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Prof. Dr. Wilfried Seibel verstorben

Prof. Dr. Wilfried Seibel †+
Prof. Dr. Wilfried Seibel †

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Getreideverarbeitung und Getreideforschung verlieren eine große Persönlichkeit

Detmold (p). Am 12. 1. dieses Jahres verstarb Prof. Dr. Wilfried Seibel, ehemaliger Vizepräsident der Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung e. V. und ehemaliger Leiter der Bundesanstalt für Getreide-, Kartoffel- und Fettforschung in Detmold im 76. Lebensjahr. Mit Wilfried Seibel verliert die Getreideforschung und Getreidewirtschaft eine herausragende Persönlichkeit, die über lange Zeit Forschung und Entwicklung im Getreidebereich national und international geprägt hat. Wilfried Seibel war einer der ganz wenigen Wissenschaftler, der noch das gesamte Gebiet der Getreideforschung beherrscht hat. Über 700 Veröffentlichungen und über 600 Vorträge zeugen von einer intensiven Forschungsarbeit, die kaum zu übertreffen sein wird, und die auch nach seiner Pensionierung anhielt. Zwei Fachbücher, die er als Herausgeber erst vor einigen Tagen veröffentlicht hat, zeigen seine große Tatkraft, an der auch seine schwere Krankheit in den letzten Monaten nichts änderte.

Wilfried Seibel wurde 1930 in Dalwigsthal in Hessen geboren. Nach einer umfassenden Ausbildung, die er 1956 mit der Promotion abschloss, widmete sich Wilfried Seibel zunächst der Forschung. Anschließend wechselte er in die Wirtschaft zu einer großen niederländischen Mühle, der er über einige Jahre als technischer Leiter angehörte. Diese Erfahrung hat seinen beruflichen Werdegang entscheidend geprägt. Auch als er 1968 als Leiter der Bundesforschungsanstalt für Getreide- und Kartoffelverarbeitung berufen wurde und später nach der Strukturreform der Bundesforschungsanstalt die Leitung des Institutes für Müllerei- und Bäckerei-Technologie übernahm, stand praxisorientiertes Handeln immer im Vordergrund.

Wilfried Seibel hat während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit eine Vielzahl von Forschungsschwerpunkten bearbeitet, die sich über die gesamte Getreideverarbeitung erstreckten. Er verstand die Wissenschaft nicht als Selbstzweck, sondern als ein Mittel, Fortschritte in der Ernährung auf Getreidebasis zu erzielen, zum Nutzen der Verbraucher und der Hersteller. Vollkornerzeugnisse und Einsatz von Sauerteig bei der Backwarenherstellung seien beispielhaft genannt.

Von 1968 bis 1995 war er Vizepräsident der Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung e.V., die er entscheidend mitgeprägt hat, und die er bis zuletzt tatkräftig unterstützte. Durch ihn ist die Basis für eine erfolgreiche Tätigkeit der AGF gelegt worden, die auch für die weitere Zukunft tragen wird. Seit 1973 war Prof. Seibel Schriftleiter der Fachzeitschrift „Getreidetechnologie“ (vormals Getreide, Mehl und Brot), eine Funktion, die er bis zu seinem Tode mit viel Engagement ausübte. Aber auch in anderen Organisationen war Prof. Seibel erfolgreich ehrenamtlich tätig, so z.B. bei der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), mit der er eine heute noch gültige Qualitätsprüfung für Brot und Feine Backwaren entwickelte.

Bei der Gründung des Fachbereiches „Lebensmitteltechnologie - Getreidetechnologie“ an der Fachhochschule Lippe war er ebenso beteiligt wie an der Gründung des Lehrstuhls „Getreidetechnologie“ an der TU Berlin. Viele Diplomarbeiten und Dissertationen wurden von ihm betreut und zum erfolgreichen Abschluss gebracht.

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