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Milchzopf bringt Bäcker vor Gericht

Die Rezeptur für Zöpfe aller Art ist festgelegt.  (Quelle: Printemps/Fotolia.de)+
Die Rezeptur für Zöpfe aller Art ist festgelegt. (Quelle: Printemps/Fotolia.de)

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Urteil

benennt seinen in Viererzopf um. Damit zieht er die Konsequenz aus einem Gerichtsverfahren ...

Dresden (pew). „Ich stehe zu dem, was gelaufen ist. Aber so manche bürokratische Verordnung ist kaum nachvollziehbar und macht kleinen Handwerksbetrieb wie uns das Leben zusätzlich schwer“, kommentiert Rico Uhlig das Urteil des Amtsgerichts in Dresden.  Was war geschehen? Bei einer behördlichen im Jahr 2012 war den Lebensmittelkontrolleuren aufgefallen, dass in Uhligs Milchzopf Margarine statt Butter und zu wenig Milch verbacken worden war. „Mein Mitarbeiter hatte morgens um 4 Uhr keine Butter mehr, also ersetzte er sie durch Margarine. Das war nicht richtig, aber um den Produktionsablauf einzuhalten, hatte er so entschieden“, erklärt Rico Uhlig, Obermeister der Dresdener Innung, die Vorgeschichte. Bei einer Nachkontrolle wiederum stellte das Lebensmittelüberwachungsamt fest, dass die Bäcker wieder zu wenig Milch genommen hatten, konkret waren es 34 Liter statt der vorgeschriebenen 40 Liter auf 100 Kilo Mehl. Das schreiben die Leitsätze für Feine Backwaren im Deutschen Lebensmittelbuch von 1991 vor. „Sie sind längst nicht mehr zeitgemäß, sondern befinden sich auf Landesebene aktuell in Überarbeitung“, merkt Uhlig dazu an. Den fehlenden Milchanteil wollte der Bäcker durch Butter ersetzen, was in der Praxis gut funktionierte, aber nicht den Vorgaben entsprach. Trotz der kostenintensiveren Kalkulation blieb der Preis gleich bei 0,75 Euro pro Zopf. Obwohl der eingesetzte Gutachter laut Uhlig den Toleranzbereich zugunsten des Angeklagten ausgelegt hatte, bestand Richter Jürgen Scheuring vom Amtsgericht Dresden auf den Buchstaben des Gesetzes und entschied jetzt gegen die Bäckerei. Das Bußgeld, aufgrund der Kosten für den Gutachter nunmehr 764 Euro hoch, will Uhlig akzeptieren, da Aufwand und Nutzen längst in keinem Verhältnis mehr stehen. Doch zur Klärung der Sache war ihm der Weg durch die Instanzen wichtig: „Uns wurde vor Gericht bescheinigt, dass das Gebäck letztendlich weder geschmacklich noch im Preis zu beanstanden war.“ Seine Kunden kaufen den „Viererzopf“, wie er den Milchzopf nun offiziell nennt, besonders gern. Rico Uhlig, seit März 2014 Obermeister der Dresdner Innung, hatte 2003 eine Traditionsbäckerei am Standort „Nürnberger Ei“ übernommen“, modernisiert und ihren Ruf als Bäckerei & Café Uhlig weiter ausgebaut. Was bleibt? So lange es Verbraucherregeln gibt, muss man sich an sie halten. Oder den Namen ändern.

Ein Zopf wie dieser macht Ärger.
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