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„Remmel-Semmel“ gegen Ampel

„Herr Remmel – so geht’s nicht!“ - die Brötchentüten der „Remmel-Semmel“ (Quelle: Foto: Heck)+
„Herr Remmel – so geht’s nicht!“ - die Brötchentüten der „Remmel-Semmel“ (Quelle: Foto: Heck)

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Protest

Rheinländische Bäcker ergreifen Info-Initiative, um gegen das Hygienebarometer zu protestieren.

Düsseldorf (rh). Mit den Worten: „Herr Remmel – so geht´s nicht“ werden die Kunden der Bäckereien im auf die ablehnende Haltung des Bäckerhandwerks gegenüber der so genannten „Hygiene-Ampel“ aufmerksam gemacht. Auf insgesamt 800 000 Brötchentüten ist diese Botschaft zu finden. Im Mittelpunkt stehen die vier Hauptargumente gegen die laut Verbandsgeschäftsführer Walter Dohr bereits im Kabinett beschlossene, dreifarbige Beurteilung des Hygienestandards der Lebensmittelbetriebe. Bis Ende Oktober werden die Brötchentüten mit dem „Remmel-Semmel“ Sonderdruck sowie Info-Flyer an die Kunden ausgegeben.

Das Hygienebarometer, das auch nach den Pilotstudien in Bielefeld und Duisburg nicht den gewünschten Effekt gezeigt habe, sei irreführend. Denn 95 Prozent aller Bäckereien arbeiteten auf höchstem hygienischem Niveau, erklärt der Verband. Zudem wird die „Ampel“ vom Verband als einseitig eingestuft, zumal jeweils ein einzelner Kontrolleur über die Punkteverteilung entscheide, obwohl viele Kriterien im Prüfkatalog auslegungsfähig seien und damit einer subjektiven Bandbreite unterliegen.

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Leser-Kommentare zum Artikel (2)

  • Stefan Agethen, Oberhausen 28.09.2016 um 10:38

    Betreff: @Verbraucher-Sicht auf Verbände und Bäcker Sehr geehrter Herr Ingenhoff,

    ich bin gerade über Ihren Beitrag gestolpert und finde hier bestätigt was ich über die Aktion Remmel-Semmel vor dem Start dachte.

    Es wirft den Eindruck auf das wir etwas zu vertuschen hätten und daher die Ampel nicht woll(t)en.

    Das Problem an der Ampel ist tieferliegend und daher ein eher internes - für den Verbraucher in einer kurzen Übersicht nicht zu vermitteln.

    In aller Kürze ein kurzer Einwurf - die Ampel bei Ihrem Lieblingsbäcker und dessen Ladengeschäft wäre grün und Sie würden sich freuen, denn die Backstube ist nicht an diese Ampel gekoppelt und könnte "brennend rot" sein - der Laden wäre grün. :-) Transparenz ist da das falsche Wort. Augenwischerei ist treffender. Bärbel Höhn sagte mal die Menschen wollen betuppt werden, so sei es.
    Wohl bekomm´s.

    Danke für Ihren Beitrag, ich werde ihn in den Verbänden gerne als Beispiel zur Kritik einbringen.

    Liebe Grüße,
    Stefan Agethen

  • Stefan Ingenhoff, Köln 27.09.2016 um 19:15

    Betreff: Lobbyismus Ich denke die Bäckereien sollten die Ampel als Marketinginstrument begreifen und einsetzen.

    Die üblichen Instrumente wie bunte Infofaltblätter oder Firmenzeitungen, Teilnahme an Sportläufen und Werbeslogans über das Märchen ehrlicher handwerklicher Arbeit wie anno dazumal, langweilen nur noch und sind längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr.

    Darüberhinaus sind sie anders als bei der Ampel nur Dekoration und es steht ihnen kein Gegenwert im Sinne eines Kundennutzen gegenüber. "95%" der Backstuben sind eben nicht gläsern und es ist nicht nachvollziehbar, ob all die Marketingblasen der Realität entsprechen oder nur virtuell sind.

    Eine grüne Ampel hingegen müsste mit Blut und Schweiß in Realita erarbeitet werden und hier gäbe es einen nicht nur virtuellen, sondern vor allem einen freiwilligen oder für ewiggestrige, unfreiwilligen Kundennutzen.

    Mir ist schon klar, dass eine Bäcker Lobby, die auch "95%" der alteingesessenen Bäcker vertritt, denen eine tägliche Reinigung änlich zu Hotelküchen oder anderen Lebensmittelbetrieben vollkommen fremd und nervig erscheint, eben "alteingesessene" Interessen vertritt.

    Meiner Meinung nach könnte eine (grüne) Ampel daher eine, da überprüfbar, vertrauensbildende Maßnahme darstellen, in durch Lebensmittelskandale "vertrauensunwürdigen Zeiten" mit Zusatznutzen diesseits wie jenseits der Ladentheke. Und wer "95%" der Betriebe kennt, könnte noch spöttisch oder zynisch hinzufügen, ein echtes Alleinstellungsmerkmal darstellen.

    Leider sind die Bäckerverbände oft reine Besitzstandswahrer und noch stark im Gestern verhaftet. Was nebenbei bemerkt, in meinen Augen auch eine Wurzel des Bäckereisterbens ist.