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Mit der E-Mobilität geht‘s langsam bergauf

Einheitssache: Den Triebkopf der aktuellen E-Fahrzeuge für Bäcker steuert die Posttochter Streetscooter bei. (Quelle: Wolf/Fotolia)+
Einheitssache: Den Triebkopf der aktuellen E-Fahrzeuge für Bäcker steuert die Posttochter Streetscooter bei. (Quelle: Wolf/Fotolia)

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Auf Basis des Streetscooters der Post gibt es jetzt auch E-Fahrzeuge für Bäcker. Erste Erfahrungsberichte.

Von Reinald Wolf

Die Deutsche Post hat aktuell 20 der Marke in Stuttgart im Einsatz. Zumindest drei weitere Fahrzeuge der hundertprozentigen Posttochter sind seitens des Bäckerhandwerks jüngst dazugekommen.

Denn seit der Präsentation auf der Südback sorgt auch die Bäckerei Hafendörfer mit zwei 2,5-Tonnern und pfiffiger Beschriftung in Stuttgart real, medial und in den Sozialen Netzwerken für Aufsehen und Beachtung.

Und seit dieser Woche ist auch ein Streetscooter der Bäckerei von Jürgen Frank in Stuttgart unterwegs – CO2-frei, wie auf den Postmobilen steht.

E-Mobile kommen vom

Start weg „super“ an

„Die Resonanz ist vom Start weg super – seitens der Kunden und der Bevölkerung“, sagt Dirk Hafendörfer, der im Rahmen der „Selbsthilfegruppe Elektromobilität“ von Initiator Roland Schüren (siehe auch Interview) zu seinen E-Mobilen gekommen ist. Aber für ihn ist der Einsatz von E-Mobilen kein Marketinggag.

„Mir geht es auch um den ökologischen Aspekt und darum, als innerstädtischer Nahversorger meinen Beitrag zu leisten“, sagt der Inhaber des Traditionsunternehmens.

In Sachen Feinstaubdiskussion

auf der Überholspur

Ein Thema, das gerade in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs im Zuge der Feinstaubdiskussion und drohender Fahrverbote für Dieselfahrzeuge von besonderer Brisanz ist. Hafendörfer und Frank sind diesbezüglich jedenfalls auf der sicheren Seite.

Beide haben bereits vorher E-Transporter im Einsatz gehabt und damit gute Erfahrungen gemacht. Frank im Zusammenhang mit einem Pilotprojekt der Uni Karlsruhe, die ihm zu günstigen Konditionen einen Mercedes Vito zur Verfügung stellt.

So gesehen sind die beiden Stuttgarter Bäckermeister mit ihren Streetscootern in Sachen quasi schon auf der Überholspur – und fahren trotz der vergleichsweise höheren Anschaffungskosten für die Fahrzeuge auch ökologisch ganz gut damit.

Grob gerechnet liegen die Kosten für einen kleinen E-Transporter ein Drittel über vergleichbaren Modellen in Diesel- oder Benzin-Version – zumindest was die Anlehnung an die bewährten E-Mobile der Post betrifft.

Höhere Kosten: Amortisationszeit von drei bis vier Jahren

Schüren und die Anbieter rechnen mit einer Amortisationszeit von drei bis maximal vier Jahren – auch für die größerer Transporterversion BV1 (Baker Vehicle One) mit 3,5 Tonnen, die auf der Südback vorgestellt wurde.

Wirtschaftlich spricht für das E-Auto unter anderem, dass die Wartungskosten nur rund ein Zehntel der üblichen Kosten betragen, dass keine Kfz-Steuer fällig wird, dass es in manchen Städten möglich ist, kostenfrei zu laden und zu parken – und die 4000 Euro E-Mobilitätsprämie, die es für die Anschaffung gibt. Weitere Förderkonzepte sind landes- oder gemeindespezifisch eher rar.

Wenig Unterstützung

für die E-Mobilität

In manchen Bundesländern werden noch Busse, E-Taxis und E-Lastenräder gefördert, weitere zielgruppenspezifische Unterstützungen sind höchstens Gedankenmodelle – auch seitens der Städte und Gemeinden.

Klar ist nur, dass es der politische Wille ist, das Fahrzeugaufkommen mit konventionellem Antrieb auf absehbare Zeit zu verringern – in Stuttgart sollen das 20 Prozent sein.

„Wir fordern schon lange, dass stärker unterstützt wird“, sagt Raid Gharib, Energie- und Mobilitätsberater beim Baden-Würtembergischen Handwerkstag (BWHT).

Post und Bäckerhandwerk

auf einem guten Weg

Die Post und das Bäckerhandwerk gehen diesbezüglich mit gutem Beispiel voran. Das Projekt Streetscooter und die Selbsthilfegruppe hat mit ihrer Pionierarbeit für handwerksverträgliche Konditionen und Versionen gesorgt.

Der WorkL von Hafendörfer kostet abzüglich der Prämie noch knapp 38.000 Euro, bietet laut Herstellerangaben 48 kW Spitzen- und 38 kW Dauerleistung, ist mit 85 km/h Höchstgeschwindigkeit und 960 Kilogramm Zuladung angegeben, hat ein Nutzvolumen von immerhin acht Kubikmetern – und eine Reichweite von rund 100Kilometern.

„Für uns ein absolut praktikables Modell“, lautet Hafendörfers Fazit nach einer Woche Praxiseinsatz. Vor allem das aus dem Stand volle Drehmoment sei im Stop-and-go des Stadtverkehrs ein echter Komfortgewinn.

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