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„Probleme in der Schule werden zu unstrukturiert bearbeitet“

„Probleme in der Schule werden zu unstrukturiert bearbeitet“ (Quelle: privat)+
„Probleme in der Schule werden zu unstrukturiert bearbeitet“ (Quelle: privat)

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Anouschka Wasner ist Expertin für die Integration von Flüchtlingen ins Handwerk

Das Gespräch führte

Arnulf Ramcke

im integrieren und beschäftigen“ ist der Titel des Buches, dass Anouschka Wasner als Ratgeber für Betriebe geschrieben hat. Wasner setzt sich darüber hinaus in zahlreichen Projekten für die Integration von Flüchtlingen in Deutschland ein.

ABZ: Scheitern Flüchtlinge wegen mangelnder Sprachkenntnisse in der Ausbildung?

Anouschka Wasner: Ob Geflüchtete die Ausbildung schaffen oder nicht, hängt auch stark von ihrem Sprachniveau ab, richtig. Aber je länger sie in Deutschland sind, je besser der mitgebrachte Bildungshintergrund ist und je mehr sie unterstützt werden, umso besser sind ihre Ausgangsbedingungen.

Was meinen Sie mit Bildungshintergrund?

Wasner: Lernen will gelernt sein. Wer in seinem Heimatland eine gute Schule besucht hat, tut sich sicherlich leichter, eine fremde Sprache zu lernen. Hinzu kommt die persönliche Neigung: Manchen liegen Sprachen, anderen eher Naturwissenschaften.

Was Förderung umso wichtiger macht.

Wasner: Unbedingt. Mögliche Unterstützung kann durch die Kostenübernahme oder die Freistellung für Deutschkurse erfolgen, aber auch durch die direkte Unterstützung durch Chef und Kollegen.

Und wie sieht’s mit der staatlichen Förderung aus?

Wasner: Ein Integrationskurs ist Pflicht – allerdings müssen aber auch immer noch viele Geflüchtete auf einen Platz warten. Die Kurse schließen mit Abschlüssen zwischen A 1 und B 1 ab. Eigentlich wäre es aber notwendig, allen Zuwanderern die Möglichkeit zu geben, Kurse bis B 2 zu besuchen.

Das alles klingt so, als sei Sprachschulung häufig vom Engagement der Betriebe abhängig.

Wasner: Da ist etwas dran. Private Unterstützer sind unverzichtbar. Die verschiedenen Möglichkeiten für Sprachkurse sind von Ort zu Ort unterschiedlich, da muss man sich schlau machen. Einige Städte haben sehr gute Angebote, die auch gefördert werden.

Müssen da Strukturen vereinheitlicht werden?

Wasner: Ja, das wäre sehr wünschenswert. Es kostet viel Zeit und Erfahrung, die richtigen Angebote zu finden. Betrieben, Helfern, Flüchtlingen gelingt es kaum, da durchzublicken.

Zögern Betriebe aus diesem Grund, Flüchtlinge einzustellen?

Wasner: Umfragen nennen als größtes Problem der Betriebe Sprachprobleme, aber vor allem auch fehlende Rechtssicherheit. Es passiert immer öfter, dass sogar Schüler und Azubis aus der Schule und aus dem Betrieb heraus abgeschoben werden.

Ist es nicht so, dass der, der einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen hat, nicht abgeschoben werden kann?

Wasner: Richtig, es gibt seit August 2016 die 3 plus 2-Regelung, auch Ausbildungsduldung genannt. Aber sie wird leider nicht einheitlich angewandt, was Abschiebungen von gut integrierten und viel versprechenden jungen Menschen zur Folge hat. Das sind für alle Beteiligten ganz schlimme Erfahrungen – für die Flüchtlinge, aber auch für ihre Mitschüler, ihre Kollegen, ihre Unterstützer.

Damit ist aber nicht das Problem in der Berufsschule gelöst?

Wasner: Da wird noch zu unstrukturiert dran gearbeitet. Aber durch gezielte Förderung ist auch das ein lösbares Problem.

Raten Sie Betrieben, Flüchtlinge einzustellen?

Wasner: Fast alle Betriebe, mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass sich das Engagement gelohnt hat. Sie sprechen von einem Geben und Nehmen. Natürlich gibt es Fälle, in denen es schwierig ist – aber die Chance, die in der Zuwanderung liegt, nicht zu nutzen, ist einfach aus betrieblicher wie gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Perspektive heraus kurzsichtig.

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