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Prof. Dr. Friedrich Meuser präsentierte eine „gentechnische Sensation“.

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Vielfältiges Programm auf der Informationstagung der Berliner Gesellschaft für Getreideforschung

Berlin Die zum 34. Mal unmittelbar zur Eröffnung der alljährlichen Internationalen Grünen Woche in Berlin stattfindende Veranstaltung erwies sich erneut als wichtiger Branchentreffpunkt. An dem Erfahrungsaustausch zwischen Theorie und Praxis beteiligten sich fast 200 Teilnehmer aus Wissenschaft und Forschung, Industrie, Verbänden und dem Backhandwerk. Die Themenpalette des von der Berliner Gesellschaft für Getreideforschung e.V. gemeinsam mit der Technischen Universität (TU) und der Technischen Fachhochschule (TFH) Berlins sowie der Detmolder Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel initiierten zweitägigen Forums war breit gefächert und bot entsprechend viel Diskussionsstoff.

Während der Veranstaltung präsentierte Prof. Dr. Friedrich Meuser von der TU den Teilnehmern ein in Plexiglas verpacktes Backsegment als „gentechnische Sensation“. Das ausschließlich mit in Hefe exprimiertem HMW-1Dx5 Glutenin am 5. Mai 2004 gebackene Produkt war das Ergebnis eines Projekt im Rahmen der Zöliakie-Forschung.

Rund 500.000 Deutsche leiden unter dieser stoffwechselgefährlichen Allergie gegen Klebereiweiß, einem in allen herkömmlichen Backwaren aus Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel und Grünkern vorhandenen Bestandteil. Wie das Backexponat, das künftig im Ulmer Museum für Brotkultur ausgestellt wird, demonstrierte, kann im Laborversuch durch Erbgutveränderung der Allergieauslöser im glutenhaltigen Getreide manipuliert werden, doch auf Grund des enorm hohen technologischen Aufwands müssen Betroffene wie bisher auf herkömmliches Brot verzichten und sich von Gebäcken aus glutenfreiem Getreide wie Mais, Hirse, Reis, Buchweizen, Quinoa und Amaranth ernähren.

Wie Armin Werner vom Verband der Backmittel- und Backgrundstoffhersteller e.V., Bonn, in seinem anschließenden Vortrag herausarbeitete, sorgt die Gentechnik, insbesondere in der Lebensmittelbranche, seit rund acht Jahren für heftige, zum Teil gänzlich gegensätzliche Diskussionen und wird von den verschiedensten gesellschaftlichen Gruppierungen benutzt, um das Meinungsbild der Endverbraucher entsprechend der eigenen politisch-ideologischen Zielstellung zu manipulieren. Während die Gen-Food-Problematik in Europa auf sehr unterschiedliche Resonanz stößt und beispielsweise Briten relativ wenig Interesse am Thema zeigen, wuchs in Deutschland der Anteil derjenigen, die derartig modifizierte Produkte ablehnen, von knapp einem Drittel im Jahr 2001 auf inzwischen 44Prozent.

Weitere Vorträge hatten aktuelle branchenspezifische und gesellschaftliche Ernährungstrends zum Inhalt. So rückte Susanne Langguth von der Südzucker AG Mannheim die Lebensmittelwirtschaft in den Fokus der Verbraucherpolitik während Prof. Dr. Helmut Erbersdobler über Sinn und Unsinn der Low Carb Diäten referierte. Zudem stand die Qualitätsverbesserung von Backwaren durch Enzyme und industriell hergestellte pasteurisierte Eiprodukte auf dem Vortragsprogramm. Mit großem Interesse verfolgten die Tagungsteilnehmer auch den Beitrag von Dr. Mark Regier, der im letzten Jahr den Förderpreis des Verbandes Deutscher Großbäckereien erhalten hatte, über die Beobachtung von Backvorgängen mittels Magnetresonanztomographie als einem neuen Analyseverfahren (Berichte folgen).

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