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Mancher will weg vom Pappbecher

Unterwegs Kaffee trinken. Einige Bäcker überlegen, einen Mehrwegbecher anzubieten. (Quelle: Kzenon, Rdnzl/Fotolia.de)+
Unterwegs Kaffee trinken. Einige Bäcker überlegen, einen Mehrwegbecher anzubieten. (Quelle: Kzenon, Rdnzl/Fotolia.de)

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Kaffee zum Mitnehmen ist ein wichtiger Umsatzbringer und verursacht Müll / Eine viel diskutierte Alternative ist der Mehrwegbecher

Von Christine Speckner

wird immer häufiger außer Haus getrunken. Im Jahr 2014 wurden 65.670 Tonnen Röstkaffee außer Haus in der Gastronomie, Restaurants, Bäckereien, Coffeeshops und Coffeebars verkauft.

Hinzu kommt Kaffee, der im Lebensmitteleinzelhandel gekauft, aber beispielsweise auf der Arbeit konsumiert wurde. Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbands sagt: „Wir schätzen, dass rund jede vierte Tasse außer Haus getrunken wird.“ Die Kehrseite: Rund 2 Milliarden geben Kaffee-Ketten, Fastfood-Restaurants und Straßenverkäufer pro Jahr an ihre Kunden aus.

Hygiene beachten

Ein bisher wenig beachteter Aspekt der To-go-Kultur ist die Umweltverträglichkeit. Die kunststoffbeschichteten Pappbecher gehören nicht in den Papiermüll, sondern in den normalen Hausmüll und können nur aufwendig recycelt werden. Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt zunehmend auch Bäckereien. Gibt es zum Pappbecher eine Alternative?

„Für mich derzeit nicht“, sagt Alexander Ulmer. Der Inhaber der Ulmer mit Sitz in Friedrichshafen betreibt 35 Filialen. 10.000 Pappbecher, schätzt Ulmer, gehen pro Halbjahr über die Theken. Wobei die Zahl schwankt. In einigen Filialen sind es täglich 25 Becher, in anderen nur zwei bis drei. Dass der Kunde seinen eigenen Becher mitbringt, kommt für Ulmer nicht in Frage. „Ich kann von meiner Verkäuferin nicht verlangen, dass sie einen halb ausgespülten Becher unter die Kaffeemaschine hält.“ Sollen Bäckereien eigene Becher herausgeben? Keine schlechte Idee, findet Ulmer. „Pfandbecher wären eine Alternative.“ In Form eines leichten Porzellanbechers oder eines Kunststoffbechers. Allerdings müsse das Pfand dem Wert des Bechers entsprechen. „Wenn ein Becher ein Euro kostet, muss ich auch ein Euro Pfand verlangen können.“

Der Kunde dürfe den Mehrwegbecher aber nicht über die Theke reichen, sondern müsse ihn aus hygienischen Gründen direkt in den Geschirrwagen stellen, der zur Spülmaschine geht. Wenn schon ein Pfandsystem, sagt Ulmer, dann aber bitte mit dem eigenen Firmenlogo auf dem Mehrwegbecher. Allerdings fürchtet er, der Großteil der Kunden wäre nicht bereit, die Mehrkosten fürs Pfand zu zahlen. „Die schütteln den Kopf und nehmen sich eher Zeit, in unseren Cafés Kaffee zu trinken oder wählen ein anderes Getränk zum Mitnehmen.“

Auch der Hansebäcker Junge mit 170 Geschäften wäre im Prinzip bereit, Mehrwegbecher einzuführen. Allerdings sei das Thema Hygiene rechtlich heikel, sagt Marketingchef Gerd Hofrichter. Man könne nicht haften für eine mögliche Verunreinigung durch Bakterien durch den Transport in einer nicht sterilen Verpackung. Abgesehen vom höheren Verwaltungsaufwand, den eine Bäckerei für Mehrwegbecher betreiben müsste, schätzt Hofrichter die Bereitschaft mehr zu zahlen gering ein. „Das ist beim Kunden noch nicht angekommen.“

Neben herkömmlichen Pappbechern hat der Lieferant GEBAS aus Bergheim auch Bio-Cafébecher im Angebot. „Die haben eine spezielle Beschichtung und sind recyclingfähig“, erklärt Geschäftsführer Mario Annegarn. Allerdings wird das Produkt kaum nachgefragt, denn es kostet 15 Prozent mehr. Dazu kommt das Problem: Der Bio-Becher ist im Prinzip kompostierfähig. Bis er verrottet, dauere es allerdings viele Monate.

Daher lande er nicht in Kompostieranlagen, sei de facto also kaum kompostierbar, sagt Annegarn. Von den trendigen „Mehrwegbecher für unterwegs“, die Starbucks Kunden im Onlineshop verkauft, hält Annegarn überhaupt nichts. Das sei ein Marketing-Gag und „Mitschwimmen auf der Nachhaltigkeitswelle.“ Anbieten könne man viel. Ob tatsächlich jemand seinen Kaffeebecher einpacke, bevor er zum Bäcker fahre, daran habe er Zweifel.

Mehrwegbecher unpraktisch?

Das sieht auch der Deutsche Kaffeeverband so. „Keiner schleppt einen Mehrwegbecher zum Bahnhof oder durch die Stadt, weil er sich dort vielleicht einen Coffee-to-go kaufen will. Das vom Konsumenten zu fordern, ist weltfremd“, so der Verband. Das sieht Hans Peter Wagner anders. Seine Biobäckerei aus Ruderting betreibt drei Filialen, eine mobile Verkaufsstelle und liefert an rund 40 Wiederverkäufer. Jetzt hat der Betrieb den Wagner-Cup entworfen. Das ist ein einwandiger Mehrwegbecher aus Porzellan mit Firmenaufdruck und grünem Filzband. „Zu Weihnachten wollen wir den Verkauf unseres Mehrwegbechers starten“, sagt er.

Den Herstellungspreis von 12 Euro will Hans Peter Wagner an seine Kunden weitergeben. Das Prinzip ist einfach: Nach Gebrauch zieht der Kunde das Filzband ab und bringt den gespülten Becher zum Nachfüllen wieder mit. Und was ist mit der Hygiene? Da vertraut der Biobäcker seinen Kunden. Bereits heute gebe es welche, die eigene Becher mitbringen. Wagner kann sich außerdem vorstellen, guten Kunden, sprich Büros, deren Mitarbeiter große Mengen an Kaffee holen, den Wagner-Cup zu schenken.


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