtschulen. „Wir haben aber auch schon Erfolg gehabt mit Schülern, die nach dem Fachabitur zu uns fanden.“

Bäckermeister Matthias Saur aus Horb setzt auf die praktische Erfahrung und bringt nicht nur Info-Material, sondern auch die Option eines Kurzpraktikums mit in die Klassenzimmer. Außerdem lädt er zu Workshops in der Bäckerei ein. Diese Kooperation mit einer Realschule ist erfahrungsgemäß sehr schnell ausgebucht und punktet mit einem hohen Erlebnis- und Erkenntniswert. Saur setzt eher auf jüngere Schüler, die ihre Praktika noch vor sich haben und auch leichter zu begeistern sind. „Oft sind die Eltern hier die Spaßbremsen mit dem Nachtarbeits-Argument“, sagt er. Doch die Gegenargumente hat er natürlich auch parat.

Wer in den Schulen gleich an die richtige Adresse kommen will, sollte die Berufswahlkoordinatoren ansprechen. Meist reicht eine E-Mail: „Wir wollen uns als Ausbildungsbetrieb vorstellen“, darin sollte das Unternehmen kurz beschrieben werden, die Ausbildungsgänge und Karrierechancen ebenso. Dabei gilt es, keine Versprechen zu machen, die man nicht halten kann.

Für den Klassenbesuch sollten ein bis zwei Schulstunden zur Verfügung stehen – allerdings nicht am Anfang des Tages, aber auch nicht direkt vor Schulschluss, raten die Profis.

Andrea van Dillen ist als Ausbildungsbeauftragte bei Malzers Backstube in Gelsenkirchen für die insgesamt 95 Auszubildenden des Unternehmens zuständig und für die Nachwuchswerbung. Geht sie in Schulen, um über das Bäckerhandwerk und die Karrierechancen zu informieren, nimmt sie immer eine Handvoll Azubis mit. „Das Gespräch auf Augenhöhe mit Gleichaltrigen zu führen, überzeugt am besten“, versichert sie. Es hilft, Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Ihr Konzept sieht vor, nur mit Schülern aus den neunten und zehnten Klassen zu arbeiten, die sich den Bereich Lebensmittelhandwerk im Vorfeld selbst ausgesucht haben.

Im Idealfall ist die Technik für eine Powerpoint-Präsentation vorhanden und es reicht, neben einigen Broschüren einen Memory-Stick bereit zu halten. Um die Aufmerksamkeit der jungen Menschen zu gewinnen, stellen Bäcker am besten Fragen: „Wie stellst du dir den Arbeitstag eines Bäckers vor? Was denkst du, was man so in den ersten Jahren verdient?“

Beim Thema „früh aufstehen“ verweist Andrea van Dillen auf Feuerwehr oder Polizei oder Krankenhausmitarbeiter. „Da muss man auch noch mit dem für das soziale Leben ungünstigen Wechseldienst klarkommen.“

Generell gilt es, so viel Praxis wie möglich zu vermitteln und Neugierde zu wecken. Wichtig sei, menschlich und fröhlich rüberzukommen mit den Daten und Fakten und mit den Argumenten, die für eine Ausbildung im Handwerk sprechen. Mit dem Team, das man bildet, mit den Produkten, die man macht. „Ich habe immer einen Karton mit Backwaren dabei, um das Thema „Backen“ auch sensorisch zum Erlebnis zu machen. Berliner oder Kekse eignen sich am besten“, sagt Sabine Newrzella.

Der Leitsatz „viele Bilder, wenig Text“ geht auf. Nicht zu viele Details nennen, sondern die Kern-Fakten: Verdienstmöglichkeiten, internationale Karrierechancen und Weiterbildung. Dabei bleibt die Frage nach dem Ablauf eines Arbeitstages in der Bäckerei nicht offen. Die Bäckerei Newrzella hat dazu ein Video gedreht, das den kompletten Tag auf zwei Minuten zusammenfasst. So bekommt die Geschichte Gesichter. Sie ermuntern, sich das alles einmal während eines Praktikums live anzusehen.


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