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Manager zu Haftstrafen verurteilt

Frank Ostendorf und seine Kollegen sind zu Gefängnisstrafen verurteilt worde.  (Quelle: Rainer Sturm/Pixelio.de)+
Frank Ostendorf und seine Kollegen sind zu Gefängnisstrafen verurteilt worde. (Quelle: Rainer Sturm/Pixelio.de)

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Urteil

und zwei weitere Chefs der Gelsenkirchener Brotfabrik gehen wegen Betrugs ins Gefängnis.

Gelsenkirchen (abz). Das Landgericht Essen schickt den Besitzer und Geschäftsführer der Gelsenkirchener Großbäckerei Stauffenberg, Frank Ostendorf (47), für drei Jahre und neun Monate wegen eines Millionen-Betruges in 25 Fällen ins Gefängnis. Das meldet die Tageszeitung Der Westen. Dem Bericht zufolge bekommt der kaufmännische Geschäftsführer ebenfalls drei Jahre und neun Monate Haft. Das für Verkauf und Marketing zuständige Vorstandsmitglied erhält drei Jahre und drei Monaten Gefängnis.

Millionen-Schaden

Das Trio der inzwischen pleite gegangenen Großbäckerei, die Discounter wie Aldi, Lidl und Netto beliefert hatte, hat nach eigenem Geständnis und der Kammer die Stuttgarter Süd-Factoring-Gesellschaft zwischen Juni und September 2013 um rund sechs Millionen Euro betrogen. Bei längeren Laufzeiten zur Bezahlung der Rechnungen durch die Kunden finanzieren diese Factoring-Gesellschaften den Rechnungsbetrag gegen eine Gebühr vor. Die Stauffenberg-Geschäftsführer hatten das ausgenutzt, als ihr Unternehmen in die Krise geraten war, und der Stuttgarter Firma Scheinrechnungen eingereicht. Wie Der Westen weiter schreibt, hatten die  Angeklagten den damit zu erklären versucht, dass sie das Unternehmen Stauffenberg retten und Arbeitsplätze erhalten wollten. Richter Edgar Loch rügte im Urteil die Bedenkenlosigkeit, mit der die drei Angeklagten die Stuttgarter Firma in Gefahr gebracht hatten: „Für ihre eigenen Interessen haben sie sich über die Gefahren für die Süd-Factoring völlig hinweggesetzt.“ Und weiter: „Mit kaltem Kalkül haben sie eine Entscheidung getroffen, die in einer Katastrophe münden musste.“

Strafmildernd berücksichtigte die Kammer das frühe und umfassende Geständnis der Angeklagten. Der enorme Schaden von sechs Millionen Euro, von dem 500.000 Euro zurückgezahlt wurden, führe aber zu den ausgesprochenen Strafen. Im Gegensatz zur Verurteilung des ehemaligen Arcandor-Managers Thomas Middelhoff verzichtete die Strafkammer bei den drei Angeklagten auf die sofortige Verhaftung. In Freiheit warten sie jetzt ab, ob der Bundesgerichtshof die Urteile bestätigt

Zum Hintergrund

Im Herbst 2013 ist beim Amtsgericht Essen über das Vermögen der Albert Stauffenberg Nachfolger GmbH & Co KG das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Stauffenberg war im Besitz der Familie Ostendorf. Frank Ostendorf gehörte zum Geschäftsführer-Trio und ist Sohn von Klaus Ostendorf. Dessen Backwarenunternehmen Müller-Brot in Neufahrn und Löwenbäcker in Leipzig hatten bereits im Jahr zuvor angemeldet. Die Insolvenz von Müller-Brot hatte weitreichende Folgen für die Stauffenberg-Gruppe. Forderungen mussten wertberichtigt werden und Stauffenberg geriet in Schieflage. Nach der Insolvenz im vergangenen Jahr verloren viele Beschäftigte der Großbäckerei ihren Job. Sie waren zum Teil seit Jahrzehnten in dem Unternehmen beschäftigt und zogen vors Arbeitsgericht, wo sie teilweise erfolgreich gegen ihre Kündigungen klagten.

Nachfolgefirma ebenfalls insolvent

Inzwischen steckt aber auch die Nachfolgefirma in Schwierigkeiten. Am Mittwoch erst hat Stauffenberg erneut Insolvenz angemeldet. Frank Ostendorf, der sich laut Lebensmittel Zeitung (LZ) als Teilhaber und passiver Gesellschafter der Nachfolgefirma bezeichnet, erklärte gegenüber der LZ, dass ein Kunde unerwartet und kurzfristig den Vertrag gekündigt habe. Dabei soll es sich um Aldi Nord und Süd handeln. Gespräche mit Kaufinteressenten liefen.

Die Großbäckerei in Daun soll Berliner für Aldi produziert haben.
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