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Nährwertkennzeichnung könnte Schule machen

Durch hohe Fett- und Zuckeranteile könnten Backwaren bei „Nutri-Score“ leicht in den roten Bereich rutschen. (Quelle: SYSTEM)+
Durch hohe Fett- und Zuckeranteile könnten Backwaren bei „Nutri-Score“ leicht in den roten Bereich rutschen. (Quelle: SYSTEM)

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Die Verbraucherorganisation Foodwatch fördert das französische „Nutri Score“-System / Bundesministerium bremst derzeit noch

Von Dieter Kauffmann

Nach der öffentlichkeitswirksamen Aktivierung der Online-Plattform „Topf Secret“ (siehe Seite 6), hat nun einen neuen Ball ins Spiel gebracht. Die Verbraucherschutzorganisation hat Bundesernährungsministerin Julia Klöckner aufgefordert, sich umgehend für eine Lebensmittelampel in Deutschland stark zu machen.

Frankreich etwa zeige längst, wie eine verbraucherfreundliche aussehe: Das französische „Nutri-Score“-Modell mache es leicht, ausgewogene Produkte auf einen Blick zu erkennen, so die Verbraucherorganisation.

In Deutschland haben die Hersteller Iglo und Danone bereits angekündigt, ihre Produkte schrittweise mit „Nutri-Score“ zu kennzeichnen. Auch die Großbäckerei Mestemacher hat vor Kurzem erklärt, dass auf ihren im Einzelhandel vertriebenen Backwaren mit hohen Roggenanteilen künftig die fünfstufige Farbskala des „Nutri-Score“-Systems sichtbar sein soll. Laut Mestemacher fallen die Nährwertbilanzen der eigenen Produkte mit den Buchstaben „A“ oder „B“ sehr günstig aus.

Positiv und negativ werden

gegeneinander aufgerechnet

Der „Nutri-Score“ bewertet ein Lebensmittel mittels vier „negativer“ Komponenten und drei „positiver“ Komponenten. „Negativ“ sind danach der Energiegehalt, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz. Positiv sind der Anteil an Obst, Gemüse und Schalenfrüchten, Eiweiß und Ballaststoffe.

Die Komponenten werden gegeneinander aufgerechnet und dann wird ein Buchstabe von A bis E vergeben, der auch wiederum mit einem Farbverlauf von grün (A) bis rot (E) hinterlegt ist.

Kritiker dieses Systems bemängeln, dass es für Kunden nicht ersichtlich sei, wie sich die Bewertung zusammensetzt. So könnten Fertiggerichte mit einem grünen „B“ gekennzeichnet sein, während verpackte Backwaren, die viel Fett und Zucker enthalten, leicht in den roten Bereich rutschen können.

Dass bezüglich einer wie auch immer gearteten Nährwertkennzeichnung noch einige Zeit ins Land gehen werde, stellt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in seiner Stellungnahme klar: „Die Etablierung eines vereinfachten Nährwertkennzeichnungssystems, zum Beispiel Nutriscore oder Lebensmittelampel, ist nach aktuellem EU-Recht nur auf freiwilliger Basis und unter den in der LMIV genannten Anforderungen zulässig. Dazu zählt, dass sie nicht national verpflichtend vorgeschrieben werden kann. Zur Einführung eines verpflichtenden Systems müsste zunächst das EU-Recht geändert werden.“

„Topf Secret“, die Online-Plattform für Verbraucher, steht rechtlich in der Kritik.
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