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„Mit dem Hygiene-Smiley haben wir gute Erfahrungen“

„Mit dem Hygiene-Smiley haben wir gute Erfahrungen“ (Quelle: privat)+
„Mit dem Hygiene-Smiley haben wir gute Erfahrungen“ (Quelle: privat)

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Alexandra Dienst steht einer freiwilligen Kennzeichnung aufgeschlossen gegenüber

Das Gespräch führte

Reinald Wolf

Alexandra Dienst (62) ist seit 28 Jahren als Geschäftsführerin in Diensten der Bäckerinnung Köln-Erftkreis. Seit etwa fünf Jahren befasst sie sich aus gegebenem Anlass auch mit dem Thema Hygiene-Ampel. Dass die jetzt mit der neuen Landesregierung vom Tisch ist, sorgt für eine gewisse Entspannung.

Aber wie könnte, wie sollte es weitergehen? Eine freiwillige Lösung mit der Möglichkeit, positive Signale zu setzen, sei dabei ein durchaus gangbarer Weg. Das zeigten jedenfalls die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt mit dem Smiley.

ABZ: Was sagen sie dazu, dass die Hygiene-Ampel doch nicht kommt?

Alexandra Dienst: Ich bin so was von erleichtert. Die wäre ja jetzt ohne den Regierungswechsel gekommen. Und zwar nicht auf freiwilliger Basis. Das war ja gewissermaßen das Steckenpferd von Minister Remmel. Und der wollte sich mit dem Thema Verbraucherschutz plakativ profilieren.

Abgesehen vom politischen Schachzug, was ist so schlimm dran, mit der Veröffentlichung von negativen Ergebnissen Druck auf die schwarzen Schafe der Branche auszuüben?

Dienst: Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wir wollen, dass unsere Betriebe sauber arbeiten und dass Schmuddelbetriebe zur Rechenschaft gezogen werden. Vor allem dann, wenn es sich um Wiederholungstäter handelt. Die schaden dem Image der gesamten Branche. Schließlich geht es auch darum, Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, und Verstöße werden ja auch entsprechend geahndet. Das funktioniert in Zusammenarbeit mit der Lebensmittelkontrolle in unserem Bereich ganz gut.

Wo ist dann das Problem mit der , wenn die Bäcker nichts zu verbergen haben?

Dienst: Dass damit ein falsches Bild vermittelt wird. Wenn es für Mäuse im Betrieb sechs Punkte gibt und für mangelhafte Dokumentation neun Punkte, ist das pervers und bringt in Sachen Sauberkeit eigentlich nichts. Addiert sich das – vielleicht noch mit etwas willkürlicher Beurteilung – zu einer roten Ampel auf, ist das für den Betrieb tödlich.

Aber es gibt ja die Nachkontrollen und wenn die Mängel behoben wären, hätte das System doch eine Korrektur des Ampelsignals vorgesehen.

Dienst: Selbst wenn nach ein paar Monaten die Ampel auf Orange oder Grün umspringen sollte, wäre das fatal. Denn schon orange wäre grenzwertig und würde für einen nachhaltigen Imageschaden sorgen. Auch weil die Behörden zeitnahe Nachkontrollen personell schon nicht meistern hätten können. Da hätten dann fast untadelige Betriebe lange am Pranger stehen können.

Nun ist die Kuh vom Eis. Welche künftige Lösung wäre aus ihrer Sicht wünschenswert?

Dienst: Im Prinzip könnte es das Verfahren sein, wie es vor der Ampel zur Anwendung gekommen ist. Mit erhöhter Taktung der Kontrollen bei Betrieben, die unangenehm aufgefallen sind. Wichtig wäre aber, dass die Gebührenpflicht für die amtliche Erstkontrolle wieder aufgehoben wird. Entscheidend ist eine freiwillige Regelung der Verbraucherinformation – mit positiven Signalen. In Anlehnung an das Pilotprojekt Hygiene-Smiley, mit dem wir gute Erfahrungen gemacht haben.

Im Umkehrschluss machen sich da Betriebe ohne Smiley verdächtig, selbst wenn es keine größeren Hygienemängel gibt.

Dienst: Das sehe ich nicht so dramatisch. Im Vordergrund steht das positive Signal als Werbebotschaft. Wird es nicht ausgehängt, wird das von den Verbrauchern nicht negativ wahrgenommen, weil ein weiteres insgesamt in der Masse der Zeichen untergeht.

Aber besteht nicht die Gefahr, dass die freiwillige Lösung zur gesetzlichen Regelung wird.

Dienst: Ich denke nicht. Jedenfalls nicht in Form einer Hygiene-Ampel. Die war ja im Zusammenhang mit Datenschutz und als Botschaft mit Prangerwirkung juristisch fragwürdig und als Verbraucherinformation eh irreführend.

Künftig könnte ein Hygiene-Smiley Bäckereikunden begrüßen.
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